ECPMF: Zahl der Angriffe auf Journalisten zurückgegangen

Die Zahl physischer Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten in Deutschland ist 2025 im Vergleich zu 2024 zurückgegangen, bleibt aber deutlich über dem Niveau der Jahre vor der Corona-Pandemie. Das zeigt eine aktuelle Studie des European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF).

Demnach wurden im Jahr 2025 insgesamt 34 Fälle verifiziert. Nach dem Höchststand von 98 Angriffen im Jahr 2024 liegt die Zahl damit erstmals wieder unter dem Niveau der Pandemie-Jahre (s. Grafik oben). Der Rückgang könnte allerdings auch mit der veränderten Methodik der Plattform Mapping Media Freedom zusammenhängen, die seit 2024 die Datengrundlage darstellt.

Die Zahl für 2025 liegt immer noch doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Jahre vor 2020, als rund 17 Angriffe pro Jahr registriert wurden. Insgesamt dokumentierte Mapping Media Freedom 127 Fälle von Verletzungen der Pressefreiheit, hinzu kommen mehr als 100 nicht abschließend verifizierte Vorfälle.

Der Journalist als "Feind"

Die Langzeitbetrachtung von 2015 bis 2025 zeigt klare Muster: Physische Angriffe treten bundesweit auf, konzentrieren sich jedoch auf bestimmte Regionen und vor allem auf Demonstrationen.

„Innerhalb dieses Kontexts sehen wir eine klare Kontinuität rechter Gewalt. Sie speist sich aus einem ideologisch antagonistischen und zugleich strategisch-instrumentellen Verhältnis zur freien Presse und zeigt sich über Jahre hinweg in stabilen Akteurskonstellationen und wiederkehrenden Mobilisierungszusammenhängen“, sagt Patrick Peltz, Leiter der Studie, in der Mitteilung auf ecpmf.eu.

Gleichzeitig gewinnen seit 2020 heterogene Protestmilieus als Gewaltkontext an Bedeutung. Medienfeindliche Einstellungen sind damit nicht mehr eindeutig einzelnen politischen Lagern zuzuordnen, sondern offenbar über die Lager hinweg anschlussfähig.

Freie besonders betroffen

Die Studie beschreibt wiederkehrende Formen der Gewalt: Feindmarkierungen, körperliche Angriffe und Beschädigung von Equipment. Besonders betroffen sind freie Journalistinnen und Journalisten. Sie sind oft schlechter abgesichert und tragen die Folgen von Angriffen allein, was die Situation existenzbedrohlich machen kann.

Auch jenseits physischer Gewalt zeigt sich eine wachsende Belastung. Eine gemeinsame Untersuchung des ECPMF mit der Universität Bielefeld belegt, dass Anfeindungen für viele Medienschaffende zum Berufsalltag gehören – online wie offline.

Diese Erfahrungen wirken sich auf die Arbeit aus, etwa durch Themenverzicht oder Anpassungen in der Berichterstattung. Gleichzeitig berichten viele von wachsendem Zeitdruck, wirtschaftlichem Druck und unsicheren Perspektiven.

Cyberangriffe als neue Bedrohung

Zunehmend in den Fokus rücken Cyberangriffe auf Medien. Sie können Inhalte blockieren, Daten kompromittieren und journalistische Arbeitsprozesse stören. Ein erheblicher Teil solcher Angriffe bleibt jedoch unsichtbar, weil Medienhäuser Vorfälle aus Sorge vor Reputationsschäden nicht öffentlich machen, so Co-Autor Jan Möllers.

Kritisch bewertet die Studie zudem die geplante Umsetzung der EU-Anti-SLAPP-Richtlinie in Deutschland. Zwar werde das Problem missbräuchlicher Klagen erstmals aufgegriffen, zentrale Schutzlücken blieben jedoch bestehen – insbesondere bei innerstaatlichen Verfahren und strukturellen Fragen wie der Abmahnpraxis.

Eine Zusammenfassung der Studie ist auf der Seite ecpmf.eu zu finden, die komplette Studie kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Studie zum 1o. Mal

Die aktuelle Studie ist die 10. ihrer Art – die erste Erfassung von Angriffen auf Journalistinnen und Journalisten ist übrigens erstmals 2015 in unserem gedruckten Magazin FUNKTURM erschienen. Autor war damals Andi Szabo (vgl. FLURFUNK vom 17.12.2015(.

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