Frankfurter Buchmesse: Digitales Verlagswesen – FiDiPub macht’s möglich

Die Frankfurter Buchmesse ist in vollem Gange - und FLURFUNK und FUNKTURM sind mitten drin. Falls Sie es noch nicht mitbekommen haben - unseren Stand finden Sie in der Halle 3.1 am Stand F31 (vgl. FLURFUNK 5.10.2018).

In der Nähe von unserem FUNKTURM-Stand ist auch FiDiPub vertreten, eine Initiative, die Kleinverlage in Sachsen fit für die Digitalisierung machen will. Klingt spannend? Dann viel Spaß beim Buchmesse-Spezial-Interview mit Laura Hofmann (Institut für Angewandte Informatik der Uni Leipzig) und Klemens Geuther (Leipzig School of Media) von der Initiative.

FLURFUNK: Warum brauchen Kleinverlage eine Nachhilfe in Sachen Digitalisierung?

Laura Hofmann: Viele Menschen haben eine gewisse Wandlungsskepsis, was Digitalisierung angeht. Oft ist den Menschen gar nicht klar, was Digitalisierung eigentlich bedeutet. Als wir den Verlagen am Anfang des Projektes mit Digitalisierung gekommen sind, haben sie sofort an digitale Ausspielwege gedacht, an E-Books. Digitalisierung ist aber so viel mehr. Es gibt 1000 Prozesse, die digital gemacht werden können, Marketing und Vertrieb zum Beispiel. Ein Kernziel des Projektes ist es, Kompetenzen aufzubauen.

Klemens Geuther: Gerade in Sachsen gibt es viele Kleinstverlage, 1-Mann-Projekte sozusagen. Da ist oft gar keine Zeit, um sich digitale Kompetenzen anzueignen. Das ist aber schade, man beraubt sich selber total vielen Möglichkeiten, Präsenz zum Beispiel. Klar geht es irgendwie auch ohne Digitalisierung, aber eben nicht gut.

FLURFUNK: Wie kam das Projekt denn zustande?

Laura Hofmann: Das hat angefangen, als ich am Institut für Angewandte Informatik der Uni Leipzig gearbeitet habe. Nebenbei habe ich beim liesmich-Verlag, einem neugegründeten Kleinverlag gearbeitet - und festgestellt, welche Hürden das mit sich bringt. Wir haben im Institut darüber geredet, dass es irgendein Förderprogramm für die Kreativwirtschaft brauche. Schließlich haben wir einen Projektantrag gestellt und der ist tatsächlich durchgekommen.

FLURFUNK: Wer trägt das Projekt?

Besonders wichtig war uns, dass wir das Projekt mit Akteuren aus Wissenschaft und Praxis umsetzen. Neben dem Institut für Wirtschaftsinformatik an der Professur für Anwendungssysteme unter der Leitung von Prof. Rainer Alt und dem Institut für Angewandte Informatik sind außerdem die Leipzig School of Media und die Kommunikationsagentur zwonull media mit an Bord. Das Software-Haus IT Sonix hat sich mittlerweile aus dem Projekt zurückgezogen.

Und natürlich die verschiedenen Verlage, die das Projekt als assoziierte Partner bereichern. Momentan sind das um die 20.

FLURFUNK: Wie lange läuft das Projekt?

Laura Hofmann: Insgesamt vier Jahre, was wirklich lang ist für ein Projekt. Das freut uns sehr. Los ging's 2016, demnach läuft es noch bis Juli 2020.

FLURFUNK: Und ganz konkret: Wie helft ihr Verlagen, digitaler zu werden?

Klemens Geuther: Oft ist das Hilfe zur Selbsthilfe. Ganz wichtig ist uns eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den assiziierten Partnern. Wir haben zunächst geschaut, wie der Arbeitsalltag in den einzelnen Verlagen überhaupt läuft. Besonders wichtig ist uns der Input. So erfahren wir, in welchen Bereichen der Digitalisierung die Akteure noch mehr erfahren wollen.

Laura Hofmann: Einmal im Jahr halten wir eine Konferenz mit einem Schwepunktthema ab. In diesem Jahr drehte sich beispielsweise alles um Content - und wie dieser verpackt sein kann. Wir wollten das Denken weiten und vermitteln, dass es Buch auch ein Buch sein kann, wenn es nicht zwischen zwei Umschlagseiten steckt. Das Medium muss zum Content passen - und nicht umgekehrt. Im November startet dann unsere Workshopreihe, bei der die Verlage selbst Vorschläge machen konnten. Ein Workshopthema ist beispielsweise, wie man seinen Verlag im Digitalen Raum sichtbarer machen kann.

FLURFUNK: Können denn noch neue Verlage Teil des Projekts werden?

Laura Hofmann: Ja, immer gerne, wir haben noch Kapazitäten! Uns ist die Vielfalt sehr wichtig, dass wir aus jeder Branche ein paar Partner mit an Bord haben.

FLURFUNK: Und kostet es die Verlage etwas, Teil des Projektes zu sein?

Klemens Geuther: Nein, es kostet nichts, im Idealfall ist das ja ein Geben und Nehmen. Wir brauchen die Verlage als Impuls- und Ideengeber. Außerdem stellt sich manchmal natürlich die Frage, ob sie bereit sind, interne Probleme mit anderen Verlagen zu besprechen, um so gemeinsam zu Lösungen zu kommen. Bisher hat das aber gut geklappt.

FLURFUNK: Vielen Dank für das Interview!

Interview: Ben Kutz

 

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