Reaktion auf die „Hetzjagd“-Petition: Offener Brief an Prof. Patzelt

Von 10 ,

Am Sonntag berichteten wir über die Kooperationspartner von Prof. Werner Patzelt bei der Petition an die Bundeskanzlerin, die Herkunft des Begriffes "Hetzjagd" für die Vorkommnisse in Chemnitz zu erklären (vgl. FLURFUNK vom 9.9.2018: "Die seltsamen Verbündeten des Professor Patzelt").

Nun erreicht uns ein offener Brief von Prof. Gerd Schwerhoff vom Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit der TU Dresden, den wir im Folgenden ungekürzt dokumentieren.

Offener Brief an Werner Patzelt

Sehr geehrter Herr Kollege Patzelt,

nach unserem letzten öffentlichen Meinungsaustausch (http://wjpatzelt.de/2015/04/10/patzelts-pegida-eine-antwort-auf-gerd-schwerhoff/) hatten Sie ja deutlich gemacht, wie sehr Sie bei aller Dissonanz im Inhaltlichen eine Resonanz von Kollegen, auch wenn sie in der Sache nicht so gut ausgewiesen sind wie Sie, schätzen bzw. oft vermissen. Deswegen scheue ich mich nicht, Ihnen erneut zu schreiben, mangels eines eigenen Blogs in Form eines offenen Briefes. Ich tue das, wie ich vorausschicken möchte, als jemand, der bei aller Meinungsverschiedenheit Ihre Meinungsfreiheit stets verteidigt hat und repressive oder gar gewalttätige Reaktionen dagegen entschieden ablehnt (auch öffentlich, vgl. https:…

10 Kommentare
  • Friedrich Funke
    September 14, 2018

    Danke, sehr geehrter Kollege Schwerhoff.
    In Inhalt und Form willkommene Worte.

  • Ulrike Böhm
    September 14, 2018

    Ja, willkommene Worte. Gleichwohl Perlen vor die Säue.
    Schade um Ihre Bemühungen, Herr Schwerhoff.
    Alles Gute!

  • Dr. Ingo Engelmann
    September 14, 2018

    Es tut gut, eine so abgewogene und doch klar positionierte Betrachtung lesen zu dürfen.

  • Dr. Maximilian Krah
    September 14, 2018

    "In Chemnitz und andernorts war doch der Schulterschluss zwischen extremen Rechten und Teilen des bürgerlichen Milieus der eigentlich beängstigende Tatbestand." - Nicht der Messermord an einem jungen Chemnitzer und die lebensgefährlichen Angriffe auf zwei weitere? Genau diese Schwerpunktsetzung - Protestdemonstration das Problem, nicht die Migrantengewalt - trennt die einen von den anderen. Und genau um diese Frage wird es bei der Landtagswahl 2019 gehen.

  • Ulrich Ingenlath
    September 14, 2018

    Dankeschön für Ihren Beitrag zum Thema. Ich hatte schon ein wenig den Glauben an die geisteswissenschaftlichen Fakultäten der TU Dresden verloren, wenn es um wissenschaftliche Redlichkeit geht.
    Respektvolle Grüsse aus Bautzen
    Ulrich Ingenlath

  • jothaka
    September 15, 2018

    @Dr. Maximilian Krah
    Mitnichten geht es hier um zwei Schwerpunkte.
    Das erste war ein normaler krimineller Akt wie er leider tagtäglich in Deutschland passierte/passiert und passieren kann. Nicht schön, ist aber leider so. Woher die Täter oder die Opfer kommen, ist völlig unrelevant. Um diese Straftaten, und nur darum handelt es sich hier, zu ahnden, haben wir in Deutschland Polizei Staatsanwaltschaft und Gerichte.

    Das zweite war ein Ausdruck politischer Gewalt, organisiert und getrieben von der AFD Pegida und diversen rechten Kleinstparteien und Organisationen. Ob da jetzt "besorgte" Bürger die keine Nazis sind daran teilgenommen oder nicht, ist mir Wumpe. Wer so offensichtlich mit Nazis mitmarschiert die undeutsch aussehenden Menschen jagen und ist vielleicht kein Nazi, aber er sympathisiert definitiv mit deren faschistischem Gedankengut. Ob das Ganze als Hetz- oder Treib- oder sonstwiejagd tituliert wird; dem Fuchs ist es am Ende egal wie die Jagd bezeichnet wurde, das Ergebnis bleibt für ihn gleich.

  • Dr. Maximilian Krah
    September 16, 2018

    @Jothaka
    "Das erste war ein normaler krimineller Akt wie er leider tagtäglich in Deutschland passierte/passiert und passieren kann. Nicht schön, ist aber leider so. Woher die Täter oder die Opfer kommen, ist völlig unrelevant." - und exakt das sehen ich und wohl auch die Mehrheit der Sachsen anders.

    Es ist nicht "unrelevant", wer der Täter ist, wenn er nur aufgrund politischer Entscheidungen im Land ist, obwohl er von Rechts wegen hier nichts zu suchen hat. Und gerade in Chemnitz gibt es eben seit 2015 eine gehäufte Migrantengewalt, also eine durch die politische Entscheidung zur Grenzöffnung erzeugte Kriminalitätsentwicklung. Der Mord an Daniel H. war nun der berühmte Tropfen, der das Fass überlaufen ließ.

    Sie ignorieren diese Ursache des nachfolgenden Protestes. Damit werden Sie aber den Protest nicht erfassen, so dass sie ihn dann nur noch moralisch verdammen können. Diese moralische Verdammung führt aber zur Wut und Enttäuschung der Chemnitzer.

  • jothaka
    September 16, 2018

    @Dr. Maximilian Krah
    Es ist ist völlig unrelevant woher der oder die TäterInnen stammen,
    Auch einE TouristIn kann zum Täter werden.
    Auch FernfahrerInnen aus dem Ausland können zu TäterInnen werden.
    Auch GastwissenschafftlerInnen können zu TäterInnen werden.
    Wollen Sie alle diese Personenkreise hinausschmeißen?
    Wollen Sie alle Jugendlichen bis 25 vorssichtshalber rauschmeißen, da gibt es nämlich erhöhte Krimininalitätsraten?
    Vor dem Gesetz sind alle gleich.

    Abgesehen davon,:
    "....Und gerade in Chemnitz gibt es eben seit 2015 eine gehäufte Migrantengewalt, also eine durch die politische Entscheidung zur Grenzöffnung erzeugte Kriminalitätsentwicklung...."
    Wo ist die Quelle?

    Ein Punkt noch: Woher wissen Sie das es Mord war und nicht Totschlag oder Notwehr?

    Ein letztes noch: Moral, hat in der Rechtssprechung nichts zu suchen.
    Was für sie unmoralisch ist, kann für viele andere normal sein und umgekehrt.

  • Lucas Böhme
    September 17, 2018

    @ Dr. Maximilian Krah:

    1) Für die rechtliche Beurteilung des furchtbaren Geschehens IST es völlig irrelevant, wo der mutmaßliche Täter herkommt. Die Frage "Was wäre gewesen, wenn es die 'Grenzöffnung' nicht gegeben hätte?" ist an dieser Stelle fehl am Platze (abgesehen davon ist es müssig, darüber zu spekulieren).

    2) Sie bedienen das leidige Narrativ, an dessen Ende man den Eindruck bekommt, an dem Tod des Mannes seien so ziemlich alle Schuld (Politiker, Kanzlerin...), aber nicht der/die mutmaßliche/n Täter selbst.

    3) Bitte überlassen Sie die rechtliche Wertung (Mord, Totschlag ...) den Strafverfolgungsbehörden und preschen Sie hier nicht vor. Das gilt auch für die Abfolge der Ereignisse, welche der sachlichen Aufklärung bedarf.

    4) Ich bediene jetzt hier bewusst nicht das "Hetzjagd"-Narrativ, aber wo ist Ihre Distanzierung von Angriffen auf Andersdenkende -und aussehende, Migranten und Pressevertreter?

    5) Mit Fakten zur "Migrantengewalt" nehmen Sie es selbst offenbar nicht so genau. Ich erinnere daran, dass Sie falsche Zahlen zu Vergewaltigungen und ermittelten Tatverdächtigen ausländischer Herkunft auf Twitter verbreitet haben sollen, die eine Korrigierung durch die sächsische Polizei erfuhren.

  • Anna Burck
    Oktober 7, 2018

    Die Quelle zum Anstieg von durch Täter mit Migrationshintergrund verübten Gewalttaten in Chemnitz bzw. den statistischen Vergleich zu Gewalttaten gleicher Art deutscher Staatsbürger /Chemnitzer möchte ich auch gern sehen. Und die Tätermotive müssen vorher geklärt sein, sonst kann nichts verglichen werden.

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