Oberüber Karger: Franziska Bücker folgt auf Ulrike Lerchl

Führungswechsel bei Oberüber Karger: Franziska Bücker übernimmt zum 1.7.2026 die Geschäftsführung von Ulrike Lerchl.

Bücker ist seit 2020 für die Agentur tätig und verantwortete zuletzt als Head of PR zentrale Kunden sowie die strategische Weiterentwicklung des Bereichs.

Ulrike Lerchl zieht sich nach mehr als drei Jahrzehnten aus dem operativen Geschäft zurück. Ihre Aufgaben als Geschäftsführerin der Stiftung Semperoper und als Schöffin wird sie weiterführen.

Lerchl kam 1993 – drei Jahre nach der Gründung – zu der Dresdner Agentur, war ab 1994 Mitglied der Geschäftsführung und übernahm ab 2004 die alleinige Leitung. 2012 stieg die DDV-Mediengruppe (Madsack) als Gesellschafter bei OK ein (vgl. FLURFUNK vom 8.1.2012: "DD+V-Mediengruppe: Neuwerk und Oberüber|Karger fusionieren"), inzwischen gehört die Agentur vollständig der Mediengruppe.

Mit Lerchl verabschiedet sich eine der prägenden Persönlichkeiten der sächsischen Agenturszene aus dem operativen Geschäft. Sie hat zahlreiche erfolgreiche Projekte in Dresden und Sachsen angeschoben und sich neben ihrem Engagement für die Kultur immer wieder für die Vernetzung der Branche eingesetzt.

Im FLURFUNK-Interview sprechen Franziska Bücker und Ulrike Lerchl über den Generationswechsel, die Zukunft der Agentur und die aktuellen Herausforderungen für die Branche.

"Marken müssen unterscheidbar sein"

FLURFUNK: Wie steht es aus eurer Sicht gerade um das Agenturgeschäft in Sachsen?

Franziska Bücker: Das Agenturgeschäft steht aktuell vor einigen Herausforderungen. Die wirtschaftlich angespannte Lage in Sachsen, Deutschland und der ganzen Welt wirkt sich auch auf unsere Kund:innen und damit auch auf uns aus. Investitionen werden genauer geprüft, Entscheidungen dauern häufig länger und Budgets stehen stärker unter Druck als noch vor einigen Jahren.
Gleichzeitig beobachten wir, dass der Bedarf an guter Kommunikation nicht kleiner wird. Im Gegenteil: Gerade in unsicheren Zeiten müssen Unternehmen erklären, einordnen und Orientierung geben. Was uns dabei sehr hilft, sind unsere langjährigen Kundenbeziehungen. Viele unserer Kund:innen begleiten wir seit vielen Jahren, teilweise sogar seit Jahrzehnten. Das schafft Vertrauen und eine Stabilität, die aktuell ein großes Plus ist. Was uns außerdem stärkt, ist unser erfahrenes Team. Viele Kolleg:innen bringen langjährige Expertise aus unterschiedlichen Bereichen der Kommunikation mit. Diese Mischung aus Erfahrung und unterschiedlichen Blickwinkeln ist für unsere Kund:innen ein großer Mehrwert.

FLURFUNK: Und wie geht es OK im aktuell? Was sind aktuelle Herausforderungen?

Franziska Bücker: Oberüber Karger entwickelt sich aktuell positiv. Mit unserem neuen Standort in Leipzig tragen wir der Tatsache Rechnung, dass wir dort bereits seit vielen Jahren zahlreiche Kunden betreuen, darunter die L-Gruppe oder die Elternhilfe für krebskranke Kinder Leipzig. Gleichzeitig sehen wir in Leipzig noch viel Potenzial und freuen uns darauf, dort weitere Unternehmen und Institutionen kennenzulernen. Natürlich beschäftigen auch uns die Veränderungen durch Künstliche Intelligenz. Sie kann viele Aufgaben unterstützen, neue Formate ermöglichen und manche Prozesse beschleunigen. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass der Mensch für die strategische Einordnung, für Kreativität und Empathie unverzichtbar bleibt.

FLURFUNK: Was hat sich gut entwickelt?

Franziska Bücker: Besonders erfreulich entwickelt sich unser PR-Geschäft. Ein anschauliches Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit FERALPI STAHL in Riesa, einem wichtigen Stahlproduzenten, den wir seit Jahren intensiv begleiten. Unsere PR-Expertinnen verfügen über eine starke Vernetzung in Sachsen und darüber hinaus. Außerdem bauen wir derzeit den Bereich Medizin und Gesundheitskommunikation gezielt weiter aus. Mit Kund:innen wie dem Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) oder KIMed arbeiten wir eng zusammen und entwickeln unsere Partnerschaft kontinuierlich weiter.

FLURFUNK: Ulrike, wenn man auf so eine lange Zeit zurückblicken kann, gibt es vermutlich jede Menge Höhepunkte: Was waren aus deiner Sicht deine größten Erfolge?

Ulrike Lerchl: Es gab so viele Projekte, an die ich mich gern erinnere. Der Wahlkampf für Kurt Biedenkopf Ende der 90er Jahre gehört sicher dazu. Auch der Gewinn des AOK-Etats war für uns damals ein wichtiger Meilenstein. Später kamen große Projekte wie der Deutsche Sparkassentag oder zuletzt die Initiative #stabilbleiben hinzu. Wenn ich zurückblicke, bin ich aber vor allem dankbar für die Entwicklung der Agentur insgesamt. Als ich 1993 zu Oberüber Karger kam, war in Sachsen vieles im Aufbruch. Die Agentur hat mich seitdem mein gesamtes Berufsleben begleitet. Egal, wo ich war und mit wem ich gesprochen habe, Oberüber Karger war immer ein Teil davon. Besonders stolz macht mich, dass wir über all die Jahre gemeinsam mit unseren Kund:innen und unserem Team wachsen konnten. Viele Kund:innen begleiten uns seit Jahrzehnten, und aus einer kleinen Dresdner Agentur ist ein starkes Team mit Standorten in Dresden und Leipzig geworden. Das ist für mich der eigentliche Erfolg.

FLURFUNK: Und gab es auch Tiefpunkte? Wie sahen die aus?

Ulrike Lerchl: Natürlich gab es auch schwierige Zeiten. In über 30 Jahren erlebt man einiges. Es gab Jahre, in denen die Wirtschaft geschwächelt hat, Kund:innen plötzlich vorsichtiger wurden oder man sich gefragt hat, wie sich die nächsten Monate entwickeln werden. Und natürlich war auch die Corona-Pandemie eine große Herausforderung für uns. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass man gerade in solchen Phasen nicht den Kopf in den Sand stecken darf. Oft waren es genau diese Situationen, die uns gezwungen haben, Dinge neu zu denken und uns weiterzuentwickeln. Rückblickend sind wir gestärkt daraus hervorgegangen.

FLURFUNK: War das Geschäft früher leichter als heute?

Ulrike Lerchl: Anders, aber nicht unbedingt leichter. Früher war vieles überschaubarer. Es gab weniger Kanäle, weniger Tempo und oft auch längere Entscheidungswege. Heute ist Kommunikation deutlich komplexer geworden und Veränderungen passieren viel schneller. Gleichzeitig haben wir heute Möglichkeiten, von denen wir Anfang der 90er Jahre nur hätten träumen können. Deshalb würde ich nicht sagen, dass es früher leichter war, es waren einfach andere Herausforderungen.

FLURFUNK: Was willst du deiner Nachfolgerin mit auf den Weg geben?

Ulrike Lerchl: Franziska soll vor allem Franziska bleiben. Sie bringt alles mit, was es für diese Aufgabe braucht. Das sind aus meiner Sicht fachliche Stärke, Neugier, Mut und ein gutes Gespür für Menschen. Ich wünsche ihr, dass sie ihren eigenen Weg geht und dabei nie den Spaß an dieser wunderbaren Branche verliert. Und wenn ich ihr etwas mitgeben darf, dann dies: Verliere nie die Menschen aus dem Blick. Unsere Kolleginnen und Kollegen, unsere Kund:innen und unsere Partner:innen sind das Wertvollste, was wir haben. Wenn man mit Menschen ehrlich, respektvoll und auf Augenhöhe umgeht, kann unglaublich viel gelingen.

FLURFUNK: Franziska: Was wird sich unter deiner Führung ändern?

Franziska Bücker: Ich werde zum Beispiel kein eigenes Büro beziehen. Das ist natürlich nur ein kleines Zeichen, aber es zeigt, worauf es mir ankommt. Ich verstehe mich als Teil des Teams. Die Verantwortung jedes Einzelnen, die themenübergreifende Zusammenarbeit und der fachliche Austausch sollen stärker in den Mittelpunkt rücken. Mir ist wichtig, die Identität von Oberüber Karger zu erhalten. Das, was uns ausmacht – die Sympathie, das Engagement, mit dem wir unseren Kund:innen begegnen, und das freundschaftliche Miteinander im Team – werden wir auf jeden Fall bewahren. Gleichzeitig wird es auch Veränderungen geben, die man nach außen hin sieht. Gerade entwickeln wir unter anderem ein neues Corporate Design, das wir schon in Kürze vorstellen werden. Veränderung ist dabei kein Selbstzweck, sondern notwendig, um als Agentur relevant und zukunftsfähig zu bleiben.

FLURFUNK: Wie ist eure Perspektive auf die langfristige Entwicklung der Branche? Wie wird sich das Geschäft verändern?

Franziska Bücker: Technologie wird unsere Branche weiter verändern, daran habe ich keinen Zweifel. Viele Aufgaben werden schneller und effizienter erledigt werden können. Gleichzeitig glaube ich, dass die meisten Marken heute kein Sichtbarkeitsproblem haben, sondern ein Bedeutungsproblem. Informationen und Inhalte gibt es mehr als genug. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, relevant zu bleiben und Menschen wirklich zu erreichen. Die Aufgabe von Agenturen wird deshalb künftig noch stärker darin liegen, zuzuhören, Zusammenhänge zu verstehen und komplexe Themen verständlich zu machen. Marken müssen unterscheidbar sein, sich von der Masse abheben. Dabei können wir helfen: mit Daten als Grundlage und unserem Gespür für Markenidentität. Genau darin sehe ich auch die Zukunft von Oberüber Karger.

FLURFUNK: Vielen Dank für das Interview!

Foto: Thomas Schlorke

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