„WochenSpiegel Sachsen“ wird eingestellt

Mit einem Facebook-Eintrag informierten die "WochenSpiegel Sachsen"-Mitarbeiter über das überraschende Ende.

Mit einem Facebook-Eintrag informierten die "WochenSpiegel Sachsen"-Mitarbeiter über das überraschende Ende.

Aus die Maus: Die Mitarbeiter des "WochenSpiegel Sachsen" haben heute überraschend mitgeteilt bekommen, dass die Ausgabe vom morgigen Mittwoch (16.7.2014) die letzte sein wird. Bei einer kurzfristig in Chemnitz einberufenen Mitarbeiterversammlung erklärte Geschäftsführer Helmut Lanio (vom Mehrheitseigentümer Weiss-Gruppe) den verdutzten Mitarbeitern, dass aufgrund des kommenden Mindestlohns keine Perspektive für das kostenlose Anzeigenblatt bestehe. Der Titel wird deswegen kurzerhand eingestellt.

Der "WochenSpiegel Sachsen" erscheint bislang in Teilen des Regierungsbezirks Chemnitz, genauer in den Regionen Chemnitz Stadt und Land (Geschäftsstelle in Glauchau), Zwickau/Werdau-Crimmitschau, Freiberg/Flöha, Mittweida, Plauen-Oberes Vogtland und Auerbach-Reichenbach. Die sechs Geschäftsstellen sowie die Zentrale in Chemnitz werden geschlossen, der Verlag komplett aufgelöst. Betroffen sind rund 60 Mitarbeiter.

Nicht betroffen ist der "WochenSpiegel Erzgebirge", der in den Regionen Aue, Stollberg, Annaberg und Marienberg erscheint. Die Erzgebirgs-Variante des "WochenSpiegel" ist zwar bislang enger Kooperationspartner des "WochenSpiegel Sachsen", erscheint aber in einem unabhängigen Verlag.

Der "WochenSpiegel Sachsen" hatte erst zum Jahreswechsel den Eigentümer gewechselt (vgl. Flurfunk Dresden vom 5.12.2013: "DD+V verkauft WVD ('Wochenspiegel Sachsen') an 'Freie Presse' und Weiss-Gruppe" – in dem Beitrag ist auch eine grobe Übersicht über den Markt der kostenlosen Anzeigenblätter in Sachsen zu finden).

Im ersten Schritt war Anfang des Jahres die Samstags-Ausgabe vom Markt genommen worden (vgl. Flurfunk Dresden vom 13.2.2014: "Rückzug vom Wochenende: 'WochenSpiegel Sachsen' ohne Samstags-Ausgabe"). Die Maßnahme habe auch durchaus Wirkung gehabt, heißt es; intern spricht man von positiven Entwicklungen des Anzeigen und Beilagen-Geschäfts in den vergangenen Wochen. Mit dem gesetzlichen Mindestlohn für die Zusteller aber hätten sich die langfristigen Perspektiven erledigt.

Die DD+V (Mutterhaus der "Sächsischen Zeitung"), mit 25 Prozent Minderheitsgesellschafter beim "WochenSpiegel Sachsen", hat zur Einstellung des Kostenlos-Titels eine Mitteilung im hauseigenen Intranet veröffentlicht. Diese geben wir hier 1:1 wieder:

"Der WOCHENSPIEGEL SACHSEN, ein regionales Anzeigenblatt, dass im Raum Chemnitz erscheint, wird eingestellt. Diese Entscheidung wurde im Rahmen der Gesellschafterversammlung der Wochenspiegel Sachsen GmbH getroffen, an der die DD+V Mediengruppe eine Minderheitenbeteiligung von 25 Prozent hält. Am morgigen Mittwoch erscheint der WOCHENSPIEGEL SACHSEN mit seiner letzten Ausgabe. Von der Einstellung des Anzeigenblattes sind ca. 60 Mitarbeiter betroffen. Bereits seit Anfang des Jahres erschien der WOCHENSPIEGEL SACHSEN nur noch mittwochs, statt bislang mittwochs und samstags. Die Konzentration auf einen Erscheinungstermin hatte prinzipiell zu einer positiven Entwicklung geführt. Nach der endgültigen Entscheidung für einen Mindestlohn fehlt es jedoch spätestens ab dem 1. Januar 2015 mittelfristig an einer positiven Fortführung der Prognose, da die Zustellkosten deutlich steigen werden."

Nachtrag 17.6.2014: Bitte berücksichtigen Sie auch unseren Lesehinweis mit dem Titel: "Lesehinweis: Flurfunk Dresden bei Spiegel Online zitiert".

11 Kommentare
  • Entenjäger
    Juli 15, 2014

    Wer hätte das gedacht! - selten so gelacht! - Es gibt sie doch die Zeitungsente!! Oder besser Ping-Pong fürs Kartellamt?
    Na ja die vom KDS Vertrieb wissen es bereits seit letzten Freitag, dass sie den Sächsischen Boten zustellen dürfen! Und da ja der Mindestlohn daran Schuld ist, sollten die "Königlichen Haus und Hof Zusteller" vom KDS aus Dresden den Mindestlohn auch gleich einfordern!
    Also statt der angebotenen 2 ct je Bote mindestens 3ct fordern und für jede Prospekteinlage 1 ct extra!!
    Schließlich kommt ja der Sächsische Bote aus der Stadt des "Nischels"!! Dem Chemnitzer Verlag muss es doch eine Ehre sein, die Austräger des Proletariates als erstes mit dem Mindestlohn dem Kommunismus ein Stück näher zu bringen!! Sofern es sich bei der Freien Presse nicht um ein Potemkinsches Dorf
    handeln sollte; singen alle Austräger vom KDS im Chor!
    52 Sächsische Boten im Jahr und zum Parteitag die Beilagen ja die KDS schreit Hurra der Mindestlohn ist jetzt da!!
    Ansonsten gilt: Austräger aus Dresden vereinigt euch!
    Ich gehe jetzt Mohrhuhn äh Enten schießen!

  • Matthias
    Juli 15, 2014

    Waren es nicht die Zusteller, die dank Lobby-Arbeit erstmal keinen Mindestlohn bekommen und von den gesetzlichen Regelungen ausgenommen sind. Oder irre ich da?

  • ERIK
    Juli 16, 2014

    ALSO DAS IST WIRKLICH EINE SAUEREI !!!
    In der Hausmitteilung vom KDS heißt es wie folgt:
    "Für Ihre Mühe und Belastung mit diesen Produkt zahlen wir einen Zuschlag von 2ct/Stück"
    Also egal wie schwer und was ist mit den Einlagen, ich habe vorher 2,7 ct je Zeitung erhalten plus 0,5ct je Prospekt !! Das war für mich ok und fair.
    Also ich lass den Boten stehen, wenn KDS nicht MINDESTENS 3 CT zahlt! Mein Kumpel aus Blasewitz zieht da auch mit!! oder es geht zum Sero!

  • Dieter
    Juli 16, 2014

    Es ist besser, in Ehren zu versagen als durch Betrug erfolgreich zu sein.
    Sophokles (496-405 v.Chr.), griech. Tragödiendichter

  • Klaus
    Juli 16, 2014

    Eine Zeitung, die keiner brauchte. Eine Zeitung, die keiner gelesen hat. Mit Null Informationsgehalt - nur Werbung und Anzeigen. Sorry Leute, aber wer liest sowas? Ich bin ehrlich gesagt froh, dass diese Zeitung nicht mehr den Briefkasten verstopft. Als nächstes sollte der "Blick" folgen - ebenfalls eine Zeitung aus dieser Kategorie. Weg damit! Papierverschwendung!

    Allen Mitarbeitern wünsche ich, dass sie schnell wieder einen neuen Arbeitsplatz finden.

  • Dieter
    Juli 17, 2014

    Hier mal ein Beispiel auf der Basis von 1000 Exemplaren. Was bleibt denn nun für den Verleger netto netto für die Privatschtulle über.
    Nach Abzug aller Kosten zb. Druck,Transport,Personal im Büro Zusteller,Versicherung,etc sind das pro Tausend 470,00 € in die private Tasche. bei einer Auflage von ????? erhöht sich zwangsläufig der Betrag.Bei einem Mindestlohn würde sich der Betrag nur um 30,00 € veringern. Es verbleiben also immer noch 440,00 €. Somit ist ein Mindestlohn mehr als angemessen

  • ERIK
    Juli 17, 2014

    Hi Dieter,
    Habe der Tragödie Sächsischer Böte abgesagt. ich will ja kein Betrüger sein. Deine Rechnung kann ich nicht folgen. bei mir ist es so, ich bekam für den boten 2,7 ct vorher. Also jetzt waren es 7 euronen weniger auf tausend. Dazu würde kommen, dass die Prospekte von Kds nur noch als Beilage zahlen als nochmal 10 euronen je 1000 weniger. Macht 17 Euro!! Also 17x165000 Exemplare mal 56 WOCHEN geteilt durch 1000 ist gleich 157080 Euro Cash für die Chefs. Daher ist Die Hausmitteilung von DD+V einfach zum....

  • Dieter
    Juli 17, 2014

    Hi ERICK,

    man kann das auch anders rechnen. Wenn von der Gesamtauflage von 629000 jeweils nur ein lumplger Cent pro Exemplar nach Abzug aller Kosten für den Chef bleibt, dann sind das nach Adam Riese 692,00 € Casch in die Täsch pro Erscheinungstag.

  • Mirko
    Juli 17, 2014

    Guten Tag, ich habe mit dem Wochenspiegel zwar nichts zu tun, aber die Rechnung von Dieter und Erik sind nicht gerade sehr logisch. Ein Gewinn errechnet sich aus den Einnahmen abzüglich aller Ausgaben und Steuern. Wo sind bei Euch die Einnahmen und wo die Ausgaben? Woher kennt Ihr diese??? Laut Bundesanzeiger weist die Verlagsgesellschaft des Wochenspiegel im Jahr 2012 nach Abzug aller Kosten einen Verlust von 427.984,00 Euro aus. Vielleicht war das Jahr 2013 etwas erfolgreichger. Aber durch den gesetzlichen ML ab 01.01.2015 dürften sich die Kosten für die Zustellung erhöhen. Ich glaube auf Dauer hätte keiner Lust, jedes Jahr Geld in diesen Größenordnungen zu verlieren. Allerdings hat die Einstellung des Wochenspiegel sicher noch andere Gründe, die nur Eingeweihte durchblicken.

  • Dieter
    Juli 18, 2014

    Es ist also Gottgegeben das ein Anzeigenblatt nur funktioniert wenn ein Hungerlohn für Zusteller gezahlt wird.Seit Ultimo gilt ein Hungerlohn weil das alle so handhaben.Einfach mal den Mut die Preise für die Inserate und Beilagen erhöhen und schon ist Mindestlohn kein Thema mehr. Das Kartell hat sich da womöglich abgesprochen den Zustelllohn so zu lassen wie er ist.

  • ERIK
    Juli 23, 2014

    Hallo Dieter noch mal kurz zu Cash für den Chef.
    Also 1 ct je Exemplar macht bei einer Auflage von 629000 auch soviele cets. Geteilt durch 100 sind dann Euronen! Mithin 6290,00€ Cash für den Chef.

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