Anmerkungen zum dpa-Text: „Sachsen Städte erobern soziale Netzwerke“

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"Sachsen Städte erobern soziale Netzwerke" - eine längere dpa-Geschichte mit diesem Titel hat es gestern (21.2.2011) (Korrektur:) am Wochenende 19./20.2.2011 in diverse sächsische Medien geschafft. Unter anderem übernahmen DNN-Online ("Sachsens Städte erobern soziale Netzwerke"), SZ-Online ("Sachsens Städte locken junge Leute per Twitter") sowie BILD-Online (allerdings nur als Kurzmeldung: "Sachsens Städte erobern soziale Netzwerke") den Text quasi unbearbeitet.

Die Geschichte ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, wie wenig man bei der dpa, aber auch in den Redaktionen offenbar die Funktion von insbesondere Twitter verstanden hat. Oder sich mal genauer angeschaut hat, worüber man da eigentlich schreibt.

Oder wie lässt sich sonst erklären, dass man über die Twitter-Accounts von Städten berichtet, aber nicht den Account-Namen nennt? Wie soll der Leser des Artikels aber bitte die Accounts finden?

Im dpa-Text liest man:

"Dresden hat bereits eine prall gefüllte Facebook-Seite, einen eigenen YouTube-Kanal und ein brandneues Twitter-Konto."

Der wissende Leser stutzt: Wie bitte, die Stadt Dresden twittert? Schon lange? Doch wer dem Account folgen will, wird allein gelassen. Eine Verlinkung bei SZ-Online oder DNN-Online oder wenigstens die Nennung des Account-Namens im Text sucht man vergebens. Ach, Namen, die sind in journalistischen Texten doch sowieso total überbewertet (Achtung, Ironie!).

Zumindest in den Dresdner Redaktionen (es soll sogar welche geben, die durchaus Twitter affin sind!) hätte man wissen können, dass @dresden überhaupt nicht im Besitz der Stadt ist, sondern privat betrieben wird.

Die Nachfrage bei der Stadt Dresden ergibt: Richtig, es gibt seit kurzem einen offiziellen Twitter-Account der Dresden Marketing Gesellschaft DMG. Der richtet sich allerdings an B2B-Kunden (also Geschäftskunden) - und nicht, wie der dpa-Text suggerieren möchte, an junge Menschen. Adresse: @DD_Marketing. Dieses Details passten aber wohl nicht so richtig in die dpa-Geschichte...

Noch ein Zitat gefällig?

"Auch Chemnitz startete vergangene Woche damit, Infos regelmäßig über den Kurzblog-Dienst Twitter zu verbreiten."

Sie wollen der Stadt Chemnitz bei Twitter "folgen"? Mal lesen, was da so geschrieben wird? Na, dann suchen Sie sich den Account schön selbst. Viel Glück!

P.S.: Auf die Tatsache, dass es für Dresden (zusätzlich zur offiziellen Seite) eine ganze Reihe von Facebook-Fanpages zur Stadt gibt, von Privatpersonen betrieben werden (hier eine vermutlich inzwischen überaltete Aufzählung), wollen wir hier mal gar nicht erst eingehen. Es ja auch gar nicht im dpa-Text um Dresden bei Facebook. Es geht ja um Dresden bei Facebook. Also die Stadt. Die Landeshauptstadt. Ist ja auch egal.

P.P.S.: Der oben verlinkte offizielle Twitter-Account der Stadt Dresden hat über den Tag, an dem der dpa-Text erschienen ist, genau einen Follower mehr bekommen - mich. Die Zahl stieg von 22 auf 23 Follower. Trotz der gigantischen Reichweite durch die Veröffentlichung in großen sächsischen Tageszeitungen. Mal schauen, wie sich die Zahl nach Veröffentlichung dieses Blog-Beitrags verändert... ;-) Hier geht es lang: @DD_Marketing.

Nachtrag 22.2.2011: SZ-Online hat inzwischen reagiert und die einzelnen Accounts aufgelistet und verlinkt.

1 Kommentar
  • Mirko Jakubowsky
    Februar 22, 2011

    Wir haben das auf sz-online.de gerade überarbeitet - danke für die konstruktive Kritik.

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