„Pegida – Spaziergänge über den Horizont“

Nachdem Michael Bittner und Prof. Werner Patzelt sich in ihren Blogs zu Sebastian Hennigs Buch "Pegida - Spaziergänge über den Horizont" geäußert haben, zieht auch der Flurfunk nach.

Die zeitliche Verzögerung ist zum Einen der vielen Arbeit geschuldet, die unsere Schreibtische zum Biegen bringt. Vor allem aber liegt es daran, dass die Lektüre alles andere als leicht von der Hand geht.

Auch wenn Prof. Patzelt der Auffassung ist: "Was [Sebastian Hennig] zeigt, führt er in einer nicht nur gut lesbaren, sondern auch immer wieder ins Literarische reichenden Sprache vor“ - wir müssen widersprechen.

Hennigs literarische Sprache zieht sich nicht nur wie ein eingetretener Kaugummi am Schuh, sie passt auch nicht zu dem was sie vorgibt zu sein - eine Chronik.

Michael Beleites, der das Vorwort zu "Pegida“ zu verantworten hat, empfiehlt das Buch mit den Worten:

"Wenn wir die vielen besorgten Menschen, die die sie bedrängenden Fragen auf die Dresdner und Leipziger Straßen getragen haben, ernst nehmen und mit ihnen ins Gespräch kommen wollen, dann müssen wir die Geschichte der Pegida verstehen. Und hierzu kann ich dieses Buch von Sebastian Hennig bestens empfehlen.“

Sicher, Hennig wird seinem Anspruch gerecht, die zeitliche Abfolge sämtlicher Pegida-Spaziergänge von Oktober 2014 bis zum 10.August 2015 mit Wohlwollen chronologisch zu betrachten. Er, selbst treuer Spaziergänger, möchte über das "Geschehen im Zusammenhang berichten“ und das tut er aus seiner persönlichen Sicht.

Verständlicher wird Pegida nach der Lektüre allerdings nur bedingt, denn die dringendste Frage, die uns unter den Nägeln brannte, bleibt unbeantwortet.
Was will diese Bewegung konkret?
Laut Sebastian Hennig ist

„[m]it Pegida […] eine integrative Kraft entstanden, die keine Energie auf Festlegung konkreter Nahziele verschwendet hat. Tausende kommen überein darin, daß [sic] ihnen die gesamte Richtung nicht paßt [sic].“

Was Sebastian Hennig gelungen ist? Durch seine persönlichen Einblicke in die Bewegung wird das Vermutete verstärkt - die Spaziergänger lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Sie sind eine heterogene Gruppe, die sich zumindest in zwei Punkten einig sind - ihrer Unzufriedenheit mit politischen Entscheidungen und ihrem Misstrauen gegenüber der Presse. Sie fühlen sich von "den Etablierten“ nicht vertreten. Was sie verbindet, ist die nachvollziehbar beschriebene Dynamik, die entsteht, wenn Tausende Menschen für (k)ein gemeinsames Ziel auf die Straße gehen.

Pegida also eine große Familie? Vielleicht.

Sebastian Hennig findet den Volksbegriff vermutlich treffender, denn er wird nicht müde die Spaziergänge der Pegida mit dem Aufbegehren von 1989 zu vergleichen.

"Es handelt sich vielmehr um einen Querschnitt der Gesellschaft, der tatsächlich am treffendsten als Volk beschrieben ist. Statt zur Revolution aufzurufen, stemmt er sich gegen einen durch die politische Kaste verordneten Umsturz. Das Volk ist störrisch geworden. Der belastete Esel wittert, daß [sic] die Brücke längst verfault ist, über die er getrieben werden soll."

Der Vergleich nervt nicht nur, er hinkt auch. Außer der Tatsache, dass in beiden Fällen viele Menschen gegen das politische System auf die Straße gegangen sind, gibt es keinerlei Parallelen – Achtung: unsere Meinung!

Sebastian Hennig bleibt durch und durch unklar in seiner Position. Das wäre vertretbar, wenn er Pegida tatsächlich aus einer Beobachterrolle heraus beschreiben würde, was er aber nicht tut.
Der Autor hält sich zwar selbst mit politischen Äußerungen zurück, scheint aber durchaus parteiisch. Er wirft Pegida-Gegnern vor, Vorurteile gegenüber der Bewegung zu haben, lässt aber selbst keine Gelegenheit aus sie pauschal als Linke oder Vertreter der Antifa zu titulieren. Politiker und ausgewählte Journalisten sind ohnehin nur die "Etablierten“.

Neben den Etablierten scheint ihm auch die Deutsche Rechtschreibreform suspekt, denn er ignoriert sie geflissentlich.

Zum Beitrag von Michael Bittner.

Zum Beitrag von Prof. Werner Patzelt.

Das Buch können Sie für 15 Euro über die üblichen Wege oder den Arnshaugk Verlag bestellen.

2 Kommentare
  • DRESDNER
    November 21, 2015

    Was will diese Bewegung konkret?

    EVTL. MAL DIE THESEN DURCHLESEN DANN WISSEN SIE ES AUCH HERR STAWOWY. ABER AUCH IHRE EINSEITIGE BUCHKRITIKT ZEIGT ZU WELCHEM FLÜGEL SIE DAZUGEHÖREN. SCHON IHRE FRAGE ZEIGT DAS SIE SICH NICHT EINMAL DIE MÜHE GEMACHT HABEN BEI PEGIDA NACHZULESEN WAS DIESE BEWEGUNG WILL! WAS PEGIDA WILL WURDE OFT GENUNG AUF PEGIDA.DE GEPOSTET. HIER NOCHMAL DIE KURZFASSUNG FÜR SIE!

    KRIEGSFLÜCHTLINGE = JA
    WIRTSCHAFTSFLÜCHTLINGE = NEIN

  • owy
    November 23, 2015

    @DRESDNER Ist Ihre Feststelltaste kaputt? Wie konkret stellt sich Pegida das denn vor, die Flüchtlinge voneinander zu trennen? Ab wann ist man Wirtschafts-, bis wohin Kriegsflüchtling? Richten wir dann Flüchtlingscamps für die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge ein auf dem Boden der Nachbarländer? Oder schicken wir Soldaten in den Balkan, um bestimmte Bevölkerungsgruppen an der Weitereise zu hindern?

    Beim besten Willen, Sie bestätigen gerade ein Bild, dass ich bei Pegida-Befürwortern schon oft angetroffen habe: ein ganz und gar naives Bild, wie Politik funktioniert. Man kann eben nicht einfach die Grenze zumachen - in der Folge würden wahlweise die Leute ihre Pässe entsorgen oder auf anderen, illigaleren Wegen versuchen, über die Grenze zu kommen.

    Meine Meinung: Der Beitrag von Pegida zur aktuellen politischen Debatte ist alles andere als konstruktiv. Platte Losungen wie die ihre bringen hier niemanden weiter.

    Beste Grüße!

    P.S.: Am Autorenkürzel könnten Sie erkennen, dass die Buchkritik nicht aus meiner Feder stammt.

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