Print auf dem Rückzug: IVW-Auflagen 4/2018

Zeitungsauflagen sinken

Wie entwickelt sich eigentlich der Zeitungsmarkt in Mitteldeutschland?

Früher haben wir oft jede Quartals-Auswertung der IVW-Zahlen abgebildet - heute reicht es gerade noch einmal für die Auswertung des 4. Quartals (vgl. FLURFUNK vom 19.1.2018: "IVW-Auswertung IV/2017: Zeitungsauflagen weiter im Sinkflug"). Die hat die IVW wie gewohnt Mitte Januar veröffentlicht.

Hier eine Übersicht für Mitteldeutschland über die verkauften Auflagen der Tageszeitungen:

Ein paar Anmerkungen zur Tabelle:

  • Man kann ja gern in den Abgesang der Branche mit einstimmen, muss aber festhalten: einige Auflagen sind immer noch verdammt hoch. Wobei: Die Grafik unten zeigt die Entwicklungen der vergangenen 10 Jahre (jeweils verkaufte Auflage im 4. Quartal) - so gesehen ist die Tendenz der Branche schon sehr bitter.
  • Gleichwohl fällt auf, dass einige Titel deutlich stärker verloren haben als andere. Die Freie Presse etwa steht mit nur -1,97 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal ziemlich gut da. Deutlich heftiger fallen die Verluste anderer aus: Jeweils (rund) 10.000 Exemplare verlieren LVZ und SZ - ebenso in Thüringen die Mediengruppe Thüringen (mit den Titeln Thüringer Allgemeine, Thüringer Landeszeitung und Ostthüringer Zeitung).
  • Traditionell haben die Boulevard-Blätter BILD und MOPO, die sich im Einzelverkauf behaupten müssen, prozentual mit stärkeren Verlusten zu kämpfen.
  • Generell ist zu sagen: Als wir anfingen mit dem FLURFUNK (vor rund 10 Jahren) galt man in der Tageszeitungsbranche schon als "gut davon gekommen", wenn die Auflagenverluste nicht über -3 Prozent lagen.

Der folgende Chart zeigt die Auflagenentwicklungen der großen Tageszeitungstitel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Die Zahlen und die langfristige Tendenz machen klar, warum faktisch alle Verlage daran arbeiten, online Alternativen zu entwickeln – zu nennen sind da u.a.:

Lokale Auflagen in Sachsen

Bekanntlich kann man die Zahlenanalyse ja bis ins kleinste Detail betreiben. Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung in den sächsischen Großstädten.

Auch hier gilt: Noch sind die Auflagen durchaus erheblich, die Titel also allesamt relevant, insbesondere, wenn es um die Bedeutung für das tagespolitische Geschäft geht. Zumal sich Alternativen im Online- oder anderen Segmenten kaum abzeichnen.

Kostenlose auf dem Rückzug

Die von der unabhängigen Prüfstelle IVW veröffentlichten verkauften Auflagen sind maßgeblich für die Anzeigenpreise der jeweiligen Titel. Sie gelten als die "harte Währung" der Branche - im Gegensatz zu reinen Verlagsangaben.

Spannende Entwicklung: Nahezu alle kostenlosen Titel, bei denen nur die verbreitete Auflage gemeldet werden kann, haben sich aus der IVW zurückgezogen.

Gemeldet sind noch der Stadtstreicher Chemnitz (8.438 verbreitete Exemplare), der Dresdner Kinokalender (17.980 verbreitete Exemplare) und die überregional aktive Schülerzeitung SPIESSER (384.370 verbreitete Exemplare).

Titel wie port01, BLITZ (Dresden, Chemnitz, Leipzig), Dresdner Kulturmagazin und 371 Stadtmagazin (Chemnitz) haben sich über die Jahre abgemeldet. FRIZZ Dresden ist bereits 2015 vom Markt verschwunden, BLITZ hat im vergangen Jahr von 11 Ausgaben pro Jahr auf den 3-Monats-Rhythmus umgestellt.

Neue Titel wie Urbanite Dresden (Druckausgabe "pausiert", vgl. FLURFUNK vom 2.7.2018) und 360 Gramm sind nicht bei der IVW zu finden.

Kaufzeitschriften: Kreuzer und Sonntag stabil

Auch im Segment der Kauftitel, die nicht täglich erscheinen, sind die Auflagen rückläufig. Die SUPERillu, ehemals und im Grunde immer noch die Zeitschrift für Ostdeutschland, ist bei 244.304 verkauften Heften pro Woche angekommen. Das ist immer noch eine ziemlich hohe Auflage für das Gebiet und das Segement - allerdings lag die Auflage vor 10 Jahren noch bei rund 500.000 Exemplaren.

Erwähnt werden soll hier auch kurz der Der Sonntag, die Wochenzeitung der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens mit Sitz in Leipzig: Der größte Teil der verkauften Auflage von 8.413 Exemplaren geht an Abonnenten.

Dass sich der Markt weiter segmentieren wird, ist eine der Prognosen, die in der Branche gern weiterverbreitet werden. Hoffnung, dass Qualität und eine klare Positionierung dabei eine Rolle spielen könnten, macht der KREUZER aus Leipzig: Das Stadtmagazin meldete im 4. Quartal 8.826 verkaufte Exemplare - "nur" 76 weniger als im Vorjahresquartal.

Hinweis, 4.2.2019, 22.38 Uhr: In der ursprünglichen Fassung hatten wir einen Fehler bei der prozentualen Veränderung der Mediengruppe Thüringen in der Tabelle. Wir bitten um Entschuldigung und danken dem aufmerksamen Leser!  

1 Kommentar
  • Max Mustermann
    Februar 4, 2019

    Vielleicht kann man im 10-Jahrestrend noch mehr Grün- oder Rottöne verwenden. Das würde die Grafik gleich viel übersichtlicher und den Verlauf der Auflage der einzelnen Tageszeitungen unterscheidbarer machen.

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