
Ein herzliches Guten Tag von der Gästebank im MDR-Rundfunkrat. Erneut habe ich mich nach Leipzig begeben, um dem öffentlichen Teil der Sitzung beizuwohnen und die Aspekte, die mir wichtig erscheinen, hier live mitzutickern.
Wie gehabt: Sollte ich etwas falsch aufschreiben, freue ich mich über Hinweise. Korrekturen im Nachhinein mache dann transparent.
Die Tagesordnung zur heutigen Sitzung vom 23.3.2026 findet sich hier.
Noch ein Hinweis vorab: Ich hatte das Vergnügen, in der aktuellen Folge des Podcast "Die Medienhölle" mit Jörg Wagner über die Rundfunkratsgremien im Allgemeinen und meine regelmäßigen Besuche hier im MDR-Rundfunkrat zu sprechen.
Die Folge ist hier bei Youtube und überall, wo es Podcast gibt, zu finden.
Sportrechte und Tatort
Es ist jetzt 11,50 Uhr - das Gremium hat schon im nicht-öffentlichen Teil ab 10 Uhr einige Themen abgearbeitet. Dazu gehören die Zustimmung für einen Dresdner Tatort, ein Programmpunkt mit dem Titel "Sportprogramm und Sportrechteerwerb in der ARD".
Außerdem sind der Erwerb der Verwertungsrechte an den FIS-Ski-Weltcup für 2026/27 und 29/30 und an den Biathlon Weltcup und die Weltmeisterschaften 2030/31 und 2033/34 diskutiert worden.
Es geht los, soeben ist das Protokoll der vorherigen Sitzung bestätigt worden. Es folgt der Bericht des neuen Vorsitzenden Kai Ostermann, der in der Sitzung im Januar gewählt worden war (vgl. FLURFUNK vom 26.1.2026: "Bericht von der 232. Sitzung des MDR-Rundfunkrat").
GVK organisiert Programmbeobachtung neu
Nach ein paar einleitenden Worten hat Ostermann das Wort an eine Rundfunkrätin weitergeben - es gab eine Auftaktsitzung des Programmausschuss der GVK, der Gremienvertreterkonferenz.
Spannend: Die Programmbeobachtung dort wird mit der Neukonstituierung auch neu organisiert, zum Beispiel soll es einen einheitlichen Fragebogen zur Bewertung der Programme geben. Die Ergebnisse sollen wohl künftig auf einer Webseite gesammelt werden, um insgesamt langfristig auch bessere Vergleichbarkeit herstellen zu können.
Jetzt geht es um die Webtrainings und Fortbildungen, die die GVK anbietet. Die Abfrage, wer schon mal eines genutzt hat, zeigt: Da ist noch Luft nach oben. Nicht die Hälfte der Rundfunkräte hat sich eben gemeldet. Die sprechende Rundfunkrätin scherzt gerade, dass es demnächst Lernstandsabfragen und Wissenskontrollen geben werde. Das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint.
Weitere 60 Mio. Euro Einsparungen nötig?
Wir sind bei Top 8, dem Bericht des Intendanten. Er beginnt mit dem 25. KEF-Bericht. Im Februar hat die KEF einen Zwischenbericht vorgelegt (vgl. kef-online.de vom 20.2.2026) und einen Beitrag von 18,64 Euro ab 2027 bis 2028 vorgeschlagen. Bislang lag die Empfehlung bei 18,94 Euro.
Ludwig sagt gerade: Sollte die Politik die KEF-Empfehlung umsetzen und keine weitere Beitragserhöhung auf den Weg bringen, muss der MDR in den kommenden Jahren (bis Ende 2028) weitere 60 Mio. Euro einsparen. Die kommen zu dem laufenden Sparpaket von 160 Mio. Euro hinzu.
Zu dem laufenden Sparpaket von 160 Mio. Euro sagt Ludwig, dass der MDR dabei auf einem insgesamt guten Weg sei, dies umzusetzen.
Zusammenlegung der Programmdirektionen
Update zur Zusammenlegung Halle/Leipzig: Boris Lochthofen tritt am 1.4.2026 seinen Posten als Programmdirektor an. Der Intendant dankt gerade - wie vorher schon der Vorsitzender - Christina Herßebroick und Torsten Peuker, die die Direktionen bislang kommissarisch geleitet haben.
Interessant: Die Zahl der Abteilungen bzw. Hauptredaktionen wird sich von bislang zehn auf insgesamt fünf reduzieren. Aktuell wird an der Zuordnung gearbeitet.
Noch mehr Infos: Der MDR und KiKa haben beim Grimme-Preis Auszeichungen bekommen.
Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien
Und noch ein Hinweis: Der MDR ist seit vergangener Woche Ort der Demokratie. Die Rundfunkanstalt hat dazu den "Leipziger Appell zur Freiheit und Unabhängigkeit der Medien" initiiert, an dem sich zahlreiche Medien und Institutionen beteiligen.
Das Papier betont, dass freie und unabhängige Medien sowie der Zugang zu verlässlichen Informationen zentrale Voraussetzungen für die Demokratie sind und besonders geschützt werden müssen. Zugleich warnt er vor aktuellen Gefahren wie algorithmischer Verzerrung, politischer Einflussnahme und gezielten Angriffen auf Vertrauen – und ruft dazu auf, Medienfreiheit aktiv zu verteidigen und zu stärken. Unterzeichnet haben bislang 26 Organisationen.
Leistungsträger verlassen den Sender
Es gibt Nachfragen aus dem Gremium. Warum die Marke tagesschau24 verschwindet, fragt einer. Das sei ein Kompromiss im Rahmen der Zusammenleugung der Spartenkanäle gewesen, die der Gesetzgeber vorgegeben habe, antwortet der Intendant. Tagesschau und Tagesthemen bleiben aber erhalten, fügt er hinzu.
Eine weitere Nachfrage: Warum Führungskräfte und Leistungsträger den Sender verlassen, will ein anderer Rundfunkrat wissen - und was der Intendant dagegen tue. Ludwig sagt gerade: Einsparungen sind notwendig, er würde gern das Personal halten. Er weist auch zurück, dass es nur die freiberuflichen Kollegen treffen würde. Nein, sagt er, es gäbe auch einen Einstellungsstopp. Im übrigen hoffe er, weiterhin auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten zu können.
Protestnote der Freien Mitarbeitenden
Die Vertreterin der Freien Mitarbeiter ergänzt gerade: Es seien ganze Programmstunden verschwunden, die früher im Wesentlichen von Freien erstellt worden sind. Es gibt eine Protestnote der Freien Mitarbeiter - es gebe eine "bedrückende Unsicherheit" für die Freiberufler, die zunehmend unerträglich sei (sinngemäß). Zum Teil seien die Kollegen von Kürzungen an bisherigen Diensten von 15 bis 25 Prozent betroffenen, die ohne Ankündigung weggefallen seien.
"Wir brauchen Sicherheit, wir brauchen Transparenz und wir brauchen einen Sozialplan", sagt sie gerade.
Es gibt eine Nachfrage zum Vertragsende mit Alexander Prinz, dem Dunklen Parabelritter, bei FUNK. Die Rundfunkrätin wundert sich, warum es keine Vertragsverlängerung gab - es sei doch das erklärte Ziel, das junge Publikum langfristig zu halten.
Parabelritter soll im ARD-Kosmos bleiben
Es wird weitergehen mit Alexander Prinz im ARD-Kosmos, heißt es gerade von einer Programmverantwortlichen. Dies sei auch von den FUNK-Kollegen im Laufe des vergangenen Jahres forciert worden. Der Vorsitzende des Rundfunkrats bringt es gerade auf den Punkt: Er sei überrascht, das Prinz nach allem, was er gelesen hat, noch weiter mit der ARD arbeiten wolle.
Noch eine Nachfrage: Warum der MDR den Beitritt zum "Schutzkodex für Medienhäuser zum Schutz von Journalist*innen" abgelehnt habe? Der juristische Direktor begründet das gerade, ich habe aber den Anfang verpasst. Die ARD-Anstalten hätten schon umfangreiche interne Instrumente, übersetze ich mal. Das stößt hier nicht so auf Wohlwollen innerhalb des Gremiums, es wird auf den psychologischen Aspekt hingewiesen. Antwort des juristischen Direktors: Der Kodex pauschalisiert sehr stark, wir intern individualisieren mehr. Interessant.
Schlagerwelt soll ARD-Webchannel werden
Es gibt eine Änderung in der Tagesordnung, Punkt 11 wird vorgezogen. Begründung: Noch ist das Gremium beschlussfähig. Es geht um einen Dreistufentest.
Zur Einordnung: Die terrestrische Verbreitung der Schlagerwelt soll eingestellt werden, jetzt will man daraus ein Webradio-Channel machen. Dafür braucht es u.a. ein Marktgutachten. Das neue Angebot soll zum "Webchannel ARD-Schlagerwelt" werden. Das wird eine gemeinsame Veranstaltung mit anderen ARD-Anstalten.
Nachfrage aus dem Gremium: Wie viel Geld steht dann im Raum für das Gutachten? Und wer finanziert das? Es gebe ja inzwischen wohl eine regelrechte Gutachter-Industrie. Antwort: Das Gutachten wird vom MDR-Rundfunkrat finanziert, der bei dem Verfahren ja die Federführung hat. Die Gutachterkosten sollen sich im sechsstelligen Bereich bewegen (Transparenzhinweis: Ich habe auch schon mal als Mitarbeiter an Dreistufentest-Gutachten mitgewirkt).
Zurück zur alten Tagesordnung, es folgen die Berichte aus den Landesgruppen und den Ausschüssen. Ich gebe davon hier nichts wieder, nur soviel: In den Programmausschüssen waren u.a. Programmkritik und -beschwerden ein Thema, davon wird hier gerade einiges wiedergeben.
Ein Nachtrag zum Thema Einsparungen und KEF-Bericht, ich hatte das vorhin nicht so richtig mitbekommen – das ist jetzt gerade mit dem Bericht aus dem Verwaltungsrat deutlich geworden: Dass die KEF einen Beitrag ab 2027 von 18,64 Euro empfiehlt, lässt die Vermutung zu, dass die Länder auch diesen Beitrag auch ab 2026 festlegen. Zum Zeitraum ab 2026 gilt aber eigentlich die ursprüngliche Empfehlung von 18,94 Euro. Die haben aber die Länder bislang nicht beschlossen, dagegen haben die ÖRR-Anstalten beim Bundesverfassungsgericht Beschwerde eingelegt.
Daraus ergibt sich, was ich oben geschrieben habe: Nach Schätzungen des Senders dürfte ein Beitrag von 18,64 Euro für den MDR weitere Einsparungen in Höhe von 30 Mio. Euro bedeuten. Kommt auch die Erhöhung für 2026 nicht, kommen weitere 30 Mio. Euro Einsparungen hinzu.
Bericht des Redaktionsrats
Wir sind jetzt beim Tagesordnungspunkt 12: Der Bericht des MDR-Redaktionsrats, vorgetragen von den beiden Sprecher*innen. Im Redaktionsrat sind insgesamt 17 gewählte Mitarbeiter*innen. Es gibt offenkundig einen schriftlichen Bericht, der den Rundfunkratsmitgliedern vorliegt. Hauptkonfliktfeld, zu dem der Redaktionsrat arbeitet, sind meist Autor*innenrechte – wenn also Änderungen ohne Begründung vorgenommen oder Material ohne Vergütung verwendet werden.
Es gab auch einzelne Fälle von Vorframing, heißt es gerade, bei denen sich die Autor*innen dann an den Redaktionsrat wenden können. Der Redaktionsrat war aber auch bei wichtigen Personalentscheidungen involviert und begleitet die Zusammenlegung der beiden Programmdirektionen und die Umsetzung der Sparmaßnahmen aufmerksam.
Der Redaktionsrat berichtet gerade, wie so die Wirkung ist, wenn die "Basis" in Entscheidungsprozesse zumindest gehört werde. Es gehe eben nicht darum, basisdemokratische Prozesse einzuführen – aber es sei wichtig und wirksam, diejenigen, die es am Ende umsetzen müssten, bei Entscheidungen einzubeziehen.
Die beiden Vertreter*innen erzählen auch, dass sie das Gespräch mit Staatskanzleien und auch Kritker*innen aus der Politik gesucht hätten, um zum Beispiel darüber zu diskutieren, ob alle Journalist*innen wirklich links seien; dort sind sie aber eher auf taube Ohren gestoßen. Sprich: Die Kritik wird gern geübt, die Diskussion dazu dann aber gemieden.
Wir sind jetzt beim vorletzten Tagesordnungspunkt, dem Bericht zum Kinderhörspiel- und Kinder-Online-Preis 2026. Der ist gestern im Rahmen der Buchmesse verliehen worden, hier geht es zur Pressemitteilung.
So, das war's für heute, die nächste Sitzung ist für den 11.5.2026 geplant! Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!


März 25, 2026
Wollte mal danke sagen für die Berichte von den Sitzungen des Rundfunkrates. So bekommt man mal ein paar schöne Einblicke. Als Unterstützer des "Medienhölle" Podcasts habe ich natürlich die Folge mit Ihnen gehört.
viele Grüße, Uli
März 25, 2026
Herzlichen Dank!