Asylgegner? Nazis? Kritik an Medienberichten zu Bischofswerda

Von 2 , , , ,

Doppelter Lesehinweis: Gleich zwei Blogbeiträge mit Medienkritik zum gleichen Thema sind heute in unser Postfach geflattert. Eine gute Gelegenheit, das Thema einmal hier zur Diskussion zu stellen.

Anlass für die Blogbeiträge sind die Vorgänge in Bischofswerda und die Berichterstattung darüber in den regionalen Medien.

Kurz zum Hintergrund: In Bischofswerda haben sich in den vergangenen zwei Abenden mehrere Menschen (Spiegel Online schreibt: "aggressive Demonstranten" und "rechte Krawallmacher") vor einer neu eingerichteten Asyl-Notunterkunft versammelt. Von den Demonstranten sei der Hitlergruß gezeigt worden; außerdem wurde ein ankommender Bus mit einer Flasche beworfen.

Das Blog lauterbautz'ner schreibt:

"Dass sich die Polizei von diesen Tatsachen indes nicht beirren lässt und weiterhin vermeintlich sachlich von 'Asylkritikern' schreibt, lässt mich zunehmend kalt. Wenn es aber die Lokalredaktion Bautzen der Sächsischen Zeitung nicht schafft, in ihrer Berichterstattung über Bischofswerda wenigstens einmal das Wort „Rassismus“ unterzubringen, dann fällt mir, wie bei den Beamten, ebenso nichts mehr ein. Vielmehr versuchten sich die insgesamt vier Verfasser in ihrem Stück 'Zwischenstopp ins Ungewisse' an einer prinzipiellen Verharmlosung der menschenfeindlichen Proteste."

Der Blogbeitrag trägt den Titel: "Betrunkene Asylheimkritiker".

Auch das Blog myview.com übt Medienkritik - am MDR. In dem Blogbeitrag sind MDR-News aus der App, die Polizeimeldung sowie eine Reihe kritischer Tweets dokumentiert. Am Ende ist dort zu lesen:

"Werte Damen und Herren beim MDR, trauen Sie sich. Nennen Sie Bischofswerda auch für die Weltöffentlichkeit beim richtigen Namen. Schiebock. Das würde dann doch richtig gemütlich klingen. Trotz alledem."

Dazu muss man noch wissen: Schiebock ist der Spitzname von Bischofswerda.

Hier geht's zur Medienkritik in myview.com: "Bischofswerda: des Volkes MDR".

Nachtrag, 20.9.2015: Nach Veröffentlichung des Beitrages gestern wehrte sich die Bautzner Redaktion der "Sächsischen Zeitung" gegen den Vorwurf bei Twitter.

szbautzen1

szbautzen2

Das Blog hat seinen Beitrag inzwischen um die Hinweise der Redaktion ergänzt, bleibt aber bei der eigenen, ursprünglichen Kritik:

"Jetzt aber mal ernsthaft und etwas ab von meiner Story über den originären SZ-Text. Die so oft von @szbautzen beschriebene erste Seite dient schlichtweg dem Schmackhaftmachen auf Geschichten, die im hinteren Teil auf die Leser warten. Ein Großteil der etwa 17.000 SZ-Bautzen-Konsumenten überfliegt die prominenten Teaser und freut sich auf ordentlich dargelegte Artikel im Lokalteil. Und dort, lieber @szbautzen-Account, stand nun mal undifferenzierter Blödsinn. Diese Blatt-Kritik kann man dann auch einfach mal annehmen, vor allem unter Nachbarn, oder man lässt es bleiben und geht wutschnaubend zurück in sein ausgebautes Dachgeschoss."

Die Screenshots von der Twitter-Diskussion sind verlinkt, die Antwort steht im ursprünglichen Blogbeitrag (oben verlinkt).

Fazit: Wir enthalten uns an dieser Stelle mal der Frage, ob der Blogger Fakten ausspart, um sein Feindbild zu bestätigen oder die "SZ"-Redaktion zu viel Medienkompetenz vom Leser erwartet. Und loben stattdessen die Diskussionskultur: Dass eine Zeitungslokal-Redaktion bei Twitter über Kritik diskutiert, ist keine Selbstverständlichkeit!

2 Kommentare
  • stefanolix
    September 20, 2015

    Ich bin in diesem Fall mal ganz auf der Seite der Sächsischen Zeitung: Es ist jedem einigermaßen kompetenten Zeitungsleser bekannt, dass die sehr aktuellen Themen oft auf Seite 1 stehen – eben weil sie noch kurz vor Redaktionsschluss eingebaut werden müssen. Das kommt immer wieder vor: bei Wahlen, bei Katastrophen oder bei Sportereignissen in anderen Zeitzonen.

    Und: Wenn ich einen Zeitungsbeitrag zu lokalen Berichten zu den Asylkonflikten in Sachsen kritisiere, muss ich vorher die Gesamtausgabe durchblättern: Es gibt immer die Möglichkeit, dass auf Seite 1 oder im »Sachsen«-Teil noch etwas steht.

  • Horst
    September 20, 2015

    Online las sich der Artikel ohne den Teaser ganz schwach (erst später folgten differenzierter Beiträge). Dieses verweisen auf den Titel ist also eine billige Ausrede

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen