Ohne viele Worte: Politiker sind doch auch Bürger!

Das mal vorweg: Wir wollen hier sicher nicht die AfD verteidigen oder unterstützen... oder die LINKE dissen... und sicher nicht einstimmen ins völlig übertriebene Medienbashing unter dem Stichwort "Lügenpresse" - schon gar nicht bei der "Sächsischen Zeitung", da wären andere eigentlich zuerst dran.

Und, zugegeben, der nun folgende Vergleich hinkt – vor allem, was die Dimensionen betrifft. Trotzdem: Das Foto heute (4.2.2015) im Lokalteil Dresdner Norden der "Sächsischen Zeitung" (S. 17) müssen wir hier mal kurz thematisieren.

Screenshot von n-tv.de vom 4.2.2015.

Screenshot von n-tv.de vom 4.2.2015.

Vielleicht haben Sie diese Schlagzeile aus Hamburg mitbekommen: "Aktivisten werden zu Passanten. AfD blamiert sich mit Statisten-Bürgern." Hier bei n-tv.de nachzulesen.

Da hat also sich ein AfD-Kandidat in Hamburg (dort ist gerade Wahlkampf) mit einem NDR-Panorama-Fernsehteam im Schlepptau auf die Straße gestellt und versucht, Passanten ins Gespräch zu bekommen. Und weil keiner mit ihm vor laufender Kamera reden wollte, hat sich schließlich ein Parteikollege bereit erklärt, den Passanten zu geben. Peinlich, sicherlich. Und sehr frech. Ohne Zweifel.

Anderseits... ist das nicht irgendwie normal, diese Form der Inszenierung? (Unser erster Gedanke war übrigens auch: Hat hier vielleicht das Fernseh-Team, dass dabei war und die Bilder gedreht hat, an der Inszenierung mitgewirkt?). In jedem Fall: Eine aus unserer Sicht unzulässige Inszenierung. Fernsehen braucht Bilder, schon klar, trotzdem: geht nicht.

Was hat das jetzt mit Dresden zu tun? Schauen Sie sich mal das folgende Bild an (Quelle: "Sächsische Zeitung" vom 4.2.2015, Lokalteil Dresdner Norden, S. 17):

Aussriss aus der "Sächsischen Zeitung" vom 4.2.2015, Seite 17.

Aussriss aus der "Sächsischen Zeitung" vom 4.2.2015, Seite 17.

In der Bildunterschrift ist zu lesen:

"Die Neustädter Linken-Ortsbeirätin Kristin Hofmann (M.) will die Zuschüttung des Fußgängertunnels am Neustädter Markt nicht akzeptieren. Gestern sammelte sie vor Ort Hunderte Unterschriften für den Erhalt der Röhren."

Wir thematisieren jetzt mal nicht weiter, dass die genannten "Hunderte Unterschriften" im Artikel selbst dann als 200 benannt werden. Uns beschäftigt etwas anderes:

Könnte es vielleicht sein, dass die auf dem Foto - scheinbar - unterschreibende oder an einer Unterschrift interessierte Person und die Ortsbeirät Kristin Hofmann einander näher bekannt sind? Möglicherweise aus der gemeinsamen Arbeit für gleiche Partei, für die beide aktiv sind? Das bestätigen zumindest aufmerksame Zeitungsleser und andere Ortsbeiräte so - die in der Person rechts von Kristin Hofmann ein Vorstandsmitglied der Neustadt-Linken erkannt haben (an der Stelle: Danke für die Hinweise!).

Sind wir zu kleinlich? Wie gesagt, der Vergleich zu Hamburg hinkt deutlich - das AfD-Beispiel ist schon ein deutliches Stück dreister. Zumal es für Medienschaffende zunehmend schwieriger wird, in so einer Situation willige Bürger mit aufs Foto zu bekommen.

Abgesehen davon: Politiker sind doch schließlich auch Bürger. Und die abgebildete Parteikollegin wird wohl auch unterschrieben haben...

Oder?

4 Kommentare
  • Medienerfahrener
    Februar 4, 2015

    Ach Gottchen, das ist doch alles Usus, und die Medien machen das gern mit. Oder wollen es sogar so. Ich kann schon nicht mehr zählen, wie oft mich als Hauptamtlichen insbesondere öffentlich-rechtliche Medien gebeten haben, bei parteipolitischen Veranstaltungen vor der Kamera einen Durchschnittsgast zu spielen, und wie enttäuscht sie über jede Ablehnung waren.

    Zudem wird auch gern das Interesse an Wahlkampfständen u.ä. gesteuert: Stellt man sich mit der Kamera zehn Meter weit weg, kann man interessierte Bürger filmen. Rammt man ihnen die Kamera förmlich ins Gesicht, laufen praktisch alle weg. Das kann man dann schön mit Kommentaren unterlegen, wie die Bürger vor den Politikern flüchten.

  • mcnesium
    Februar 5, 2015

    Dazu möchte ich mal kurz meine persönlichen Erfahrungen mit Pressefotografen erzählen. Meiner Meinung nach sind diese Protagonisten in vielen Fällen nicht unbeteiligt an solchen Fotofails.

    Die kommen an, sind natürlich total im Stress, benehmen sich, als wär ihre Aufgabe um Längen wichtiger als die des Zeitungsreporters, haben dabei meist keinerlei Ahnung, worum es in dem Zeitungsartikel überhaupt geht, kommandieren einen in immer abgefahrenere Positionen mit Körperhaltungen die unnatürlicher nicht sein können, machen gefühlt 500 Fotos, und am Ende landet in der Zeitung das unpassendste, das dabei war.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass die beiden Linken-Politikerinnen sich nicht freiwillig genau so auf das Foto gestellt haben, und dass auch der Redakteur des Artikels nicht unbedingt Schuld daran ist, weil er ja auf das Material angewiesen ist, das der Fotograf bereitstellt.

  • stefanolix
    Februar 6, 2015

    Zum Thema Pressefotos noch eine Sache nachgelegt: Das Foto von Prof. Patzelt für den ihm gewidmeten Seite-3-Artikel in der Sächsischen Zeitung vom 04.02.2015 ist unprofessionell oder tendenziös oder beides.

  • Lutz Müller
    Februar 13, 2015

    So ein Quatsch! Solche banalen Inszenierungen gehören zum Handwerk und verletzen weder journalistsiche Prinzipien noch Personen. Verletzend ist die Einteilung der Menschen in Gute und Böse. Dagegen richtet sich der "Lügenpresse"-Vorwurf - gegen Dummheit, Oppurtunismus und ignorante Selbstverliebtheit.

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