Jan Czemper: „Die Belange von Lokal-TV sind hörbarer geworden“

Am 21. und 22.9.2016 findet in Potsdam der zweite Lokal-TV-Kongress der fünf ostdeutschen Medienanstalten statt. Schwerpunktthemen 2016 sind Inhalt und Programm (hier geht's zum Programm der Veranstaltung).

Lokal-TVNach der erfolgreichen Premiere 2015 haben sich die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb), Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern (MMV), Medienanstalt Sachsen-Anhalt (MSA), die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) sowie die Thüringer Landesmedienanstalt (TLM) erneut zusammengefunden, um Lokal-TV-Macher, Vermarkter, Partner, Medienpolitiker und andere Interessierte zusammenbringen.

Wir haben Jan Czemper, Projektreferent der mabb und hauptverantwortlich für die Organisation des Lokal-TV-Kongresses 2016, einige Fragen zu dem Event gestellt.

Jan Czemper: "Wer ein Gefühl für die Branche bekommen möchte, hat hier die beste Gelegenheit."

Jan_Czemper_web_1Flurfunk: Was passiert beim Lokal-TV-Kongress? Für wen ist die Teilnahme spannend, wen trifft man dort?

Jan Czemper: Der Lokal-TV-Kongress ist eine gemeinschaftliche Veranstaltung der fünf Landesmedienanstalten der Neuen Länder. Wer also in Ostdeutschland Lokal-TV macht, kommt zum Event. Der Austausch untereinander ist einfach wichtig. In diesem Jahr setzen wir zudem den Schwerpunkt „Programm“ bzw. betrachten uns das Verhältnis verschiedener lokaler Inhalte zueinander. Von dieser Diskussion, welche innerhalb unserer Vortrags- und Workshop-Angebote immer wiederkehrt, gehen Impulse für die Weiterentwicklung von Lokal-TV insgesamt sowie selbstverständlich auch für jeden einzelnen Veranstalter aus.

Doch auch für die Landesmedienanstalten, Verbände und Vertreter benachbarter Mediengattungen ist der Lokal-TV-Kongress eine ideale Plattform, um mit den Sendern ins Gespräch zu kommen. In der Kombination aus Vorträgen, gemeinsamen Workshops und Get-Together erhalten wir hier sozusagen den Rückkanal - Veranstalter an Medienanstalt. Besonders gefreut hat uns zudem die Zusage von Thomas Kralinski, Chef der Staatskanzlei des Landes Brandenburg, der in seiner Begrüßung einen angemessenen Rahmen für die Veranstaltung ziehen sowie ganz bestimmt den ein oder anderen Impuls aus Sicht der Medienpolitik geben wird.

Flurfunk: Was sind aus Ihrer Sicht die Höhepunkte des diesjährigen Programms? 

Czemper: Das hängt ganz davon ab, mit welchem Interesse man den Kongress besucht – wir haben ein gutes Gesamtpaket, für jeden ist etwas dabei. In den Plena gibt es Denkanstöße auch von Leuten, die nicht in der Branche aktiv sind. Ich denke aber, die Workshops spiegeln am besten unsere Ambitionen wider, denn sie vermitteln Wissen und Einblicke, setzen aber gleichzeitig auf aktive Teilnahme und kritische Auseinandersetzung. Wir wollen voneinander lernen und uns gemeinsam weiterentwickeln. Mit den vorangestellten Thesen zeichnen wir, wie auch im vergangenen Jahr, dafür den roten Faden der Veranstaltung – daher sollte man diese auch nicht verpassen. Erfahrungsgemäß verlängern und verlagern sich viele der angestoßenen Diskussionen in das traditionelle Get-Together am Abend des ersten Tages. Wer ein Gefühl für die Branche bekommen möchte, hat hier die beste Gelegenheit.

Flurfunk: Gibt es nennenswerte Ergebnisse aus dem Vorjahr?

Czemper: Ja, die gibt es. Zunächst müssen wir leider feststellen, dass die mit viel Engagement und Enthusiasmus gestarteten Bemühungen hin zu einer nationalen Vermarktung von Lokal-TV aus verschiedenen Gründen nicht erfolgreich waren. Gleichzeitig ist jedoch auf Seiten der Politik ein Prozess in Gang gekommen, nicht zuletzt aufgrund des Lokal-TV-Kongresses als Gemeinschaftsaktion. Die Belange von Lokal-TV sind hörbarer geworden.

Flurfunk: Welchen Stellenwert hat Lokal-TV in der bundesdeutschen Medienlandschaft? Hat in Zeiten des Medienwandels und vor dem Hintergrund, dass immer mehr Werbegelder ins Netz wandern, Lokal-Fernsehen denn überhaupt eine Zukunft? 

Czemper: Emotional betrachtet bietet Lokal-TV einen sehr hohen Stellenwert, denn es trägt dazu bei, eine lokale bzw. regionale Identität überhaupt erst zu entwickeln. Oder anders gesagt, wenn die Menschen nicht wissen, dass vor Ort etwas passiert, dann passiert vor Ort auch nichts. Damit sind wir auch sehr schnell bei möglichen Faktoren für das Stadt-Land-Gefälle in vielen Regionen. Auf der wirtschaftlichen Seite hat Lokal-TV nach wie vor einen zu geringen Stellenwert.

Eine Zukunft hat Lokalfernsehen auf jeden Fall, aber eben unter dem Vorzeichen eines enormen Innovationsdrucks. Wesentlich dafür sind die Bemühungen der Sender, kreativ zu werden, sich auf Veränderungen einzulassen und einzustellen, bestehende Geschäftsmodelle weiterzuentwickeln und auf neue Zielgruppen zuzugehen.

Flurfunk: Vielen Dank für das Interview. 

Hinweis: Flurfunk ist auch dabei. Wie im Vorjahr wird Flurfunk-Betreiber Peter Stawowy am zweiten Tag der Konferenz moderieren. Wir freuen uns! 

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