Hier hören:
FLURFUNK im Gespräch mit Robert Kuhne, Chefredakteur und Geschäftsführer von TAG24
Wie verändert sich Journalismus in einer Welt, in der Künstliche Intelligenz Inhalte filtert, formt und personalisiert? Wer bestimmt künftig, was als Wahrheit gilt – und was bedeutet das für Medienvielfalt und Demokratie?
In dieser FLURFUNK-Podcastfolge spreche ich mit Robert Kuhne, Geschäftsführer und Chefredakteur von TAG24, über einen tiefgreifenden Umbruch der Medienbranche.
Ausgangspunkt ist Roberts Reise ins Silicon Valley und seine direkten Einblicke in die Strategien von OpenAI, Perplexity, Google, Amazon, Microsoft und Co. – und die ernüchternde Erkenntnis, welche Rolle Journalismus dort künftig spielen soll.
Wenn KI entscheidet, was wir wissen
Im Gespräch wird deutlich: Viele Tech-Konzerne denken Medien nicht mehr als zentrale Akteure demokratischer Öffentlichkeit, sondern als austauschbare Zulieferer. Ein, zwei Agenturen reichen – der Rest wird von KI so aufbereitet, wie es zur Erwartungshaltung der Nutzer passt.
Pluralismus? Medienvielfalt? Kritische Einordnung? All das, so der Eindruck aus Kalifornien, soll künftig „im Kopf des Users entstehen“.
Deutungshoheit unter Druck
Robert Kuhne beschreibt, wie sich Deutungshoheit verschiebt: weg von Redaktionen, hin zu Plattformen, Algorithmen und personalisierten KI-Assistenten. Inhalte werden nicht mehr konfrontativ oder überraschend, sondern bestätigend ausgespielt.
Das birgt Risiken – für journalistische Standards ebenso wie für die demokratische Meinungsbildung.
Besonders alarmierend: die Vorstellung einer Medienwelt ohne Websites, ohne klassische Absender, ohne klar erkennbare journalistische Verantwortung. „Ich bekomme nur noch das, was ich erwarte – nicht das, was mir helfen würde, die Welt zu verstehen.“
Lokaler Journalismus als letzte Bastion?
Gleichzeitig sieht Kuhne eine Chance: Gerade lokaler, recherchierter Journalismus könnte im KI-Zeitalter an Wert gewinnen. Denn lokale Wirklichkeit lässt sich nicht einfach generieren – sie muss beobachtet, überprüft und eingeordnet werden.
Doch genau dieser Journalismus steht wirtschaftlich und strukturell massiv unter Druck.
Sorge um die Demokratie
Am Ende läuft das Gespräch auf eine Grundsatzfrage hinaus: Was passiert mit Demokratie, wenn Vertrauen in Medien, Institutionen und gemeinsame Wirklichkeitsannahmen erodiert?
Kuhne formuliert es klar: Demokratie lebt vom Vertrauen – und Journalismus ist ein zentraler Anker dieses Vertrauens. Wenn dieser Anker verloren geht, droht eine fragmentierte Öffentlichkeit, in der jede und jeder nur noch die eigene Wahrheit konsumiert.
Diese Folge ist ein ebenso persönliches wie strategisches Gespräch über Machtverschiebungen, Medienökonomie, KI-getriebene Öffentlichkeit – und die Frage, warum Journalismus heute wichtiger ist als je zuvor.
Shownotes
- TAG24
- FLURFUNK: "'Projekt Halle': Berliner Verlag expandiert in ostdeutsche Hauptstädte"
- trashkurs
- Sachs.Weiter
- FLURFUNK: "Madsack übernimmt DDV-Mediengruppe (u.a. Sächsische Zeitung)"
Über den FLURFUNK-Podcast
Im FLURFUNK-Podcast beschäftigt sich Peter Stawowy mit aktuellen Entwicklungen und Umbrüchen in der Medienwelt. Der FLURFUNK-Podcast ist eine Produktion des STAWOWY Verlag.

FLURFUNK im Gespräch mit Robert Kuhne, Chefredakteur und Geschäftsführer von
Kommentar hinterlassen