
Schönen guten Tag zu einem weiteren Live-Ticker aus dem MDR-Rundfunkrat. Ich habe mich erneut auf den Weg nach Leipzig gemacht, um dem öffentlichen Teil der MDR-Rundfunkratsitzug beizuwohnen.
Wie das Leben manchmal so spielt: Unterwegs haben mich einige Informationen zum geplanten Sparprogramm erreicht, die ich gleich mal zu einer eigenen Meldung verarbeitet habe: "Sparprogramm beim MDR: 'Tatort' und 'Polizeiruf' setzen drei Jahre aus" (FLURFUNK vom 11.5.2026).
Gremium heute nicht beschlussfähig
Wie gehabt: Ich tickere hier mit, was ich wichtig finde. Sollten Ungenauigkeiten und Fehler auftauchen, freue ich mich über Hinweise – ich korrigiere dann nachträglich und nachvollziehbar. Ein Hinweis in eigener Sache: Wer das gut findet, darf gern seine Wertschätzung gern hier zeigen.
Die Tagesordnung zur heutigen Sitzung findet sich hier.
Das Protokoll der vorangegangenen Sitzung ist hier zu finden: "Wesentliche Ergebnisse aus der Sitzung am 23. März 2026", die Anwesenheitsliste ist hier zu finden.
Die Sitzung läuft übrigens schon eine Weile. Es gab zunächst einen nicht-öffentlichen Teil. Darin ging es um einen Drei-Stufen-Test zum Telemedienkonzept "Webchannel ARD Schlagerwelt" (Transparenzhinweis: Ich bin an dem Angebot von Prof. Dr. Lutz Hagen zur Gutachtenerstellung beteiligt). Das Telemedienkonzept ist hier zu finden, Stellungnahmen können hier abgegeben werden.
Außerdem ging es um die Genehmigung zur Herstellung der Auftragsproduktion "Tatort Dresden: Killswitch (AT)" sowie den Sport im MDR.
Allerdings ist im nicht-öffentlichen Teil kein Beschluss gefasst worden, aus einem schlichten Grund: Der MDR-Rundfunkrat ist heute nicht beschlussfähig, es fehlen 17 Rundfunkrats-Mitglieder. Die Beschlüsse sollen deswegen im Umlaufverfahren (in den nächsten 14 Tagen) erfolgen.
Hauptabteilungen werden reduziert
Der öffentliche Teil der Sitzung ist eröffnet, der Vorsitzende Kai Ostermann erklärt gerade, dass es krankheitsbedingt eine Reihe von Absagen gab, was die Beschlussfähigkeit bedingt.
Wir sind inzwischen beim Bericht des Intendanten, Top 7.
Stand bei der Verfassungsbeschwerde: Aus Karlsruhe gibt es bislang keine Rückmeldung, beide Seiten hatten Stellungnahmen abgeben können - jetzt wartet man auf das Gericht.
Jetzt spricht Intendant Ralf Ludwig über die "Einspar-Agenda" des MDR – dazu sei man schon seit geraumer Zeit "gut" auf dem Weg. Der MDR muss allerdings zu den ursprünglich zu sparenden 160 Mio. weitere 30 Mio. Euro zusätzlich einsparen - das liegt an der erneuten Empfehlung der KEF den Beitrag ab 1.1.2027, den Beitrag nur auf 18,64 Euro anzuheben.
Der Intendant war in der Enquete-Kommission zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Sachsen-Anhalt zu Gast. Er erwartet zeitnah den Bericht des Kommission; außerdem will sich die CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt heute zu ihrer künftigen Vision des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vorstellen. Positiv sieht er die Verfassungsänderung in Sachsen-Anhalt, die die Kündigung der Rundfunkstaatsverträge erschwert.
Eine Info zum Stand bei der Zusammenführung der Programmdirektionen Halle und Leipzig: die Hauptabteilungen werden von 10 auf 5 reduziert, damit fallen 5 AT-Stellen weg.
Der Leipziger Appell hat weitere Unterstützer gewonnen.
Einschnitte im Programm
Jetzt wird es spannend: Die MDR-Geschäftsleitung hat im Rahmen einer Klausurtagung über das künftige Portfolio diskutiert – auch vor dem Hintergrund der weiteren, notwendigen Einsparungen. Die Beschlüsse dazu sind zum Teil schon durchgesickert (s. unter anderem unsere FLURFUNK-Meldung zum Sparprogramm von heute früh, es ging aber schon am Freitag los).
Ralf Ludwig referiert jetzt zu den Rahmenbedingungen: Weiterhin dynamische Entwicklung in der Mediennutzung, Veränderung im Vertrauen und der Verankerung in der Bevölkerung und eben die größer werdende Finanzierungslücke sind die wesentlichen Punkte. Außerdem hat der Reformstaatsvertrag einige Rahmenbedingungen vorgegeben, die umgesetzt werden müssen.
Nun kommt er zu einer Folie mit Ableitungen, die man gezogen hat. Die Folie ist überschrieben mit: "Unsere Antwort: Publizistisches Profil des MDR". Da sind ein paar Punkte aufgeführt, die ich hier gekürzt wiedergebe:
- Das regionale ist die DNA des MDR
- Qualität vor Quantität
- Neue Formate werden grundsätzlich Streaming-first entwickelt
- Priorität haben Information, Bildung, Beratung und Kultur
- Stärkung der Angebote für derzeit weniger erreichte Zielgruppen (unter 50)
- Konsequente Verfolgung der Dachmarkenstrategie: alles muss auf den MDR einzahlen
Ludwig weist gerade selbst darauf hin: Im vierten Punkt ist "Unterhaltung" nicht aufgeführt. Die gehöre aber weiterhin dazu, sagt er, stehe aber nicht im Fokus der Strategie.
Nun übernimmt Boris Lochthofen, seit 1.4.2026 Direktor der zusammengelegten Programmdirektion Halle und Leipzig, um das Thema zu vertiefen. Er referiert gerade, dass die Budget-Lücken nicht mehr nur mit Optimierungen in den einzelnen Etats zu schließen gewesen wären. Vielmehr habe man sich entschieden, klare Prioritäten zu setzen und zu schauen, was man sich noch leisten könne.
Sputnik ohne UKW
Er nennt als konkrete Maßnahmen, die er auch erläutert:
- Das Mittagsmagazin wird wieder abgegeben (s. oben).
- MDR um 2 wird in der bisherigen Form nicht fortgeführt. Das Magazin ist in Sachsen-Anhalt erstellt worden und hat immer das Tagesprogramm eröffnet. Das Budget soll allerdings in Sachsen-Anhalt bleiben, dafür soll ein neues Streaming-Nachrichtenformat mit regionalem Bezug entwickelt werden.
- Man pausiert drei Jahre bei der Neuproduktion von Tatort und Polizeiruf 110.
- MDR Sputnik wird von UKW runtergenommen; das Programm bleibt bei DAB+ und im Netz.
Es gibt eine weitere Folie zum Thema mit weiteren Informationen: Daraus geht u.a. hervor, dass die Landesfunkhäuser und die regionale Berichterstattung gestärkt werden sollen.
Stichwort: Tatort: Da sind noch Produktionsaufträge offen, die etwas gestreckt werden können – die Pause soll dann erst später kommen. Auch der heute früh im nicht-öffentlichen Teil diskutierte Tatort dürfte also noch produziert werden. Andererseits soll der Mittwochsfilm regionaler werden.
Weitere Maßnahmen, ich hatte es schon gemeldet, sind die Reduzierung der Social-Media-Aktivitäten um 30 Prozent und Podcasts mit weniger als 6.000 Hörern im Monat werden nicht mehr budgetiert (könnten aber aus den regulären Etats der Redaktionen weiter produziert zu werden).
Streaming-first als Leitbild
"Streaming-first" ist eine weitere, zentrale strategische Ableitung, die Lochthofen gerade vorstellt. Als Beispiel nennt er "tierisch, tierisch". Ferner gibt es eine Reihe von Prüfaufträgen, etwa zur Stärkung des regionalen Bezugs im Dokumentationen-Portfolio oder zur crossmedialen Zusammenarbeit der Programmdirektion und der Landesfunkhäuser bei der Wettervorhersage.
Lochthofen erklärt gerade sein übergeordnetes Ziel: Nämlich vor die Welle zu kommen, statt flächendeckend überall zu sparen und immer knapp zu sein. Dies betreffe perspektivisch auch die mögliche Entwicklung, wenn wieder mal über Monate Beitragseinnahmen fehlen sollten.
Lochthofen ist fertig mit seiner Erklärung, der Intendant hat gerade noch mal den weiteren Verlauf skizziert, wie die Maßnahmen jetzt umgesetzt werden sollen. Es sind jetzt Fragen möglich - der Vorsitzende Kai Ostermann hat gerade noch mal eine kleine Erklärung abgegeben, welche Verantwortung der Rundfunkrat hat und dass man ganz am Anfang des Prozesses sei. Er lobt, dass der Intendant den Rundfunkrat so frühzeitig mit ins Boot holt.
Die erste Nachfrage geht zum Mittagsmagazin: Was wird aus dem extra neu eingerichteten Studio?
Planen mit der Beitragserhöhung?
Ein Rundfunkrat weist daraufhin, dass die Beitragserhöhung vermutlich nicht mehr dieses Jahr kommt – was an Wahlen und sich neu konstituierenden Regierungen zusammenhängt. Er empfiehlt, nicht mit einer weiteren Erhöhung zum nächsten 1.1. zu planen.
Und natürlich werden regionale Interessen signalisiert: Der Wegfall von Polizeiruf-Produktionen trifft den Standort Sachsen-Anhalt, entsprechend dazu gibt es eine Nachfrage eines Rundfunkrats aus Sachsen-Anhalt.
Aus der Antwort des Intendanten wird gerade deutlich: Es gibt noch keinen konkreten Termin zur Übergabe des Mittagsmagazin.
Ludwig verweist außerdem darauf, dass er sich immer an Recht und Gesetz gehalten habe und für ihn die Beitragserhöhung zum 1.1.2027 gesetzt sei – es sei denn, Karlsruhe entscheide anders.
Lochthofen antwortet ebenfalls: Priorität für ihn habe Klarheit für das Haus – "alles tut weh", sagt er gerade.
Ich dokumentiere hier nicht alle Nachfragen, es gibt eine ganze Reihe von Wortmeldungen.
Ludwig sagt gerade: "Wenn ich nur den Hauch einer Chance gehabt hätte, das MiMa weiterzumachen - ich hätte es gemacht." Und er wiederholt: Grund für die Einsparungen sei die Tatsache, dass die Beitragserhöhung nicht gekommen ist.
Ich stelle fest: Es sind Tatort-Fans im Rundfunkrat.
Rundfunkrat diskutiert Sparmaßnahmen
Es gibt die Warnung, dass der MDR nicht wieder in die Provinzialität abrutschen dürfe. Gefragt wird außerdem, welche Summen die Sparmaßnahmen konkret bringen. Außerdem verweist ein Rundfunkrat darauf, dass nicht nur im Programm, sondern auch in den anderen Direktionen ("im Betrieb") gespart werden soll.
Lochthofen hat sich noch mal zu Wort gemeldet: "Das Wort 'Provinzialität' fuchst mich doch". Er sagt, dass an einer Pause von drei Jahren bei Tatort-Produktionen nicht gleich die Gefahr hänge, provinziell zu werden. Hier habe er auch eine Erwartung an die Gremien, sagt er. "Uns sollte sehr bewusst sein, dass nicht aus einem Magazin am Mittag (...) unsere Bedeutung für die ARD abgeleitet wird" (sinngemäß zitiert). Er verteidigt gerade durchaus leidenschaftlich die Relevanz des übrigen Programms.
Hier kommt gerade auch der Hinweis: Einige Angebote seien sicherlich auch deswegen bei jungen Zielgruppen gut angekommen, weil nicht als erstes die Verbindung mit dem MDR herzustellen gewesen sein. Das spielt auf das strategische Ziel an, dass die Inhalte konsequent auf die Dachmarke einzahlen sollen.
Eben kam eine offizielle Mitteilung des MDR zum Sparprogramm - ich habe meine Meldung zum Thema gerade um den kompletten Wortlaut ergänzt (hier im FLURFUNK).
Oha, ein Rundfunkrat merkt gerade an, dass man angesichts der Länge der Diskussion die Berichte aus den Ausschüssen und Landesgruppen auch auf der schriftlichen Ebene belassen könnte. Er fragt nach dem Personal, das betroffen ist.
Lochthofen antwortet: Die genaue Zahlen ermitteln wir noch. Wir gehen von einer mittleren einstelligen Zahl der Festen aus, die betroffen sind. Die Zahl der Freien stehe noch nicht genau fest. Er wolle keine falschen Zahlen in die Öffentlichkeit bringen, aber hier bewege sich die Zahl im hohen zweistelligen Bereich. Für die Betroffenen bedeute das aber nicht zwingend, dass diese künftig keine Beschäftigung im MDR mehr haben würden.
MDR erhöht Anteil an Saxonia
Die Diskussion ist beendet – der Vorsitzende schlägt gerade vor, die Tagesordnung umzustellen. Top 9, dann Top 12, dann weiter mit Top 8.
Es folgt der Bericht aus dem Verwaltungsrat. Einer der Beschlüsse: Der MDR erhöht seinen Anteil an der Saxonia Media auf 51 Prozent und also die kaufmännische Führung von der Bavaria (die behält 49 Prozent). Außerdem gibt es eine positive Entscheidung zur Anmietung des Domizils des MDR-Klangkörpers am Augustusplatz in Leipzig.
Es folgt der "Bericht über die MDR-Beteiligungen und Gremienvertretung – Bericht zur MDR Media GmbH im Geschäftsjahr 2025" (Top 12). Auf die Berichte aus den Funkhäusern und Ausschüssen gehe ich hier jetzt nicht weiter ein.
Gerade war jemand so freundlich, das Fenster zu öffnen und Frischluft einzulassen. An der Stelle mal den Respekt für das "Sitzfleisch", was die Gremienmitglieder hier so aufbringen. Vergnügungssteuerpflichtig ist die Gremienarbeit heute nicht (und die Dokumentation auch nicht).



Mai 11, 2026
Es laufen ja jetzt schon Wiederholungen der Wiederholungen und viele Sendungen wurden eingestellt. Auch müssen überall 2..3 Moderatoren sein. Auch der Wetterbericht kann wie beim Bayerischen Fernsehen ins Bild eingesprochen werden und dann kann man sich den Moderator sparen