Ostdeutsche Allgemeine Zeitung erstmals erschienen

Die Ostdeutsche Allgemeine von Verleger Holger Friedrich (u.a. Berliner Zeitung) ist am Freitag (20.2.2026) erstmals erschienen. Gleichzeitig ist der Internetauftritt ostdeutscheallgemeine.com online gegangen.

Erstauflage vergriffen

Wie auf der Internetseite des Titels zu lesen ist, ist die Erstausgabe inzwischen vergriffen. 43.000 Exemplare hatte man gedruckt, im Beitrag empfiehlt man nun das Abo: "Wir haben als Ausgleich mit der Druckerei und der Distribution vereinbart, jedem neuen OAZ-Kunden in den nächsten Tagen zur aktuellen Ausgabe die nun ausverkaufte Erstausgabe mitzuliefern".

Außerdem kümmere man sich um eine zeitnahe Nachlieferung in der Fläche, ist da zu lesen (ostdeutscheallgemeine.com vom 22.2.2026: "OAZ-Erstauflage vergriffen: So kommen Sie jetzt noch an ein Exemplar").

Medial hat die neue Zeitungsgründung für einige Aufmerksamkeit gesorgt, daran ist Verleger Holger Friedrich nicht ganz unschuldig. In seiner einseitigen Erläuterung zur Neugründung (online ebenfalls zu finden: "Ostdeutsche Allgemeine: Silke und Holger Friedrich über die neue Zeitung") schreibt er:

"Unsere Wettbewerber reagierten umgehend. Sie setzten Ost-Seiten auf, stellten Redakteure mit Ost-Erfahrung ein und gaben dem Osten mehr Raum in ihren etablierten Strukturen. Manche boten uns Unterstützung an, denn gesunder Wettbewerb hilft einer Gesellschaft doppelt: zu wachsen und resilient zu werden."

Feindbildpflege für Aufmerksamkeit

Und weiter:

"Erwartbar reproduziert der unsouveränere Teil des Medienmarktes die üblichen hilflosen Floskeln: 'Dunkeldeutschland', 'Kremlfreunde', 'Antisemitismus', 'Steigbügelhalter', 'Stasi'. Sie können scheinbar nicht anders. Es sind Stigmatisierungsreflexe, mit denen allzu oft auf ostdeutsche Initiativen, ostdeutsche Biografien und ostdeutsche Wortmeldungen reagiert wurde."

Ich sage mal so: Die Zeitung braucht offenkundig diesen Beef, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn man das abschichtet, bleibt die Erkenntnis, dass es tatsächlich kein überregionales Medium aus Ostdeutschland gibt (auch nicht die Berliner Zeitung von Friedrich selbst), das die Stimme jener Menschen sein will, die sich in der bundesdeutschen Medienlandschaft nicht gehört fühlen.

Davon gibt es offenbar einige, was sich nicht nur an der vergriffenen Erstauflage zeigt. Tatsächlich riefen hier Freitag Menschen an und wollten ein Abo bestellen – verbunden mit der Frage, ob es die Zeitung auch in Thüringen gebe. Auch erreichen uns jede Menge wohlwollende Kommentare (zum Beispiel unter diesem Beitrag: "Ostdeutsche Allgemeine Zeitung soll am 20.2.2026 starten").

Stimme des Ostens?

Die erste Ausgabe macht in der Summe einen schicken Eindruck, Zeitungslayout und Fotos können sie. Die redaktionelle Mischung ist abwechslungsreich und breit aufgestellt, es gibt neben Politik und Geopolitik auch Wirtschaft, Kultur und Stil. Überraschend: Das Fernsehprogramm für das Wochenende bekommt ordentlich Platz.

Im Politik-Teil folgt auf das doppelseitige Interview mit Michael Kretschmer ein doppelseitiges Porträt des AfD-Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla. Das trieft nur so vor Lobhudelei und Wohlwollen, eine ordentliche Schleimspur zieht sich durch den Text. Da kommt gleich mal die Frage auf, was es mit dem Redaktionsgrundsatz auf sich haben soll, dass die Redaktion den Lesern überlassen will, sich eine Meinung zu bilden.

Andererseits: Auf der Doppelseite vorher ist das Kretschmer-Interview, in dem er der AfD ordentlich einen einschenken darf. Nun gut.

Was folgt nach dem Furor?

Wir sagen mal so: Die Zeitung steht ganz am Anfang und darf sich auch noch finden. In jedem Fall wird spannend zu sehen, ob aus dem Gepoltere über den angeblich ausgegrenzten Osten ein sinnvolles und nachhaltiges Medienprojekt wird.

Entscheidend dürfte weniger der publizistische Furor der Gründungsphase sein als die Frage, ob es gelingt, dauerhaft journalistische Impulse jenseits der Provokationen zu setzen. Ob also aus der behaupteten „Stimme des Ostens“ tatsächlich ein Medium wird, das über Selbstvergewisserung hinaus Orientierung bietet.

Und nicht zuletzt: ob das Publikum groß und zahlungsbereit genug ist, um das Print- und Online-Angebot langfristig zu tragen.

Hier geht es zum Internetauftritt: ostdeutscheallgemeine.com.


"Erfahren Sie von Aktualisierungen im FLURFUNK-Blog immer zuerst in unserem Telegram-Kanal: t.me/flurfunkdd."

"

Noch keine Kommentare.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.