Länger. Praktischer. Trimedial? Interview zum Redaktions-Volo des MDR

Interview: Stephanie Teistler

Frank-Thomas Suppee, Leiter des MDR-BildungsCentrums, erklärte vergangene Woche auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland, dass junge Menschen mit dem Volontariat immer noch einen der verlässlichsten Wege in den Journalismus gehen. Gleichzeitig hätten die großen Sender längst kein Monopol mehr auf diesen Ausbildungsweg und müssten ihr Angebot dementsprechend weiterentwickeln.

Im Interview mit Flurfunk Dresden spricht Suppee darüber, weshalb der Bewerberandrang auf den MDR nach wie vor ungebrochen ist und warum es dort trimedialer zugeht, als man auf den ersten Blick erkennt.

Flurfunk Dresden: Herr Suppee, vor gut zwei Jahren haben Sie mir erklärt, warum der MDR seine Volontäre 18 und nicht 24 Monate ausbildet. Sie meinten damals, dass es für kleinere Sender vor allem eine Kostenfrage sei, Volontäre möglichst lang als solche zu beschäftigen. Jetzt hat der MDR sein Redaktionsvolontariat selbst auf zwei Jahre ausgebaut. Wie kommt das?

Leitet das MDR BildungsCentrum: Frank-Thomas Suppee

Frank-Thomas Suppee: Wir nehmen uns für die Ausbildung unseres journalistischen Nachwuchses mehr Zeit, weil wir zugleich mehr Inhalt und mehr Praxis vermitteln wollen. Dafür sehe ich im Wesentlichen drei Gründe. Erstens werden wir das neue Volontariat noch konsequenter an der trimedialen Strategie des Hauses ausrichten. Ausbildungsinhalte, die dafür erforderlich werden, kommen nicht einfach „on top“ oder gehen zu Lasten der bewährten handwerklichen journalistischen Ausbildung.
Zweitens wollen wir erreichen, dass die Volontärinnen und Volontäre möglichst den kompletten Produktionsprozess einer Sendung bzw. eines Programmevents miterleben und daran aktiv teilhaben. Deshalb werden alle unsere Praxisphasen mindestens acht Wochen umfassen. Bislang waren die jungen Frauen und Männer in der Regel vier bis sechs Wochen in den Praxisstationen, wobei Projekte oder Urlaubsabwesenheiten diese Phasen teilweise verkürzten. Künftig werden Urlaub und größere Projekte ausgegliedert.
Daraus ergibt sich drittens, dass wir im 24-Monats-Volontariat die Verlängerung der Praxisstationen mit neuen inhaltliche Anforderungen und qualitativen Verbesserungen verknüpfen.

Flurfunk Dresden: Muss man damit rechnen, dass das Volontariat zukünftig seltener ausgeschrieben wird?
Suppee: Nein, die Verlängerung geht nicht zu Lasten der Gesamtzahl der Auszubildenden. Wir haben nach wie vor zehn Volontärsplätze zu vergeben, und diese vergeben wir jedes Jahr.

Flurfunk Dresden: Vergangene Woche berichtete der Leiter der Deutschen Journalistenschule, Jörg Sadrozinski, im FAZ-Interview von einem Bewerberrückgang im Journalismus. Wie viele Bewerber versuchen dieses Jahr ihr Glück beim MDR?
Suppee: Etwas weniger als im vergangenen Jahr. Zuletzt waren es rund 450, dieses Mal haben wir rund 370 Bewerbungen erhalten. Ich glaube nicht, dass hier die Demografie über die Nachfrage entschieden hat. In unserem Fall kann es mit dem Übergang von 18 auf 24 Monate zusammenhängen. Wir werden uns das genauer anschauen, schließlich ist das verlängerte Volontariat auch für uns und für viele potenzielle Bewerber Neuland. Wenn ich die Zahlen aber mit denen anderer Volontariate vergleiche, sind wir mit über 30 Bewerbungen pro Platz nach wie vor auf einem guten Niveau.

Flurfunk Dresden: Die Skandale der jüngsten Zeit haben dem MDR als Arbeitgeber also nicht geschadet?
Suppee: Aus meiner Perspektive als Leiter des BildungsCentrums sehe ich das so: Die Bewerbungsnachfrage junger Menschen beim MDR ist ungebrochen. Die Vorfälle, von denen Sie sprechen, liegen bereits einige Zeit zurück. Wie Sie wissen, hat unsere Geschäftsleitung daraus umfassende und tiefgreifende Konsequenzen gezogen. Das zeigt mir, dass die Bewerber erkannt haben, dass man im MDR eine erstklassige Ausbildung findet und mit ihm einen Arbeitgeber, der solche Vorgänge auch glaubwürdig und professionell bewältigt. Hier sehe ich also kein Problem.

Flurfunk Dresden: Die Kommunikation mit den Bewerbern läuft immer noch über den Postweg: Wann zieht der MDR mit anderen ARD-Anstalten gleich und stellt auf Online-Bewerbung um?
Suppee: Die Bewerbung in Papierform ist bisher nicht ausgestorben, auch nicht in der ARD. Wir sind aber dran an der Möglichkeit zur Online-Bewerbung. Wann es soweit sein wird, kann ich Ihnen heute noch nicht sagen.

Flurfunk Dresden: Wo hakt es?
Suppee: Wir wollen das nicht isoliert für die Volontärsausbildung angehen. Online-Bewerbungen sollen dann sowohl für Volontariate als auch für unsere Ausbildungsplätze und alle anderen freien Stellen möglich sein. Das ist schon ein größerer Kraftakt, der etwas Zeit braucht.

Flurfunk Dresden: Das Redaktionsvolontariat beim MDR ist mit dem Begriff „trimedial“ umschrieben – ein Wort das Erwartungen weckt. Wenn man im Voloblog mitliest, scheint es aber, als ob Hörfunk, Fernsehen und Online getrennt voneinander abgehandelt werden. Täuscht dieser Eindruck?
Suppee: Zunächst muss man das journalistische Handwerk beherrschen. Man kommt also auch bei einer modernen Ausbildung nicht umhin, für jedes dieser Medien – solange es erfolgreich existiert – das nötige Grundrüstzeug zu vermitteln. Es gibt auch methodische Erfahrungswerte, in welcher Reihenfolge man das am Besten macht.
So war es bisher einfacher, über das Radio einzusteigen, als sofort mit Kamerabild und Ton zu arbeiten. Wenn Sie aber genau hinschauen, werden Sie feststellen, dass es diese strikte Trennung von Radio, Online und Fernsehen bei uns längst nicht mehr gibt. Das vermengt sich schneller und stärker, als man mit einem kurzen Blick von außen sieht. Dass die Volontäre ihren Blog bei mdr.de unterhalten, ist für mich auch ein Indiz dafür. Noch deutlicher zeigen es trimediale Ausbildungsprojekte wie „Unsere bunte Heimat“, die Sie ebenfalls auf unserer Internetseite finden.
Der MDR ist heute ein modernes und erfolgreiches Medienhaus, in dem Radio, TV und Internet zunehmend miteinander verschmelzen. Das ist ein Prozess, darin wollen wir gemeinsam mit den Redaktionen Ausbildungsangebote entwickeln, die ebenso modern sind und zugleich Impulse für unser Haus geben können. Unser Anspruch ist, das Volontariat mit jedem neuen Jahrgang weiterzuentwickeln. Dann haben auch unsere Volontäre etwas anzubieten, das ein modernes Medienhaus wie der MDR nicht nur jetzt, sondern auch in naher Zukunft braucht.

Flurfunk Dresden: Vielen Dank für das Interview!#

Hier finden Sie weiterführende Informationen zum MDR-Volontariat.

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