Fakenews: Wie ein „Bitcoin-Trader“ mit Klaas Heufer-Umlauf, Michael Otto und ZEIT-Online wirbt

Was erwartet uns in den anstehenden Wahlkämpfen im Bereich FakeNews?

Diese Frage begegnet mir in jüngster Zeit vermehrt, ob bei Vorträgen oder in privaten Diskussionen.

Heute nun sehe ich bei Facebook ein Posting, das zwar nichts direkt mit Politik und Wahlen zu tun hat, das aber einen Eindruck davon vermittelt, was so schon geht - und auch völlig skrupellos umgesetzt wird.

Folgendes, gesponserte (also mit Werbegeld untersetzte) Posting ist gemeint:

Zu sehen ist Klaas Heufer-Umlauf, Moderator der Sendung Late-Night-Berlin bei ProSieben. Aha, fragt sich der medieninteressierte Blogger, was soll er denn angeblich gesagt haben, dass Produzenten nicht glücklich macht?

Nächster Klick, und hier wird es spannend:

Oben links ist das Logo von ZEIT-Online zu sehen - die Domain der Seite, auf der wir gelandet sind (https://newspreview.net), aber hat mit ZEIT-Online gar nichts zu tun?

Simuliertes Medienangebot

Die Seite simuliert mit Aufbau, Überschrift ("Sonderbericht" in Großbuchstaben und unterstrichen) Logo und Menüleiste daneben ("News, Mode, Promis, Unterhaltung"), dass es sich um ein journalistisches Nachrichtenangebot handelt.

Die Geschichte, die im Text erzählt wird, ist diese: Angeblich sei der Unternehmern Michael Otto bei Heufer-Umlauf in der Sendung gewesen und hätte live eine neue Möglichkeit präsentiert, ganz schnell ganz viel Geld zu verdienen.

Spätestens, wenn es weiter unten angeblich zum "ZEIT-Exklusiv-Interview" mit Otto übergeht (s. Screenshot), ist dem geübten Medien- und vor allem ZEIT-Nutzer klar: Das muss wohl Fake sein.

Dem Beitrag folgt eine Anleitung, wie man als Nutzer angeblich mitverdienen kann - in dem man sich bei einem Angebot registriert und Geld einzahlt.

Ganz am Ende folgt dann auch noch eine "Aktualisierung", dass nahezu alle "für Deutschland verfügbaren Positionen" vergriffen seien und man sich beeilen müsse. Alles klar.

Gegencheck: Fakenews/Werbung

Wenige Klicks helfen beim Gegencheck: Google findet keinen Treffer, wenn man die Namen Michael Otto und Klaas Heufer-Umlauf und Late Night Berlin sucht - Otto war (wohl) gar nicht in der Sendung. Ein Impressum sucht man auf der Seite vergeblich. Und auch der Klick auf die einzelnen Rubriken in der Menüleiste führen immer nur zu der Seite, wo man dann sein Geld einzahlen soll.

Sprich: Es handelt sich um Werbung, getarnt als redaktionelle Inhalte. Spannend ist sicherlich die Frage, ob der Absender/Initiator der Seite die gezeigten Personen vorher um ihr Einverständnis gefragt hat, wenn er/sie mit ihnen Werbung macht?

Wir könnten jetzt noch weitermachen: Die Suche nach dem Domain-Inhaber führt nach Phoenix in den USA... den Namen der Company googlen wir jetzt mal nicht weiter, das können andere tun.

Das ist erst der Anfang

Was mich zu diesem Blog-Beitrag animiert, sind die professionelle Machart und die Skrupellosigkeit der Absender. Immerhin hat die Click-Baiting-Überschrift in der Facebook-Anzeige dazu geführt, dass ich, zwar misstrauisch, neugierig auf die Seite geklickt habe. Ich habe auch einen Moment überlegt, ob das nicht doch echt sein könnte...

Ich habe es oben erwähnt: Ich werde im Moment häufiger gefragt, welche Rolle Fakenews im Wahlkampf spielen werden. Ich habe keine Antwort und ich neige auch nicht zur Panik-Mache. Neulich erst sagte jemand in einem Vortrag, man solle die Nutzer nicht unterschätzen – und die Diskussion über Fakenews sei deutlich größer als die Wirkung von Fakenews. So oder so: Das wird richtig spannend.

Hinweis: In der nächsten FUNKTURM-Ausgabe befassen wir uns mit dem Wahlkampf im Social-Media-Zeitalter (geplanter ET: 15.5.2019).

Nachtrag (13.34 Uhr): Hinweis aus der verehrten Facebook-Crowd (an der Stelle: Danke!): "Ganz alte Masche", heißt es da. Um die Hürden bei der Freigabe der Facebook-Werbung zu umgehen, wird der Domain ein sogenannter "Cloaker" angehangen. Der bewirkt, dass Facebook beim Checken der Werbeanzeigen eine völlig andere, saubere Website findet und die Anzeige genehmigt - im konkreten Fall ist es eine Mikrophon-Werbung (hier zu sehen).

2 Kommentare
  • Stephan
    April 17, 2019

    Oh mein Gott, wann wird sich der Unterschied zwischen "das" und "dass" endlich durchsetzen?

  • owy
    April 23, 2019

    Wird es. Danke für den Hinweis, ist korrigiert!

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