„Welt Online“: Alle Ossis sind Linke und schauen „Wer wird Millionär“

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Da versteht man die Welt nicht mehr: Ob das eine Glosse sein soll? Oder ist es der Versuch, mit einer Provokation möglichst viele Klicks zu bekommen? Von Welt-Redakteur Ulrich Clauß findet sich seit gestern das Stück "Ostdeutsche träumen von Exodus und Sieg bei Jauch" bei Welt.de, das an oberflächlicher Pauschalisierung kaum mehr zu überbieten ist.

Jagdobjekt von Herrn Clauß: die Ostdeutschen. Zwei Studien liefern dem "Journalisten" den Beleg, dass ein Drittel der Ostdeutschen "auswandern" wolle – und weil das nicht so einfach geht, schaut die Mehrheit DER LINKEN der Ostdeutschen lieber "Wer wird Millionär".

Hintergrund für Clauß' Pauschalberichterstattung sind einmal eine Studie des Leipziger Leif-Instituts, die behauptet, dass ein Drittel der Ostdeutschen die "leeren Landschaften" der Heimat verlassen wolle. Das Leif-Institut hat die Zahlen erhoben, um Aussagen "über die soziökonomische Stimmung" in Ostdeutschland treffen zu können. Mehr als das, was auf der Webseite steht (also zum Beispiel Informationen über die konkrete Fragestellung oder sogar den Auftraggeber), will man uns auf Nachfrage aber nicht verraten.

Die zweite Studie, die Clauß als Beleg heranzieht, hat die Focus Markt- und Mediastudien erstellt. Demnach schauen die Parteianhänger DER LINKEN am liebsten "Wer wird Millionär". Auch die in Ostdeutschland.

Ob es Vergleichszahlen zum Auswanderungswillen im Westen gibt? Interessiert Herrn Clauß nicht. Wofür die Zahlen jeweils erhoben wurden? Belanglos. Das andere Parteien in Ostdeutschland auch gewählt werden? Unwichtig. Hauptsache das Klischee stimmt: Vom armen, unzufriedenen Ossi, der aus Protest links wählt und eigentlich nur weg will. Seriöser Journalismus ist das nicht.

Als wäre das nicht schon genug, folgt noch das:

Das zeigt, dass der Fraktionschef der thüringischen Linkspartei Hoffnung schöpfen kann, was das Verhältnis seiner Mitbürger zum Geld angeht. Anlässlich der Debatte um Lebensstil und Einkommen des neuen Vorsitzenden der Linkspartei, Klaus Ernst, hatte Ramelow beklagt, dass viele Parteimitglieder noch 'kein Verhältnis zum Geld' gefunden hätten. 'Unredliche Züge' trage deshalb die Debatte um Ernst. Und noch einen Einblick gewährt uns Ramelow – und das als Wessi! – in die Psyche der Menschen im Osten. 'Gesamtdeutsch sind wir in der Pubertät', bescheinigte er seinen Parteifreunden in einem Interview.

Vielleicht sollte mal jemand eine Studie ansetzen über die Arbeitsbedingungen, die am Wochenende in der Welt-Redaktion vorherrschen. Was nehmen die da eigentlich so zu sich?

P.S.: Inzwischen sind über 80 Kommentare unter der Geschichte aufgelaufen. Mitten am Tag ist auch die Überschrift gewechselt und eine Bildgalerie angehängt worden – s. Screenshots unten. Zuvor waren beide Versionen vorübergehend online. Also ist die Geschichte doch ein Versuch,  viele Klicks zu bekommen.

Version I, noch bis ca. 15 Uhr online:

Version II, mit einer Bildgalerie von Günther Jauch ergänzt:

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