Das seltsame Anzeigen-Einmaleins bei der „Leipziger Volkszeitung“ – ein Erfahrungsbericht

Von 17

Ausschnitt aus den LVZ-Mediadaten

Bis gestern dachte ich, dass es total einfach ist, in einer Tageszeitung eine Anzeige zu schalten. Ganz naiv glaubte ich, dass man sich freut, wenn ich da anrufe und verkünde, dass ich eine Anzeige schalten möchte. Doch die "Leipziger Volkszeitung" hat mich eines besseren belehrt.

Zur Geschichte: Zwischen 500 und 800 Euro wollte ich für die Bewerbung einer Veranstaltung in Leipzig ausgeben. Die "LVZ" schien mir dafür das richtige Medium, denn das Zielpublikum ist etwas älter und nicht so ganz mit der Materie der neuen Medien betraut. Also habe ich mir die Mediadaten der "LVZ" heruntergeladen und brav die einzelnen Seiten studiert - immerhin 30 Seiten mit zu vielen Tabellen und zu vielen Zahlen. So entschloss ich mich unter der Hotline für gestaltete Anzeigen anzurufen, um mich über den Preis- und Anzeigenwirrwarr aufklären zu lassen.

Die erste Kontaktaufnahme war recht freundlich, nach einigen Fragen über Art der Anzeige, Firmenname etc. leitete mich die nette Dame an die zuständige Sachbearbeiterin weiter.

Also nochmal von vorn: "Ich möchte gerne am Samstag eine vierfarbige Anzeige bei Ihnen schalten!" Sie: "Wie groß soll denn die Anzeige sein?" Ich: "Weiß ich nicht, sagen Sie mir doch, was ich für 500 Euro bei Ihnen bekomme." Sie: "Das können Sie sich doch selber ausrechnen. Der Ortspreis für 4c liegt bei 12,61 Euro pro Millimeter. Außerdem ist eine andere Sachbearbeiterin für Sie zuständig, ich gebe Ihnen mal die Telefonummer."

Eigentlich hätte ich nach dieser Ansage mein Projektvorhaben "Anzeigenschaltung bei der LVZ" abbrechen sollen. Aber man glaubt ja an das Gute. Also habe ich brav die neue Durchwahlnummer gewählt (man hat mir leider nicht angeboten, mich gleich mit der neuen Ansprechpartnerin zu verbinden). Wieder sage ich mein Anzeigenverslein auf und bekomme wieder zu hören: "Der Ortspreis liegt bei 12,61 Euro pro Millimeter. Ich schicke Ihnen mal eine Musterseite per Mail zu, dann können Sie sich das ja selber ausrechnen."

Immerhin: Fünf Minuten später habe ich eine Musterseite des Ticketverkaufs der LVZ in meinen Mailpostfach. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet, nachdem ich vier Mal meine Mailadresse runtergebetet ("Wie nochmal?") habe. Also fange ich an zu rechnen und zu basteln, um eine optische Vorstellung zu bekommen, wie denn nun die Anzeige auf der Seite aussehen kann. Die ernüchterne Erkenntnis: Für 500 Euro ist die Anzeige mit 40x40mm echt winzig.

Also rufe nochmal an, weil mir auf der Musterseite eine Anzeige gefällt. Ich frage nach dem Preis, ernte ein Stöhnen. Beinahe möchte ich mich schon entschuldigen, dass ich schlecht mein Lineal an den Bildschirm halten kann, um die Originalgröße herauszubekommen und so den korrekten Preis zu erechnen. Nochmal ein Stöhnen, dann die Antwort: "Macht circa 2.500 Euro, netto versteht sich."

Zu teuer - also lege ich brav auf und fange wieder an zu basteln und rechnen, wie weit ich mit 800 Euro komme. Sieht schon ein bisschen besser aus, ich rufe nochmal an. Ich: "Ich habe jetzt ein Anzeigenformat, dass ich gerne bei Ihnen schalten möchte." Sie: "Schicken Sie mir doch genau was Sie wann buchen möchten per Mail. Wenn Sie in die Samstagausgabe wollen, brauche ich bis Donnerstag die Druckvorlagen."

Also habe ich brav mein Anliegen nochmal in einer Mail formuliert und geschrieben, dass ich gerne am Samstag die Anzeige schalten möchte (gesendet am 07.11.2011, 16:14 Uhr). Trotz der vielen Telefonate glaubte ich immernoch an das Gute, dass man mir schnell antworten, meine Mail bestätigen und sich darüber freuen würde, dass ich eine Anzeige schalte. Auf die Antwort (Stand 08.11. 15.30 Uhr) warte ich immer noch.

Nun bin ich nicht so naiv zu glauben, dass man mir für 800 Euro den roten Teppich bei der "LVZ" ausrollt. Aber ich war bisher fest davon überzeugt, dass man sich in Zeiten stetig sinkender Anzeigenaufträge ehrlich darüber freut, wenn man auch als kleiner Anzeigenkunde an das Medium Zeitung glaubt und da mal ein paar Euro investiert.

Aber vielleicht sind die bei der "LVZ" einfach so vom schleppenden Anzeigenverkauf enttäuscht, dass die gar nicht mehr mit Kunden wie mir rechnen (Achtung, Wortspiel!)?

17 Kommentare
  • Ruben Gläser
    November 8, 2011

    Das Anzeigenwirrwarr ist bei JEDER Zeitung so und in der Tat muss man einige Minuten investieren, um dahinter zu steigen. Der Autor verschweigt auch, dass die Preise pro Spalte gerechnet werden, dass es einen Unterschied zwischen Orts- und Grundpreis gibt und man auch verschiedene Ausgaben belegen kann. Das ist wirklich nicht einfach.

    Aber man geht ja auch nicht in ein Autohaus und sagt: "Ich hätte gerne ein Auto für 30.000 EUR". Als Käufer sollte ich schon genauere Vorstellungen haben über Größe, Farbe, Ausstattung, Motorisierung, etc.

    Ich halte daher also lediglich die Kritik am Telefonierverhalten gerechtfertigt, eine bessere Beratung wäre wünschenswert, im Übrigen nicht nur bei Zeitungen. Das Anzeigen-Einmaleins der LVZ ist hingegen alles andere als seltsam, sondern gängige, gelernte und großteils auch bewährte Praxis, die auch versucht, den unterschiedlichsten Kundenwünschen gerecht zu werden.

  • Frank Dehlis
    November 8, 2011

    Hallo Flurfunker,

    bis Sonnabend können wir zwar nicht mit einer "4c 12,61 Euro pro Millimeter"-Anzeige dienen, aber ab Dezember gibt es ein sehr spannendes Magazin http://www.hiddensee-magazin.de/anzeigen.php

    Für 900 Euro könnte da die ganze Rückseite farbig bedruckt werden. Wir würden uns die Druckdaten persönlich abholen und später eine Kiste Belegexemplare vorbei bringen.

    Das Magazin wird auf Hiddensee und in den Urlauberhochburgen Berlin, Dresden, Leipzig und Thüringen vertrieben werden und ganz sicher auch die Flurfunk-Zielgruppe erreichen.

    In freudiger Erwartung grüßt

    Frank Dehlis

  • owy
    November 8, 2011

    @Ruben Ja, genau, das Schalten einer 800-Euro-Anzeige in der Zeitung ist in etwa so kompliziert wie der Kauf eines 30.000-Euro-Autos. Schöner Vergleich.

  • Ruben Gläser
    November 8, 2011

    @Peter: Der Vergleich mag in der Tat hinken, aber ob ich eine Anzeige für 800, 8000 oder 80000 schalte, der Vorgang ist gleich einfach/kompliziert, die Mitarbeiter wären nur vielleicht höflicher/geduldiger gewesen ;)

    Ich finde trotzdem die Kritik am Aufbau der Preisliste ungerechtfertigt, da nicht nur die LVZ dieses Wirrwarr hat, sondern ALLE große Tageszeitungen. Sie mag kompliziert sein, ja. Aber ob dies widerum schlechtes Gewohnheitsrecht oder im Laufe der Jahre optimierte Praxis ist, darüber lässt sich trefflich streiten ;)

  • Katrin Schöne
    November 8, 2011

    Also ich habe mit der LVZ auch schon gute Erfahrungen gemacht - allerdings war das die Grimmaer Lokalausgabe. Dort wurde ich gut beraten und bekam sogar einen Sonderpreis. Und außerdem wurde mir angeboten, in einem redaktionellen Artikel auf die Veranstaltung noch einmal hinzuweisen - selbstverständlich kostenlos.

  • Lars Radau
    November 9, 2011

    @ Katrin Schöne

    Letzteres wiederum finde ich, ganz abgesehen von Preislisten-Gestaltung und möglichen Rabatten, tatsächlich bedenklich.

  • stefanolix
    November 9, 2011

    Ich habe vor einigen Jahren versucht, die Ankündigung einer gemeinnützigen Veranstaltung (Veranstaltungsort: TU, ca. 1.000 Besucher) in den redaktionellen Teil einer Zeitung zu bekommen. Der Name der Zeitung tut hier nichts zur Sache. – Später bekamen wir ein Angebot für eine Anzeige, verbunden mit der selben Wendung, die Katrin Schöne zitierte: dann könne man ja »im redaktionellen Teil auf die Veranstaltung hinweisen«.

    Mich wundert nur, dass das noch jemand bedenklich findet.

  • Zeitungsdieb
    November 9, 2011

    @ Ruben Gläser: Bei 8.000 kommt ein (anderer) Mitarbeiter zum Kunden, bei 80.000 fährt der Chef los und teilt dem Kunden die dann geltenden Konditionen persönlich mit.
    @ Lars: Das sollte doch nun bei der LVZ niemanden überraschen ... der Pressekodex ist im Haus an der Klagemauer kein wirkliches Thema mehr, obwohl (weil?) der noch-ChR im Presserat sitzt.

  • Katrin Schöne
    November 9, 2011

    Wenn es um die Ankündigung einer nicht kommerziellen Veranstaltung geht, finde ich das nicht unbedingt bedenklich - wenn es um Firmenwerbung oder Wahlwerbung geht, dann schon eher.

    Ich frage mich nur, ob die auch einen Artikel geschrieben hätten, wenn ich keine Anzeige gebucht hätte...

  • stefanolix
    November 10, 2011

    Wenn man die Erwähnung im redaktionellen Teil an eine Anzeige »koppelt«, finde ich es auch bei einer gemeinnützigen Veranstaltung nicht in Ordnung.

    Später waren wir als gemeinnütziger Verein Aussteller auf einer Messe in Dresden. Damals erhielten wir folgende Nachricht:

    Am … erscheint in unserer Tageszeitung eine Beilage zur Messe "…". Der Anzeigenschluss ist am …. Wir würden uns freuen,
    wenn Sie als Aussteller dieses redaktionelle Umfeld für eine Anzeigenschaltung nutzen würden. Anbei dazu einige Größen- und Preisbeispiele. (…) Gern nehmen wir auch Ihre redaktionellen Vorschläge mit entgegen.

    Anmerkung: Hervorhebung von mir.

  • stefanolix
    November 10, 2011

    PS: Tut mir leid — Das Format des Zitats ist kaputt.

    Mir ging es auch nur darum, dass man sich über solche Zustände heute nicht mehr aufregen muss. Man muss die Zeitung sehr kritisch lesen und seine Schlussfolgerungen ziehen, sobald man auf offensichtlich »gekaufte« Beiträge stößt.

  • Robert Strauß
    November 15, 2011

    Zwischen 500 und 800 Euro bekommen Sie bei Leipzig Fernsehen viel mehr Sendezeit als 40x40mm Platz. (62.300 Zuschauer täglich)
    Auch wenn der Vergleich ein bisschen hinkt ;-)
    Als Media-Berater würde ich mich freuen, Sie beraten und mit Ihnen rechnen. (ganz ohne roten Teppich).

  • lurgi
    November 18, 2011

    für 510 euro bekommen Sie schon eine ganze woche eine altmodische videotextseite mit einem verweis auf der startseite seite 100 bei einem bundesweiten (!) privatsender. die anzeige wird 7 tage lang ohne unterbrechung veröffentlicht.

  • Frank Dehlis
    November 18, 2011

    @lurgi Und was kostet es, dies zu vermeiden???

  • Mediaberater
    November 22, 2011

    Ist es denn nicht meine Aufgabe als Mediaberater dem Kunden wenn er mir schon sagt was für Mittel er zur Verfügung hat und wann er gern wo rein möchte ein passendes Angebot zu unterbreiten.In meinen Augen gehört es auch dazu eine oder zwei Anzeigevorlagen vorzubereiten und dies zusammen mit dem Angebot dem Kunden geben so das er sich das passende für sich aussucht.Mann kann doch vom Kunden nicht erwarten das er bei dem ganzen Durchsieht.Für den Mediaberater ist es doch einfacher er hat jeden Tag damit zu tun und könnte so viel schneller seinen Kunden zufriedenstellen.Ob das nun 800 oder 8000€ Euro sind spielt keine Rolle.Währe ich der Kunde und hätte das so erlebt würde ich schon lange sagen vielen Dank für Ihre Mühe ich suche mir ein anderes Unternehmen.Beim lesen des Beitrages und sollte es sich wirklich so zugetragen haben könnte man meinen der Kunde soll sich noch bedanken das er der Tageszeitung Geld bring und er Werbung schalten dürfe.

  • benjamin weinkauf
    März 29, 2012

    @ruben gläser: ich bin genau mit diesem satz in ein autohaus gegangen: ich habe soundsoviel und suche ein auto, was krieg ich bei ihnen für diesen preis. hat zwei stunden gedauert, dann wußte ich, welches auto mich künftig begleiten wird. von einem anzeigenverkäufer kann man das auch erwarten: ich habe diese summe, was kriege ich dafür. alles andere ist zentralorgan der bezirksleitung.

  • Stierblut
    August 23, 2013

    für 500 - 800 bekommt man Online 4 Wochen eine Einblendung, Je nach Rubrik und Werbemittel auch viel länger. Das Datenwirrwar ist sicher bei manchen Anbietern groß, aber viele verstehen Ihren Job und beraten den Kunden von A-Z. Egal ob Online oder Prinz

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