Warum leistet sich der MDR eigentlich zwei junge Radioprogramme? Im Sommer 2008 hat der Hörfunkausschuss des MDR-Rundfunkrates dazu im Rahmen einer Klausursitzung (15./16. Juni 2008) diskutiert. Herausgekommen ist eine Tabelle mit 10 Gründen.

Vor dem Hintergrund, dass sich gerade mit BISS.FM in der Dresdner Musik- und Jugendszene eine Initiative etabliert, die die Ausstrahlung eines innovativen Jugendprogramms auch in Dresden fordert, dokumentieren wir im folgenden diese 10 Punkte: Wie sich Sputnik und Jump unterscheiden.

Grund

JUMP

MDR SPUTNIK

1. Unterschiedlicher Auftrag im MDR

Massenpopuläres Programm für die Nachwendegeneration

Multimediale Experimentierplattform, Testen neuer Verbreitungswege und Programmkonzepte

2. Andere Reichweiten

Massenprogramm, über 1,1 Mio. Hörer (Tagesreichweite) im MDR-Gebiet

Spartenprogramm mit 160.000 Hörern im MDR-Gebiet

3. Kaum Hörerüberschneidung

JUMP-Hörer (in Sachsen-Anhalt) hören außer JUMP vor allem SAW (90.000), Radio Brocken (60.000), 89.0 RTL (40.000) und dann erst SPUTNIK (33.000). Fazit: Die Überschneidung bei den JUMP-Hörern, die auch MDR SPUTNIK hören, beträgt nur ca. 15 Prozent.

Hörer von MDR SPUTNIK hören außer MDR SPUTNIK vor allem SAW (45.000), erst mit deutlichem Abstand auch JUMP (33.000). Nur ein Fünftel der Hörer von MDR hört gelegentlich auch JUMP, ein Viertel dagegen hört auch SAW.

4. Unterschiedliche Übertragungswege. Damit unterschiedliche regionale Verantwortung.

JUMP ist ein Programm für drei Länder und damit für drei verschiedene Radiomärkte. JUMP muss auf drei verschiedene Konkurrenzsituationen reagieren.

MDR SPUTNIK ist auf UKW nur in Teilen von Sachsen-Anhalt empfangbar, im gesamten Sendegebiet aber nur über Internet, was zukunftsweisend ist. JUMP ist das einzige junge Angebot, das im ganzen Sendegebiet des MDR über UKW erreichbar ist.

5. Zwei verschiedene Zielgruppen

Junge Erwachsene: erlebnis- und leistungsorientierte junge und moderne Erwachsene, meist mit Familie und Beruf, die keinen jugendlichen Träumen mehr nachhängen, sondern mitten im Leben angekommen sind.

Jugendliche: insbesondere multimedia-affine, vielseitig interessierte, weltoffene und gebildete Jugendliche, die dabei sind ihren Weg im Leben zu finden.

6. Unterschiedliches Alter der Hörer

20-40 (Durchschnitt 32,5), mehr als die Hälfte der JUMP-Hörer ist älter als 30 Jahre.

15-29 (Durchschnitt 27,5). Tatsächlich sind die meisten SPUTNIK-Hörer um die 20 Jahre alt.

7. Andere Sozialisation

Die Mehrheit der JUMP-Hörer hat die Wendezeit 1989 bewusst als Kind oder Jugendlicher direkt erlebt. Hörer von JUMP sind noch in der DDR geprägt worden.

Die Mehrheit der SPUTNIK-Hörer ist im vereinten Deutschland mit anderen Werten und neuen Medien aufgewachsen und kennt die Wendezeit nur aus Berichten.

8. Differenzierte Milieus

JUMP erreicht neben den jungen Milieus auch etablierte Milieus („Berufsorientierte“, „Aktiv Familienorientierte“, „Unauffällige“, laut ARD – Mediennutzer-Typologie 2.0)

SPUTNIK ist fokussiert auf junge Milieus („Junge Wilde“, „Zielstrebige“, „Trendsetter“)

9. Gegensätzliche Funktionen für die Hörer

Gegenwartszentrierung: Mit JUMP geht es den Hörern um einen sanften Übergang in den Tagesrhytmus, um einen optimistischen Schwung, um „Entdramatisierung“ mitten im Leben – hier und jetzt

Aufbruchstimmung: Die Hörer wollen sich mit MDR SPUTNIK antreiben lassen, sich ausrüsten und fit machen, Perspektiven wechseln, Neues und Überraschendes erleben und dabei an die Zukunft denken.

10. Zwei Musikformate

Durch kontinuierliche, empirische Abfragen (Call Outs) optimiertes Musikangebot aus Modern Rock und Mainstream Pop

Handverlesener Mix auf der Grundlage von Rock und Pop mit hohen Anteilen von alternativen Bands, inkl. Nachwuchsbands und Black Music. Die Überschneidung bei den gespielten Musiktiteln beträgt zwischen JUMP und MDR SPUTNIK lediglich 10%, dabei handelt es sich um aktuelle Hits, die jedes moderne Radioformat anbieten muss.

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