Bericht von der 235. Sitzung des MDR-Rundfunkrat

Hallo und herzlich Willkommen zu einer neuen Runde MDR-Rundfunkrat. Heute tagt das Gremium mal wieder  und ich bin in Leipzig vor Ort.

Die Tagesordnung ist hier zu finden.

Eigentlich sollte die Sitzung heute um 10 Uhr mit dem nicht-öffentlichen Teil beginnen; allerdings fehlen noch einige Mitglieder aus Thüringen, die sich auf die Deutsche Bahn verlassen haben. Die sind noch nicht da und also ist es auch noch nicht losgegangen.

D.h, der öffentliche Teil, ab dem ich dann hier live mittickern kann, beginnt frühestens (!) um 11.30 Uhr (Schätzung).

Vorteil für mich: Da kann ich diese Zeilen hier noch schreiben, während ich noch nicht drin bin. Mein Zug hatte übrigens auch 30 Minuten Verspätung, sonst hätte ich das da gemacht -  aber aus mir unerfindlichen Gründen habe ich einen früher genommen... und im Gang gesessen (und nichts geschrieben).

Zustimmung zum juristischen Direktor

Auf der Tagesordnung im nicht-öffentlichen Teil steht im übrigen als erstes die Wiederwahl - Moment: Zustimmung ist das richtige Wort!– des Direktors der juristischen Direktion. Der Intendant Ralf Ludwig hat erneut Jens-Ole Schröder vorgeschlagen. Wichtig: Der Rundfunkrat wählt nicht - er stimmt nur zu (oder auch nicht, was durchaus auch schon mal vorgekommen ist).

Die Wieder-Zustimmung zu Schröder steht aber nach meiner Kenntnis nicht in Frage. Für Schröder wird es die dritte und vermutlich (altersbedingt) auch letzte Amtsperiode.

Als zweiter und dritter Tagesordnungspunkt im nicht-öffentlichen Teil steht außerdem die Zustimmung zur Produktion von zwei weiteren 110-Polizeirufen in Magdeburg an; auch diese dürften problemlos durchgehen, sind sie doch langfristig eingestielt und nicht Teil des Sparprogramms.

Apropos Bahn und Verspätung: Wer mich bei den Reisekosten oder dem Kaffee unterwegs unterstützen mag – ich freu mich über jede Zuwendung. Da sind übrigens schon kleine Beträge durchaus hilfreich und überaus motivierend!

Hier steht, wie es geht!

Jens-Ole Schröder bleibt juristischer Direktor

So, die Sitzung läuft bereits ein Weilchen, gerade gab es im Raum deutlichen Applaus - ich gehe mal davon aus, dass Jens-Ole Schröder die notwendige Zustimmung erhalten hat.

Und Zack, schon sind wir im Raum, der Vorsitzende Kai Ostermann hat eröffnet gerade den öffentlichen Teil. Er bestätigt: Schröder ist für eine weitere Dienstzeit berufen. Auch die Polizeirufe haben die Zustimmung erhalten.

Die Tagesordnung wird gerade umgestellt: Die wichtigen Punkte 11 und 12 sollen nach vorne. Es geht um die Beschlussfähigkeit; einzelne Mitglieder haben angekündigt, früher gehen zu müssen.

Jahresabschluss 2025: Fehlbetrag von 13,2 Mio. Euro

Wir sind jetzt bei Top 11, der Genehmigung des Jahresabschlusses des MDR zum 31.12.2025 und Kenntnisnahme des Geschäftsberichtes 2025. Die Verwaltungsdirektorin Ivonne Bloche referiert.

Sie sagt (Hinweis: ich höre hier zu, falsche Zahlen korrigiere ich gern auf Hinweise): Der MDR schließt das Jahr 2025 mit einem Fehlbetrag von 13,2 Mio ab. Das betrifft den MDR und die vom MDR federführend geführten GSA.

Das ist eine deutliche Verminderung zum Vorjahr. Bloche erklärt das deutlich bessere Ergebnis mit mehreren Effekten: Einmal war es ein Nicht-Sportjahr, die sind immer günstiger. Außerdem greifen die Sparbemühungen. Die fehlende Beitragserhöhung konnte u.a. auch durch knapp 10 Mio. höhere Erträge abgefedert werden, die so nicht geplant waren. Gespart wurde vor allem im Bereich Programm (rund 4 Mio. Euro) und Personal (6 Mio.).

Der Bericht ist vorher schon in den Ausschüssen und im Verwaltungsrat diskutiert worden, deswegen gibt es jetzt keine Wortmeldungen. Jahresabschluss und Geschäftsbericht sind gerade einstimmig genehmigt bzw. zur Kenntnis genommen worden.

Mittelfristige Finanzplanung

So, jetzt sind wir schon bei der mittelfristigen Finanzplanung 2027 bis 2032 und die Eckwerte des Wirtschaftsplanes 2027 des MDR. Bloche stellt das Thema wieder vor.

Sie berichtet: Für Ende 2028 plant der MDR mit einem ausgeglichenen Ergebnis (0,8 Mio. Euro in der Rücklage). Der MDR plant mit den 18,64 Euro Beitrag aus dem 25. KEF-Bericht und der Fortsetzung der eigenen Sparbemühungen. Die Landesfunkhäuser sollen ab Ende 2027 von bestimmten Einsparungen ausgenommen werden, um u.a. auch so das Regionale zu stärken, so Bloche. Der Einstellungsstopp soll fortgesetzt, aber verändert werden - er wird langfristig etwas angepasst, muss aber fortgesetzt werden.

Das im Moment noch vorhandene Defizit für die Periode von 2025-2028 in Höhe von rund 21 Mio. wird wohl durch Einsparungen ausgeglichen werden müssen. Für 2027 wirft die Planung im Moment abzüglich des Verlustvortrags noch einen kleinen rechnerischen Überschuss vor, genauso für das Jahr 2028. Und für den Zeitraum 2029 bis 2032 sehen die Planungen aktuell noch eine Deckungslücke im niedrigen Millionen-Bereich vor. Hier geht sie davon aus, dass sich die Lücke durch fortgesetzte Maßnahmen bis dahin noch schließen lässt - es handelt sich schließlich um eine mittelfristige Finanzplanung.

Spannend: Gerade gab es noch eine Nachfrage und die Verwaltungsdirektorin hat erläutert, dass sie in der Planung mit Beitragserhöhung für 2027/28 und in der Folge aber ohne weitere Erhöhung gerechnet hat (nachträglich korrigiert, danke für den Hinweis, owy). Oha.

(Nachtrag: Ich höre, das ist so üblich, erstmal ohne Erhöhung zu rechnen, solange es dazu keine Empfehlung gibt.)

Die Finanzplanung ist zur Kenntnis genommen (nicht ganz einstimmig, wenn ich es richtig mitbekommen habe).

Verdienstorden für Birgit Diezel

Wir sind bei den Berichten aus den Ausschüssen beim Bericht des Vorsitzenden: Los geht es mit dem GVK-Telemedienausschuss, der sich getroffen hat: Es gibt wohl die Andeutung von der EU-Kommission, dass es beim 3-Stufen-Test perspektivisch "Vereinfachungen" geben könnte... das hat aber wohl erstmal nur Gerüchtestatus.

Die Mitglieder des Gremiums werden gerade auch noch mal erinnert, dass sie Vita abgeben und die eigene Selbstauskunft auf Aktualität kontrollieren müssen.

Der Vorsitzende gratuliert außerdem Birgit Diezel, langjähriges Mitglied des Verwaltungsrates, hat den Thüringer Verdienstorden bekommen.

Fusion der Direktionen Leipzig und Halle

Nun berichtet der Intendant Ralf Ludwig - es geht natürlich zuerst um das Thema Beschwerde beim Verfassungsbericht über die ausgebliebene Beitragserhöhung. Er berichtet gerade über die mündliche  Verhandlung, die in den vergangenen Tagen durch die Medien ging.

Wann das Urteil verkündet wird, ist derzeit noch offen - gewöhnlich erfolgt es spätestens drei Monate nach der mündlichen Verhandlung. Ludwig sagt, er geht davon aus, dass Ende September ein Urteil kommt.

Er spricht noch zu weiteren Themen, die ich hier nicht alle wiedergebe. Der Landtag Sachsen-Anhalt hat den Abschlussbericht seiner Enquete-Kommission zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks debattiert. Der Leipziger Appell hat weitere Unterstützer gewonnen.

Die Zusammenführung der Programmdirektionen Leipzig und Halle läuft, so Ludwig. Er sagt gerade, dass die Berichterstattung über den Prozess weiterhin an die Geschäftsleitung läuft, sich der neue Programmdirektor Boris Lochthofen aber intensiv in den Prozess einbringt. Ludwig geht davon aus, dass die Fusion Ende 2027 abgeschlossen werden kann. So richtig sichtbar wird das dann aber erst in der Wirtschaftsplanung 2028, so der Intendant.

Goldene Henne erneut im Ersten

Jetzt noch eine echte News: Die Goldene Henne findet am 4.9.2026 in Leipzig statt und wird erneut im Ersten (ARD) zu sehen sein. BR, NDR und RBB sind als neue Partner mit eingestiegen, die SUPERillu ist weiterhin mit an Bord. Dadurch kann der MDR seine Produktionskosten deutlich reduzieren. Ohne die neuen Partner wäre es wohl nicht mehr möglich gewesen, sagt Ludwig gerade.

(Ein kleiner Hinweis: Ich freu mich, wenn die ganzen Schlager-Titel und -Webseiten, die diese Info jetzt wie im Vorjahr aufgreifen, auch auf den FLURFUNK als Quelle verlinken. Das wäre herzallerliebst und sehr professionell!).

Zusammenarbeit mit dem Medienrat

Wir sind jetzt in der Nachfragerunde, auch hier gebe ich nicht alles wieder. Eine geht gerade in Richtung des neuen Medienrates, der jetzt in Weimar angesiedelt ist - wie wird da die Zusammenarbeit laufen?

Birgit Diezel berichtet, der GVK-Telemedienausschuss hatte Kontakt mit den beiden Gremienmitgliedern, die von seiner Seite entsandt worden sind. Ralf Ludwig berichtet gerade, dass eine Kontaktstelle im Generalsekretariat bzw. der Geschäftsstelle der ARD eingerichtet worden ist. Zu klären ist, welche Daten der Medienrat benötigt.

Der Medienrat hat den Auftrag zu prüfen, ob der öffentlich-rechtliche Rundfunk insgesamt seinen gesetzlichen Auftrag erfüllt. Er hat keine Aufsichtsaufgabe, sondern soll systematisch prüfen. Dafür soll er alle zwei Jahre einen Bericht erstellen und Empfehlungen aussprechen.

Eine weitere Nachfrage thematisiert den Abgang von Jana Cebulla, die bisherige Hauptredaktion Kultur und Jugend des MDR, die als Programmmanagerin zum RBB gewechselt ist (vgl. RBB-Online.de vom 14.4.2026).

Berichte aus den Landesgruppen und Ausschüsse

Auch hier gebe ich nur wieder, wenn mir etwas bemerkenswert erscheint.

Hinweis: Ich habe nach Hinweisen den Absatz zur Mittelfristigen Finanzplanung in Details korrigiert (es sind natürlich 18,64 Euro und nicht 67).

Uff, vor den Berichten sind die Fenster geschlossen worden, damit die Klima-Anlage ihren Job machen kann... allerdings scheint die gerade noch einen Moment zu brauchen... Will sagen: Es ist gerade sehr warm.

Mhm, das klingt mir nach noch einer News: Im Telemedienausschuss ist offenbar über eine (Ergänzung: TEIL-)Abschaltung des Teletextes diskutiert worden. Das Gremium muss da wohl nicht zustimmen, hat dazu aber offenbar eine Meinung, die nicht so begeistert von der Maßnahme ist. Ich frage mal nach Details (und habe gerade entsprechend ergänzt). Es geht um regionale Textseiten, die ab Mitte Juli abgeschaltet werden sollen.

Wir sind bei der Nachfragerunde: Ein RR-Mitglied will wissen, warum eine Beschwerde über das Altpapier in der Landesgruppe Thüringen behandelt worden sei, schließlich sei das Angebot doch für den gesamten MDR gedacht und nicht regional orientiert. Nun wird kurz über das Altpapier diskutiert...

Wenn mich jemand fragt: Man kann sich dem Eindruck nicht verwehren, dass die Kolumne beizeiten linke Tendenzen hat. Da geht es vor allem um einzelne Autoren. Aber echt: Das ist bei regelmäßiger Lektüre leicht zu durchschauen - es handelt sich schließlich um eine klar gekennzeichnete Meinungsäußeung. In meinen Augen steht die Rubrik dem ÖRR überaus gut zu Gesicht. Vor allem aber medienjournalistisch ist das, was die Kollegen da fabrizieren, wirklich wichtig für die gesamte Branche.

Barbara Ludwig neue Vorsitzende des Verwaltungsrats

Jetzt folgt der Bericht aus dem Verwaltungsrat - das Gremium hat jüngst Barbara Ludwig für die nächsten zwei Jahre zur Vorsitzenden gewählt (es berichteten u.. die evangelische-Zeitung.de am 15.6.2026: "Barbara Ludwig wird Vorsitzende des MDR-Verwaltungsrates").

Spannend für alle Dresdner (wie mich): Beim Ausbau der Königsbrücker Straße überlässt das Funkhaus in Sachsen kleinere Grundstücksteile der Stadt vorübergehend zur Nutzung. Ich bekomme gerade den Hinweis: Es geht nur um schmale Bürgersteig-Streifen vor dem Gebäude, da, wo immer die Autos parken.

Wir sind jetzt bei Top 10: Information zum Statusbericht 2025 zur Umsetzung des MDR-Enwicklungsplans 2022-2025. Der Intendant trägt gerade einige Zahlen vor: Nutzungszahlen im Internet, Einschaltquoten, Vertrauensmessungen... Ich gebe das hier nicht wieder, dazu kommt vielleicht ja auch eine Mitteilung. Zumal es offenbar eine Vorlage gibt und der Intendant gerade sehr knackig vorgetragen hat (es ist sehr warm).

Stammnutzerzahl ist gesunken

Es gibt Nachfragen: Ein Rundfunkrat fragt, warum die Zahl der Stammnutzer des MDR von 68 auf 58 Prozent abgesunken ist - das sei eine brisante Zahl. Er fragt, was die Strategie des MDR an dieser Stelle sei. Eine weitere Nachfrage: Warum es nicht gelungen sei, eine Steigerung der Abrufraten zu erreichen? Die Rundfunkrätin mahnt an, dass die zitierten Studien mit Quellenangaben oder Details zu den Erhebungen versehen werden.

Der Intendant antwortet: Das Thema mit den Zugriffszahlen hat der MDR nicht allein, so Ludwig. So richtig hat man auf diese Herausforderung aber auch noch keine Antwort. Er weist nur darauf hin, dass der Transformationsprozess von linearer (also im Radio und TV) zu analoger Verbreitung weiterhin schwierig sei - und es nicht sinnvoll sei, lineares Programm einfach abzuschalten. Die Details zu den Zahlenangaben werden gerade nachgereicht, sie sollen künftig auch im Bericht deutlicher gemacht werden.

Der RR-Vorsitzende Kai Ostermann regt gerade an: Die Strategie und der Entwicklungsplan sind aus seiner Sicht "die Herzstücke", die neben den Finanzen elementar für die Aufsicht sind. Er lädt die Gremienmitglieder dazu ein, diese Berichte genau im Blick zu behalten. Er wünscht sich noch eine Ergänzung: eine ausführlichere verdichtende Gesamtschau, was schon erreicht worden ist und was noch nicht. Dies könnte bei der Einordnung sehr helfen, so Ostermann.

Bericht des Rundfunkdatenschutzbeauftragten

Nun folgt noch Top 13, der Bericht des Rundfunkdatenschutzbeauftragten. Er betritt gerade den Raum, begleitet von dem Hinweis, dass er nicht nur der Beauftragte des MDR, sondern auch weiterer ÖRR-Anstalten ist. Der Mikrofon-Anlage ist es offenbar zu heiß (nachvollziehbar): Hier ist nur teilweise zu verstehen, was der Rundfunkdatenschutzbeauftragte da referiert.

(Ich will ja nicht böse sein - aber wenn jemand über die Überbürokratisierung in diesem Land schimpfen will - mir scheint, jetzt wäre eine gute Gelegenheit!)

Ich nenne mal eine Zahl: Es gab rund 500 Eingaben, davon 18 berechtigte – keine davon betraf den MDR. Er berichtet von einem Beispiel, dass den RBB betraf – trotzdem habe sich der MDR gekümmert: "in vorbildlicher Weise". Er bezeichnet die Lage beim MDR als gut.

Der hier eben vorgestellte Bericht ist übrigens in digitaler Form hier zu finden: rundfunkdatenschutz.de (leitet auf eine MDR-Seite weiter). Hier der Bericht als PDF.

Vorletzter Tagesordnungspunkt: Bericht vom Goldenen Spatz. Da stiftet der Rundfunkrat regelmäßig einen Preis für das beste Drehbuch. Den hat 2026 der Film "Plitsch Platsch Forever!" gewonnen - dazu wird jetzt ein Trailer gezeigt. Hier geht es zur Pressemitteilung zu der Auszeichnung: "'Goldener Spatz 2026': Eröffnungsfilm 'Plitsch Platsch Forever!' gewinnt Drehbuch-Preis des MDR-Rundfunkrates". Kinostart ist der 9.7.2026. Kai Ostermann bedankt sich gerade noch bei den Mitgliedern des Gremiums für ihre Spenden zur Unterstützung des Preises.

Geschafft! Es gibt keine weitere Nachfragen unter Top 15: "Anfragen und Meinungen" - wir sind durch. Nächster Termin ist die zweitägige Klausur des Gremiums im September.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit – und die Unterstützung!

 

 


"

Noch keine Kommentare.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert