Zum Tod von Udo Reiter

Die Nachricht vom Tode des ehemaligen MDR-Intendanten Udo Reiter hat heute (Medien-)Deutschland erschüttert. Wir erlauben uns an dieser Stelle statt eines eigenen Nachrufs auf die Berichterstattung durch andere Medien hinzuweisen.

Im Nachruf auf MDR-Online heißt es:

"Der MDR hat mit tiefer Bestürzung auf die Nachricht vom Tod seines Gründungsintendanten Professor Dr. Udo Reiter reagiert und ihn zugleich als kraftvollen und überzeugten Visionär gewürdigt. 'Die deutsche Medienlandschaft, wie wir sie heute kennen, verliert mit Udo Reiter einen ihrer Gründungsväter, der MDR einen Kollegen und väterlichen Freund', sagte MDR-Intendantin Karola Wille in Leipzig."

In den Beitrag eingebunden ist auch ein O-Ton von MDR-Intendantin Karola Wille. Titel des Nachrufs bei MDR-Online: "Trauer um Gründungsintendanten Professor Udo Reiter".

Im Online-Angebot des Bayrischen Rundfunks, bei dem Reiter vor seiner Zeit beim MDR 20 Jahre lang als Hörfunkdirektor gearbeitet hat, ist ebenfalls ein Nachruf zu finden. Dort heißt es:

"Der Bayerische Rundfunk trauert um seinen langjährigen Hörfunkdirektor und einen großen Journalisten. Intendant Ulrich Wilhelm würdigte Reiter als humorvollen und hochgebildeten Freund, der in der deutschen Medienlandschaft deutliche Spuren hinterlassen habe und dem BR bis zuletzt eng verbunden gewesen sei."

Auch dort sind Videos eingebunden, darunter ein O-Ton von BR-Intendant Ulrich Wilhelm. Der Beitrag ist hier zu finden: "Ex-MDR-Intendant Udo Reiter ist tot".

 

Berührend und lesenswert sind auch die Nachrufe einiger bekannter (Medien-)Journalisten. Für die "Süddeutsche Zeitung" hat Hans Leyendecker über Udo Reiters Leben geschrieben (Titel: "Aufbruch Ost"). Zitat:

"Reiter stand zwar im Ruf, sehr emotional reagieren zu können. Dennoch oder vielleicht auch deshalb wurde er 1991 vom MDR-Rundfunkrat einstimmig zum Gründungsintendanten der Anstalt für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gewählt. Reiter fühlte sich wohl. Da war was los. Nicht so langweilig wie in München. 'Gesindel' und 'gute Leute' versuchten sich als Aufbauhelfer. Er wich keinem Konflikt aus und war der erste ARD-Vorsitzende, der von den anderen Großen der ARD niederkartätscht wurde. Sein 1997 gemachter Vorschlag, eine 'Körperschaft ARD-Berlin' mit wenigen ARD-Anstalten zu gründen, löste Tumulte in anderen Häusern aus. Warum eigentlich?"

Im "Tagesspiegel" schreibt Joachim Huber (Titel: "Ehemaliger MDR-Intendant war Macher und Intellektueller") über Reiter:

"Der kam nach Leipzig, sah und machte sich an die Arbeit. Nicht als Invasor aus dem Westen, sondern als Aufbauhelfer, durchdrungen von der Aufgabe, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Osten zu etablieren. Mit Hörfunk und Fernsehen, die in den Irrungen und Wirrungen des immensen gesellchaftlichen Umbruchs Heimat bieten wollte. Daraus wurde eine Melange aus 'Polizeiruf 110', Lebensberatung, Schunkel. Wenn der Begriff 'Ostalgie' seine Berechtigung hatte, dann im MDR. Und aus der Ostalgie erwuchs eine selbstbewusste Ostidentität. Es hagelte Häme, aber Reiter war keiner, der gegen das Publikum und seine erkannten Bedürfnisse ansenden wollte. Bis heute ist das MDR-Fernsehen das erfolgreichste Dritte."

Ulrike Simon hat für die "Berliner Zeitung" über Reiters Wirken geschrieben (Titel: "Ein selbstbestimmtes Leben"). Zitat:

"Sein eigentliches Lebenswerk begann mit dem Mauerfall. Man nannte ihn den König von Mitteldeutschland. Er, der 'Krüppel', wie er es formulierte, aus einfachen Verhältnissen in Lindau am Bodensee, schuf den MDR aus dem Nichts. Umso schmerzvoller muss ihm im Mai 2011 sein glanzloses Ausscheiden vorgekommen sein. Der immer wieder wegen Skandalen in die Schlagzeilen geratene MDR war auf dem Höhepunkt einer Krise."

Sehr lesenswert ist auch der Nachruf von Medienredakteur Jürn Kruse für die "taz" (Titel: "Ein vollendetes Lebenswerk"). Zitat:

"Hat er es nun doch getan? Jeder, der Udo Reiters Autobiografie 'Gestatten, dass ich sitzen bleibe' gelesen hat, wird wohl diesen Gedanken gehabt haben, als die Nachricht kam, dass der langjährige, frühere Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) tot auf seiner Terasse in Gottscheina bei Leipzig gefunden wurde. Neben ihm soll eine Waffe gelegen haben. Fremdverschulden schließt die Polizei mit hoher Wahrscheinlichkeit aus."

Ebenfalls sehr lesenswert: Michael Hanfeld schreibt in der "FAZ" über Udo Reiter (Titel: "Der Freibeuter"). Zitat:

"Er machte nie ein Hehl daraus, was er dachte, was er wollte und - lernte man ihn näher kennen - wie es ihm ging. Davon zeugen auch seine Memoiren, die vor zwei Jahren erschienen. 'Gestatten, dass ich sitzen bleibe' ist der Titel, der genau den bitterbösen Witz trifft, der Reiter auszeichnete und mit dem er die größten Krisen ertrug."

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