Hat Alexander Prinz aka "Der dunkle Parabelritter" (hier bei YouTube) keine Lust mehr auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk?
In der Sitzung des MDR-Rundfunkrat am vergangenen Montag stellte ein Rundfunkratsmitglied die Frage, warum der Vertrag von Prinz mit funk beendet worden sei (vgl. FLURFUNK vom 23.3.2026: "Bericht von der 233. Sitzung des MDR-Rundfunkrat"). Schon vorher war bekannt, dass Prinz Zielgruppe zu alt für funk sei.
Hinzu kommt: Nach verschiedenen Äußerungen von Prinz in der Öffentlichkeit hätte man den Eindruck gewinnen können, dass die Zusammenarbeit mit funk aufwendig und anstrengend war.
In der Sitzung am Montag kam von den Programmverantwortlichen der Hinweis, dass es mit Prinz im öffentlich-rechtlichen Kosmos weitergehen werde – mehr wurde allerdings noch nicht verraten. Eine gute Gelegenheit, mal nachzufragen.
"Ich würde mich jedes Mal wieder für die Zusammenarbeit entscheiden"
FLURFUNK: Was waren die Gründe für das Ende der Zusammenarbeit mit funk?

Alexander Prinz aka "Der dunkle Parabelritter" (Foto: @ronnygoetter, Bearbeitung: Alexander Prinz)
Alexander Prinz: Es gibt einen ganz einfachen Grund: Teile meines Publikums sind schlicht zu alt geworden. Der Auftrag von funk ist, 14- bis 29-Jährige zu erreichen. Wenn, wie das bei mir der Fall ist, eine treue Anhängerschaft gemeinsam wächst und älter wird, dann fällt man quasi irgendwann automatisch aus dem funk-Raster. Das war allen Beteiligten immer klar. Deswegen ist der Vertrag einfach zum 1. März ausgelaufen und wurde nicht verlängert, was allen Seiten auch schon länger bewusst war.
FLURFUNK: Stimmt der Eindruck, die Arbeit mit der funk-Redaktion sei kräftezehrend gewesen – etwa, durch hohen Fact-Checking-Aufwand oder bürokratische Hürden?
Alexander Prinz: Ein kurzer Einwurf an dieser Stelle: Das operative Day-to-Day-Business lief über den MDR. Wir waren bei der Redaktion "Kultur und Jugend" in Halle angegliedert und hatten dort unsere direkten Ansprechpartner, die uns im Auftrag von funk betreut haben. Die persönliche Zusammenarbeit fand ich immer super. Das habe ich auch in meinem Austritts-Video betont. Da arbeitet ein kreatives, junges und sehr engagiertes Team, das richtig viel Lust auf junge, öffentlich-rechtliche Formate hat.
Vermutlich habe ich selbst aber ein wenig unterschätzt, was es heißt, für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu arbeiten. Ich habe vorher mehr als ein Jahrzehnt lang alleine als YouTuber gearbeitet. Ich bin kein gelernter Journalist, aber habe Deutsch auf Lehramt studiert. Hätte ich journalistische Standards nicht im Vorfeld erfüllt, wäre es ja nie zu dieser Zusammenarbeit gekommen. Was ich ohne Kenntnis des ÖRR-Systems nicht abschätzen konnte, war, wie viel Aufwand die Protokollierung für Dritte mit sich bringen würde. Am Aufwand der reinen journalistischen Arbeit hat sich nichts geändert. Ein Skript mit Durchschnittlich 5.500 Wörtern und einer sehr, sehr hohen Faktendichte – das ist eine Menge Holz, die wir da jede Woche hacken mussten und das war für alle mehr Aufwand als im Vorfeld klar war.
FLURFUNK: Bist du froh oder enttäuscht über das Ende?
Alexander Prinz: Ich bin enttäuscht, dass es für ein so erfolgreiches Format keinen logischen nächsten Schritt innerhalb des ÖRR zu geben scheint, auch wenn wir, alle inhaltlichen Ziele und KPIs erreicht haben. Ich würde mich jedes Mal wieder für die Zusammenarbeit entscheiden, weil ich in der Zeit sehr viel gelernt habe. Und ich möchte auch gerne weiter im öffentlich-rechtlichen Kosmos aktiv sein. Wie es weitergeht, ist noch nicht abschließend geklärt. Ich glaube aber, da liegen spannende Projekte auf dem Tisch, die man gemeinsam auch wieder zu einem Erfolg werden lassen kann.
FLURFUNK: In der Rundfunkratssitzung hieß es, deine Zusammenarbeit mit dem Öffentlich-Rechtlichen gehe weiter. Stimmt das? Was ist geplant?
Alexander Prinz: Das wäre auf jeden Fall sehr wünschenswert. In den letzten Monaten sind gemeinsame Projekte entwickelt worden und alle Beteiligten wissen, wie viel auch ich schon an Herzblut und Aufwand hineingesteckt habe, weil ich denke, dass diese Projekte sehr gut ankommen werden. Verträge sind dazu aber leider noch keine unterschrieben.
FLURFUNK: Kannst du noch mehr verraten? Wann geht es los? Wie oft? Was genau?
Alexander Prinz: Glaub mir, es brennt mir total unter den Nägeln, schon mehr zu erzählen, aber solange nichts unterschrieben ist, geht das leider nicht. Ich habe jedenfalls große Lust, weiter mit der ARD, dem MDR und funk zusammenzuarbeiten. Vielleicht habe ich das in meinem funk-Austrittsvideo nicht gut genug betont: Ich stehe voll hinter dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, auch wenn ich manche Aspekte, wie die Komplexität und die vergleichsweise geringeren Budgets für junge Angebote, kritisch sehe. Dass ich öfter mal gegen den ÖRR austeile, liegt daran, dass er mir nicht egal ist. Ganz im Gegenteil: Ich finde, er ist ein elementarer Bestandteil unserer Demokratie und wird jetzt noch mehr gebraucht, denn je.
FLURFUNK: Was würdest du jungen Content-Creatoren, die bei funk anheuern wollen, raten?
Alexander Prinz: Überlegt euch genau, was das für euer Format bedeutet und ob ihr dafür schon bereit seid. Es ist eben etwas anderes, ob man alleine in der stillen Kammer ein Skript für ein YouTube- oder TikTok-Video schreibt, das dann selbst schneidet und selbst auf eine Plattform hochlädt. ÖRR heißt auch: Verwaltung, Redaktionskonferenzen, Abnahme, Formalia, technische Notwendigkeiten, Personalverantwortung. Man muss umdenken, vom Medienschaffenden zum Medienunternehmer. Gleichzeitig bietet der ÖRR aber auch finanzielle Sicherheit, die ich als Influencer, vor allem am Anfang meines Weges, nicht hatte. So konnte ich mir ein Team aufbauen, mittelfristige Projekte angehen und auch mal Sonderformate machen. Zur Bundestagswahl 2025 haben wir zum Beispiel mit "to be done" ein Video gemacht, das mir sehr am Herzen lag. Wir haben in ganz Deutschland junge Menschen befragt, was sie sich von der Politik wünschen und haben dann hochrangige Politiker der großen Parteien damit konfrontiert. Von der Idee, über den Vertrag bis hin zur Umsetzung sind nur wenige Wochen vergangen. Das ging nur, weil alle an einem Strang gezogen und einige Nachtschichten in Kauf genommen haben. Ohne den MDR und funk wäre das nicht möglich gewesen. Da habe ich erlebt, welche Kraft im ÖRR steckt. Wer die Chance hat, das zu nutzen, sollte das unbedingt machen.
FLURFUNK: Vielen Dank für das Interview!

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