„Wochenendspiegel“: ehemalige WochenSpiegel-Mitarbeiter gründen neue Wochenzeitung für Chemnitz

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Ehemalige Mitarbeiter des jüngst eingestellten "WochenSpiegel Sachsen" (vgl. Flurfunk Dresden vom 15.7.2014: "'WochenSpiegel Sachsen' wird eingestellt") haben den Schritt gewagt und eine eigene "unabhängige Wochenzeitung" gegründet.

Der "Wochenendspiegel" erscheint erstmals am 3.10.2014 mit einer Auflage von knapp über 85.000 Exemplaren und soll fortan jede Woche Freitags in den Briefkästen in Chemnitz zu finden sein.

Im Vorwort der ersten Ausgabe und der dazugehörigen Pressemitteilung sparen die Neugründer nicht mit Angriffen gegenüber dem alten Anbieter bzw. Arbeitgeber.

Wörtlich heißt es:

"Ein Urgestein der Medienlandschaft meldet sich nach unfreiwilliger Sommerpause in neuem Kleid zurück. Nach der Einstellung des WochenSpiegel mit Ausgabe vom 16. Juli 2014, damit einhergehender Betriebsstilllegung und der Entlassung von fast 100 Mitarbeitern, wagen einige Mutige nun einen Neustart.

WOCHENENDSPIEGEL nennt sich das neue Wochenblatt, welches ab 3. Oktober nun jeden Freitag in Chemnitz erscheint. Die Macher kämpfen damit nicht nur um eine berufliche Perspektive für die gekündigten Frauen und Männer sondern auch gegen das aktuell in der Region bestehende Monopol des Freie Presse-Anzeigenblattes Blick. Neben der Chemnitzer Ausgabe des WOCHENENDSPIEGEL sollen zeitnah weitere regionale Ausgaben folgen."

Dort ist auch zu lesen, dass es in den letzten Monaten großen Zuspruch von "treuen Lesern und Gewerbetreibenden aus der Region aber auch von Kommunal- und Landespolitikern" gegeben habe. Passend dazu sind Sachsen Ministerpräsident Stanislaw Tillich, der Vorsitzende des Bundesverbands deutscher Zeitungsverleger Helmut Heinen sowie Peter Fritzsche, Kreishandwerksmeister für Chemnitz auf der ersten Seite mit kurzen Grußworten vertreten (Seite 1 ist unten als PDF verlinkt).

Zur Einstellung des "Wochenspiegel" schreiben die Neugründer:

"Unter dem fadenscheinigen Vorwand, der Mindestlohn für Zusteller (in voller Höhe erst ab 1.1. 2017) mache den Betrieb wirtschaftlich nicht mehr sinnvoll, wird die Wochenzeitung eingestellt, der Betrieb still gelegt alle Mitarbeiter entlassen. Bereits ein halbes Jahr vorher war das Mutterhaus des WochenSpiegel Sachsen, die WVD Mediengruppe (Vertrieb, Satzservice, IT, Buchhaltung etc.), an die Freie Presse verkauft wurden."

Hinter dem "Wochenendspiegel" steht Olaf Haubold, Geschäftsführer der neugegründeten kommunikation & design verlag gmbh Chemnitz. Er war zuvor über 20 Jahre als Handelsvertreter beim WochenSpiegel Sachsen Verlag tätig gewesen und hat nun eine Reihe ehemaliger "WochenSpiegel"-Mitarbeiter hinter sich versammelt.

Die haben in den Aufmacher der ersten Ausgabe (zumindest in der uns als PDF vorliegenden Version, s.u.) gleich mal einen pikanten (bestimmt zufälligen) Schreibfehler eingebaut. Dort ist zu lesen:

"Eine engagierter Gruppe ehemaliger WochenSpiegel-Mitarbeiter hat sich gemeinsam mit ihm zusammen geschlossen, um zu beweisen, dass auch in einer sich wandelnden Medienlandschaft Platz für eine zweite Wochenzeitung ist - neben dem derzeitigen Möchtegermonopolisten aus dem Hause Schniggenfettig/Blick/Freie Presse."

Das pikante daran: Der "Blick"-Geschäftsführer heißt Tobias Schniggenfittig. In der Pressemitteilung ist sein Name richtig geschrieben.

Bericht und Mitteilung betonen die Unabhängigkeit von großen Verlagshäusern. Als Kooperationspartner und enger Begleiter stehe allerdings der "WochenSpiegel Erzgebirge" an der Seite – der hatte zuvor lange Zeit mit dem "WochenSpiegel Sachsen" kooperiert.

Mit dem angrifflustigen Erstaufschlag dürften die Macher auf jedem Fall einen Nerv treffen, um als kleiner David den Goliath "Freie Presse" zu ärgern. Langfristig muss sich allerdings erst zeigen, ob sich tatsächlich zwei Anzeigenblätter in der Region am Markt halten können.

Zitat aus der Pressemitteilung zur Gründung des "Wochenendspiegel":

"Ein interessantes Blatt zu machen, statt sich plattmachen zu lassen – das will das junge Team erreichen."

Lesen Sie hier Seite 1 der neuen Wochenzeitung als PDF.

57 Kommentare
  • Ex-AL
    Oktober 18, 2014

    Leute, wenn ich das so lese, solltet ihr (paranomia + Idealist)euch mal bei einer Tasse Kaffee treffen und eure beiden Monologe dort fortsetzen. Ich denke, dass ich weiß, wie das Geschäft bei den Anzeigenblättern läuft. Seit der ersten Ausgabe des WochenSpiegel 1990 in Ost-Sachsen und West-Thüringen gab es immer das Problem des Preises. Damals hießen die Mitbewerber in Chemnitz noch Stadtanzeiger, Hallo Chemnitz, BlICK. Später gab es hier noch einen Blitzpunkt. Ich habe drei Anzeigenblätter- und einen Amtsblattverlag hinter mir. Es waren mehr als 20 interessante Jahre. Aber nun reicht es auch! Immer wieder wird der selbe Fehler gemacht: Man beschäftigt sich, auch nach außen, immer mit den Anderen. Da werden Schwächen und Fehler aufgezeigt, ohne die eigenen Stärken hervorzuheben und auszubauen. Es gab immer Bemühungen dies zu tun, aber das "Pflänzchen" kam nicht so recht zum Wachsen. Sichert einen funktionierenden Vertrieb, macht eine gute Redaktion und arbeitet mit den Kunden für die Kunden. Wenn diese Komponenten stimmen, ist der Kunde auch bereit einen höheren Preis zu zahlen. Bedenkt die Worte des ersten WochenSpiegel-Geschäftsführers Manfred Dzwonnek: Und auf seinem Grabstein stand: "Er gab die höchsten Rabatte". In diesem Sinne, denkt mal drüber nach und für die Zukunft alles Gute. PS: Der Wochenendspiegel kam heute das erste Mal bei mir an.

  • Heike Jugel
    November 9, 2014

    hallo, freue mich, dass es wieder so eine Zeitung gibt!! Wollte nur mal nachfragen, ob es möglich ist wieder die Notdienste der Chirurgen und Zahnärzte für die folgende Woche mit zu veröffentlichen? Im alten Wochenspiegel gab es dies ja! MFG H. Jugel

  • Karo
    November 11, 2014

    Hallo, ich freue mich, bzw. freute mich, wieder mal eine gute Zeitung zu erhalten. Allerdings ist die Freude schon zu Ende - wir bekommen einfach keine Zeitung mehr, und zwar unsere gesamte Straße "Am Schösserholz" ! 2 Exemplare haben wir erhalten, dann war Ebbe!
    Und nun breche ich mit die Finger um im Netz irgend eine Kontakt-Adresse bzgl. Vertrieb zu finden- Pustekuchen! Nix und nirgends, deshalb versuche ich es hier und hoffe es ändert sich was. Wenn der Vertrieb nicht läuft wird das Blatt kein langes Leben haben! Schade!

  • Heiko Kistler
    November 12, 2014

    @Karo denn Vertrieb erreicht du unter der Tel. 0371355991105 und info@vbs-logistik.net oder demnächst unter http://vbs-logistik.net.

  • Thierbach Jürgen
    November 13, 2014

    Reichenhainer Straße 191 e 09125 Chemnitz. Wir erhalten seit Monaten keinen Wochenspiegel. Warum ???

  • Heiko Kistler
    November 13, 2014

    qThierbach Jürgen
    der originale Wochenspiegel ist eingestellt seit Mitte Juli
    http://www.flurfunk-dresden.de/2014/07/15/wochenspiegel-sachsen-wird-eingestellt/

    Deswegen haben ja ehemalige WochenSpiegel Mitarbeiter den neue Wochenendspiegel gründen der in Chemnitz schon seit Anfang Oktober wöchentlich erscheint wie hier auch nach lesen kannst.

  • dambeck ,uwe
    September 18, 2015

    Das ist mal ein Blatt was man lesen kann,
    ,,mal sehen wie lange!Hoffentlich darf Thomy weiterhin so ehrlich schreiben,ist ja fast beängstigend soviel Wahrheit!Sehr mutig,weiter so!

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