IVW-Zeitungsauflagen IV/2015: herbe Verluste für „BILD“ und „Mopo“

Es ist schon wieder eine Weile her, dass wir uns die IVW-Auflagen der verkauften Tageszeitungen im Freistaat angeschaut haben – die Auswertung ist eben immer auch eine Zeitfrage. Der Blick auf das vierte Quartal 2015 verrät: "Alles wie immer" trifft so nicht zu. Denn zweistellige Verlust-Prozentzahlen im Vergleich zum Vorjahresquartal, wie sie derzeit die Boulevard-Titeln "Mopo" und "BILD" einfahren, sind aus unserer Sicht schon ziemlich ungewöhnlich.

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Besonders hart trifft es "BILD Sachsen" (gehört zu Springer) mit den drei Regionalausgaben Dresden (-14,41%, -6.102 Exemplare), Chemnitz (-15,56%, -4.933) und Leipzig (-13,48%, -7.072).

"BILD Dresden" hat im Einzelverkauf über 6.500 Exemplare weniger abgesetzt; ein leichter Zuwachs im Abo-Geschäft (+492 Abos, insgesamt 4.980 Abos) kann das nicht ausgleichen. Auch die Ausgaben in Chemnitz (+652 Abos, 2.855 Abos) und Leipzig (+291 Abos, 5.811 Abos) legen jeweils in der Sparte Abo leicht zu – trotzdem bleibt das Ergebnis in der Summe verheerend.

Auch der direkte Wettbewerber "Morgenpost Sachsen" (gehört zur DDV Mediengruppe) hat im 4. Quartal ordentlich Federn bei der verkauften Papier-Auflage gelassen. Die Gesamtauflage im Freistaat sinkt von 82.355 auf 73.374 Exemplare – das sind -10,91% weniger als im 4. Quartal 2014.

Die verkaufte Auflage der "Mopo Dresden" nähert sich verdächtig der 50.000er Marke, in Chemnitz ist die 20.000er Marke in Sicht. Auch hier ein Blick auf die Abos: In Chemnitz sinkt die Abonnentenzahl auf 5.800 (-323 Abos), in Dresden geht die Zahl auf 18.500 Abonnenten (-1.792 Abos) zurück (Wir freuen uns über Hinweise, warum die Zahlen so glatt sind...).

Offenbar lässt man in beiden Häusern die Print-Auflage schleifen – beim Springer-Blatt "BILD" gilt ja schon länger die Devise "online first". Aber auch bei der "Mopo" steckt man viel Kraft in das noch vergleichsweise junge Online Portal (vgl. Flurfunk vom 9.9.2015: "Überraschung bei den IVW-News-Top 50: 'mopo24' vor 'sz-online'").

Abo-Zeitungen verlieren nicht so drastisch

Aber bleiben wir mal bei der 20.000er Marke: Die "Dresdner Neuesten Nachrichten" weisen eine erstaunlich stabile Auflage aus. Nur 456 Exemplare (-1,93%) weniger als im Vorquartal zu verkaufen - das ist im Vergleich zu anderen schon eine Überraschung, wenn nicht eine kleine Sensation. Üblich ist bei Abonnentenzeitungen eine Verlustquote um die 3%.

Der Blick ins Vorquartal der "DNN" - wegen möglicher saisionaler Schwankungen eigentlich nicht so statthaft - zeigt, dass dort die Auflage auch schon mal unter der 23.000er Marke lag (III/2015: 22.228 verkaufte Exemplare). Allerdings sind im vierten Quartal die Zahlen der "Sonstigen Verkäufe" und der Bordexempare gestiegen.

Aber vielleicht lag das im Vergleich so gute Ergebnis auch einfach an der guten redaktionellen Arbeit? Immerhin ist der Einzelverkauf ebenfalls leicht angestiegen (Die hohen Remittentenzahlen thematisieren wir hier mal nicht weiter)!

Auch die Verluste der Dresden-Ausgabe der "Sächsischen Zeitung" halten sich in Grenzen: 2.342 Exemplare weniger als im Vorjahresquartal - das sind nur -2,81% und damit im bundesvergleich ein akzeptables Ergebnis. Dabei "leidet" man auf hohem Niveau: Die "SZ"-Stadtausgabe setzt im Schnitt immer noch 81.123 Exemplare täglich ab, davon knapp über 3.000 Exemplare im Einzelverkauf (der Rest sind Abos).

"FP"- und "SZ"-Auflagen nähern sich an

In Vergleich der drei großen Abonnentenzeitungen steht die "Sächsische Zeitung" (-3,07%) bei den Verlusten besser als "Leipziger Volkszeitung" (-3,43%) und "Freie Presse" (-4,23%) da.

Die "LVZ" hat besonders am Kiosk verloren - fast 10.000 Exemplare weniger im Einzelverkauf als im Vorjahresquartal, das tut schon weh. Aber 4.460 (+19%) Bordexemplare und 12.273 Sonstige Verkäufe (-23,05%) – wovon immerhin 1.049 ePaper-Ausgaben sind – lassen die Verluste nicht ganz so drastisch aussehen.

Auch erwähnenswert: In alle drei Auflage sind die ePaper-Ausgaben mit einberechnet – hier liegt nach wie vor die "FP" (7.015 verkaufte ePaper-Exemplare in der Gesamtauflage) vor der "SZ" (4.160 ePaper-Exemplare) und der "LVZ" (2.730 ePaper-Exemplare). Ob das aber langfristig noch zum Geschäftsmodell wird?

Die Tabelle zeigt: Alle drei Dickschiffe verkaufen nach wie vor in sechsstelligen Dimensionen – rechnet man pro Jahresabo 300 Euro, kann man übrigens grob auf die Umsätze durch das Print-Produkt rückschließen (dazu kommen dann ja noch Anzeigenerlöse).

Zum Abschluss noch ein Blick auf die Langzeitentwicklung (die Grafik zeigt die IVW-Zahlen der Gesamtauflagen von 1998 bis 2015). Daraus ersichtlich: Die Auflagen von "Sächsischer Zeitung" und "Freier Presse" nähern sich einander an. Wir sind sehr gespannt, wie das weitergeht.

IVW-Sachsen-1998-2015

3 Kommentare
  • Daniel Knorr
    Januar 24, 2016

    Im Dezember 2014 ging das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz in Betrieb, seitdem liegen in allen knapp 60 Zügen in der 1. Klasse mindestens 3 Exemplare der LVZ. Werden die als Boardexemplare oder normale Abos gewertet?

  • owy
    Januar 24, 2016

    Sowas zählt nach meinem Kenntnisstand gewöhnlich zu den Bordexemplaren - also nicht Abos.

  • Andreas Roth
    Januar 25, 2016

    Lieber Peter Stawowy, kleine IVW-Ergänzung in eigener Sache: Print kann in Sachsen auch noch wachsen - die evangelische Wochenzeitung DER SONNTAG legte in den letzten vier Quartalen 2,33% Abo-Auflage zu http://bit.ly/1PuEUq9 , auch im 3. Quartal gab es schon einen Zuwachs - da geht also noch etwas. Und es bestärkt uns in der Meinung: Print ist mit für die Zielgruppe relevantem Journalismus noch lange nicht tot. Viele Grüße
    Andreas Roth (Redaktion DER SONNTAG) http://www.sonntag-sachsen.de

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