Vorderseite der Gratis-Karte, die der MDR derzeit verteilt.

Ob Bar, Restaurant oder Szeneclub: Kostenlose City Cards sind gern gesehene Mitbringsel vom „stillen Örtchen“. Die kleinen Werbeträger sind unter der jüngeren Bevölkerung beliebte Dekorationsartikel, bei denen aber meist die Optik, nicht der Inhalt zählt.

Getreu dem Motto „hübsch, aber billig“ bewirbt nun der MDR die neuen Rundfunkgebühren mit der Verteilung von solchen Gratispostkarten. In bester Katzenberger-Manier prangt der Schriftzug „Billige Anmache“ auf grellpinkem Hintergrund. Der rückseitige Text informiert Wohngemeinschaften über die neuen Regeln der Rundfunkbeiträge.

“Die Postkarten werden seit dem 10. Januar im gesamten Sendegebiet des MDR verteilt und sollen die jugendliche Zielgruppe erreichen, die wir über unsere Rundfunkkanäle nur ungenügend ansprechen können”, sagt ein MDR-Sprecher auf Flurfunk-Anfrage. Das gleiche Motiv wurde auch bis zum 9.1.2013 als Werbebanner auf verschiedenen Websites genutzt.

Und was ist nun der Sinn der Sache? Anders als man es vielleicht vermuten mag, liegt der Grund für diese zielgruppenspezifische Einzelmaßnahme des MDR nicht in der Gewinnung neuer Beitragszahler unter den Studenten.

Vielmehr wolle man zur Abmeldung motivieren, erzählt man uns: „Wir wollen verhindern, dass in einer Wohnung mehrere Personen Beitrag zahlen. Dazu müssen sich diese allerdings aktiv an den Beitragsservice wenden.“ Man könne ja nicht wissen welche Personen welche Wohnung gemeinschaftlich bewohnen.

Für die Finanzplanung der Öffentlich-Rechtlichen ist es durchaus wichtig, unnötige Beitragszahlung zu vermeiden. Im Forderungsfall müssten doppelt gezahlte Beiträge auch noch nach Jahren rückwirkend zum 1.1.2013 zurückgezahlt werden. Die dafür notwendigen Rücklagen möchte natürlich keine Rundfunkanstalt bilden müssen.

Die Rückseite der Gratiskarte.

Potentielle WG-Bewohner ansprechen, damit keiner doppelt zahlt: löbliche Intention, aber schlecht umgesetzt. Die grafische und textliche Gestaltung wirkt so, wie es der Titel verspricht: „Billig“. Das pink-weiße Motiv ist zwar durchaus ein Eyecatcher, spricht aber eher pubertierende Mädchen an. Interessant ist dieses für die meisten Studenten und potentiellen WG-Bewohner nicht. Hilflos wirkt auch der Text, für den sich sowieso nur die wenigstens Freunde der Gratispostkarten interessieren. In einem gewollt, aber nicht gekonnt jugendlichem Sprachstil verfasst wirkt er albern und vermittelt nicht die eigentliche Intention. Der genaue Wortlaut, wie er auf der Karte zu finden ist (s. Foto):

“Endlich kommst du mit billiger Anmache wieder durch – und zwar durch alle öffentlich-rechtlichen Kanäle. Denn ab sofort wird der Rundfunkbeitrag pauschal pro Wohnung berechnet. Das heißt, Ihr zahlt nur einmal für Eure WG, ganz gleich, wie viele Leute Ihr seid und wie viele Fernseher, Radios, Computer, Tablets oder Smartphones Ihr nutzt – Ihr zahlt pro Wohnung monatlich immer nur 17,98 Euro.

So wird Anmachen richtig billig.

Was Du dafür tun musst, sagt Dir www.rundfunkbeitrag.de.
Was Dir der öffentlich-rechtliche Rundfunk bietet, erfährst Du unter www.mdr.de.”

Darunter werden das Logo des Rundfunkbeitrags und des MDR präsentiert. Keine Spur von „Meldet euch ab, damit keiner doppelt zahlt“. Viel mehr wird den tendenziell eher zahlungsunwilligen Studenten und WG-Bewohnern deutlich kommuniziert, dass sie die 17,98 Euro zahlen müssen, egal welche Endgeräte sie nutzen und ob sie überhaupt öffentlich-rechtliche Angebote konsumieren.

Es ist nicht zu erwarten, dass sich aufgrund dieser Zielgruppenansprache per City Card auch nur ein WG-Bewohner auf den Websites informieren wird, um dann festzustellen, dass er sich von Rundfunkbeitrag abmelden kann und soll.

Verschossenes Pulver also, dessen Wirkung wohl in den Tiefen der City Cards Displays verpuffen wird. Martin Kisza