„Bitte um finanzielle Hilfe“: Privatradios schreiben Staatskanzleien

Die privaten Radioanbieter aus Mitteldeutschland haben sich mit einem offenen Brief an die Staatskanzleien gewendet.

Hintergrund ist der einbrechende Werbemarkt angesichts der Corona-Krise, der die Finanzierung der Radiostationen gefährdet. Entsprechend ist das Schreiben überschrieben mit: "Zur aktuellen Situation im privaten Radio; dringende Bitte um finanzielle Hilfe".

Absender des Schreibens ist der Verband Mitteldeutscher Privatradios e.V. (VMPR). In den Staatskanzleien der Länder wird die Medienpolitik koordiniert.

Konkret geht es darum, dass die privaten Radioveranstalter aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Übernahme der UKW-Zuführungs- und -Verbereitungskosten fordern.

Werbemarkt bricht ein

In dem Schreiben loben die Sender zunächst die "weitreichenden Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor einer Ausbreitung des Corona-Virus" und erläutern, welchen Beitrag sie aktuell zur Information der Bevölkerung leisten.

Das Problem der Sender aber:

"Allerdings haben diese Maßnahmen erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf die Mitteldeutschen Privatradios. Sie leben – anders als der gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Rundfunk – von Werbeeinnahmen. Diese Werbeeinnahmen brechen in einer nicht vorhersehbaren Größenordnung weg. Niemand bewirbt Produkte oder Dienstleistungen, die er aufgrund hoheitlicher Anordnungen derzeit nicht oder kaum vermarkten kann. Die Mitteldeutschen Privatradios verzeichnen momentan Umsatzeinbußen bis zu 85%."

Das Schreiben argumentiert weiter, dass sich die Situation auf absehbare Zeit nicht verbessern werde - denn die Werbekunden bräuchten dann "liquide Mittel für den Neustart oder zur Aufrechterhaltung ihres Geschäftsbetriebs (...), bevor wieder an Werbung gedacht werden kann." Diese Umsatzeinbußen der Radiostationen könnten schwerlich durch Rücklagen oder Kurzarbeit kompensiert werden.

Anteil an Rundfunkbeiträgen oder anderer Zuschuss

Weiter heißt es:

"Den größten Kostenanteil der Mitteldeutschen Privatradios machen Programmzuführungs- und Verbreitungskosten, insbesondere für die UKW-Verbreitung aus. Die UKW-Verbreitung ist aber nach wie vor der Hauptverbreitungsweg von Radioprogrammen. Um den Sendebetrieb weiter aufrechterhalten zu können und die weit mehr als 500 Arbeitsplätze (Freistaat Sachsen: 279, Sachsen-Anhalt: 155, Freistaat Thüringen: 89 Arbeitsplätze) in den Mitteldeutschen Privatradios zu sichern, wird dringend finanzielle Unterstützung benötigt."

Und dann kommt die zentrale Forderung, entsprechend im Schreiben gefettet:

"Ein wichtiger Schritt wäre die vorübergehende Entlastung von den Programmzuführungs- und Verbreitungskosten, zum Beispiel als sog. verlorener Zuschuss oder eine Beteiligung am Rundfunkbeitrag. Wichtig ist, dass diese Hilfe rechtssicher und vor allem rechtzeitig ankommt, bevor es zu spät ist."

Kurzarbeit und Homeoffice

Mit "bevor es zu spät ist" ist vermutlich die Zahlungsunfähigkeit der Sender gemeint. Schon jetzt haben die ersten Radiostationen Mitarbeiter in die Kurzarbeit geschickt - während das Interesse am Programm massiv gestiegen ist.

Dazu habe ich diese Woche schon einen Beitrag drüben bei MDR MEDIEN 360G veröffentlicht (mdr.de/medien360g vom 1.4.2020: "Hohe Einschaltquoten, wenig Umsätze: Private Radiosender unter Druck").

Allerdings: Ein vergleichbarer Beitrag, in dem es um die Situation der privaten Lokalfernsehveranstalter geht, ist noch in der Entstehung. Das Lokal-TV, traditionell deutlich schwächer bei den Umsätzen als die Radioanbieter aufgestellt, dürften noch deutlich härter von den Auswirkungen der Corona-Krise getroffen sein.

Und: Auch die Zeitungsmacher werden vom Einbruch der Werbeeinnahmen hart gebeutelt. Auch dazu sei auf einen Beitrag von mir bei MDR MEDIEN360G verwiesen: "Zeitungen im Krisenmodus: Notfallpläne und Kinderseiten" (vom 24.3.).

Die Mitglieder des VMPR

Sachsen

  • BCS Broadcast Sachsen GmbH & Co. KG, produziert: HITRADIO RTL, Radio Dresden, Radio Leipzig, Radio Leipzig 2, Radio Chemnitz, Radio Zwickau, Radio Lausitz, Radio Erzgebirge - Wir lieben das Erzgebirge
  • LFS – Landesfunk Sachsen GmbH, veranstaltet: R.SA
  • Netzwerk Programmanbietergesellschaft mbH, produziert: ENERGY Sachsen
  • Privater Sächsischer Rundfunk GmbH, veranstaltet: RADIO PSR
  • Sächsische Gemeinschaftsprogramm GmbH & Co. KG, veranstaltet: apollo radio)))

Sachsen-Anhalt

  • Funkhaus Halle GmbH & Co. KG, veranstaltet: Radio Brocken, 89.0 RTL, 89.0 RTL In The Mix
  • VMG Verlags- und Medien GmbH & Co.KG, veranstaltet: radio SAW, ROCKLAND, 1A Deutsche Hits

Thüringen

  • Landeswelle Thüringen GmbH & Co. KG, veranstaltet: LandesWelle Thüringen
  • Antenne Thüringen GmbH & Co. KG, veranstaltet: ANTENNE THÜRINGEN, radio TOP 40

Mehr Informationen finden Sie unter: www.vmpr.de

2 Kommentare
  • Schultze
    April 4, 2020

    Wirklich? Eine Pressemitteilung hinter der Paywall?! Da habe ich aber schon seriösere Abomodelle gesehen...

  • owy
    April 4, 2020

    Die PM kann man auch woanders lesen, ja. Aber vielleicht verbirgt sich hinter der Paywall ja noch mehr... ;-)

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