„Sächsische Zeitung“: saftige Preiserhöhung für ePaper-Ausgabe

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Screenshot von der "SZ" als PDF.

Preiserhöhung um fast 10 Euro: Die "Sächsische Zeitung" stellt zum 1.4.2012 ihre bisherige PDF-Ausgabe ("sz-digital") zum ePaper um. Mit der Umstellung steigt der Preis von bisher 7,50 auf 17 Euro im Monat.

Mit der Veränderung gibt es einige Verbesserungen, wie Thomas Schultz-Homberg, Leiter Online beim DD+V, in einer E-Mail an die bisherigen Kunden von sz-digital schreibt:

  • Das neue ePaper ermöglicht "Zugriff auf die bislang gesondert zu abonnierenden Lokalnachrichten auf sz-online mit Berichten, Bildern und Kommentaren zum Geschehen in Ihrer Nachbarschaft und allen anderen Regionen des Verbreitungsgebietes."
  • Abonnenten des ePapers erhalten die SZ-Card.
  • Links sind in der ePaper-Ausgabe direkt verlinkt (in der bisherigen PDF-Ausgabe nicht der Fall), ebenso ermöglicht ein Klick auf die Autorennamen den direkten Kontakt zu der Redaktion. Schultz-Homberg schreibt: "Ebenso können Sie dann mit einem Klick auf die E-Mail-Adresse künftig direkt mit unseren Redakteuren in Verbindung treten, Ihre Meinung zu Artikeln äußern und ergänzende Fragen stellen. Wir freuen uns auf einen regen Dialog mit Ihnen."

In der Mail schreibt Schultz-Homberg weiter:

"Um Ihnen diesen erweiterten Service bieten und die allgemein gestiegenen Kosten ausgleichen zu können, ist eine Anpassung des seit 2002 unverändert gültigen Preises notwendig. Ab 1. April 2012 berechnen wir monatlich 17 EUR für Ihr e-paper-Abonnement. Wir finden, ein fairer Preis für den umfassenden und qualitätsorientierten Journalismus, den wir Ihnen täglich frei Haus liefern."

Die drastische Preiserhöhung sorgt für Unmut - im Laufe des Samstags erreichten uns gleich drei (!) wütende Mails von bisherigen Abonnenten, die uns auffordern, das Thema aufzugreifen. Aber immer doch, gern.

Eine wütende Leserin schreibt, sie sei Hartz-IV-Empfängerin und könne sich die teure Print-Ausgabe (die Dresdner Ausgabe kostet monatlich 23,70 Euro) nicht leisten. Zitat aus Ihrer Mail-Antwort an Schultz-Homberg:

"Mit Ihrem geplanten Schritt schließen Sie Geringverdiener als Leser Ihrer Zeitung aus. Diejenigen, die nicht viel Geld haben, sind ja eh dumm und sollen sich gefälligst mit der oberflächlichen Morgenpost zufrieden geben!?"

Stattdessen solle doch, so der Vorschlag der Leserin, besser an Redaktion und Umfang gespart werden - wieder weg vom "Tagesmagazin", dass keiner lesen könne, zurück zur alten Tageszeitung.

Ein anderer Leser schreibt uns aus einer großen Stadt in Süddeutschland. Er habe seit geraumer Zeit mit einer Preiserhöhung gerechnet, diesen Schritt könne er aber nicht nachvollziehen. Er droht damit, das Abo zu kündigen. Zitat aus seiner Mail:

"Dass die SZ jetzt Hals über Kopf diese Aktion macht (ohne Schnupper-Angebot, ohne Übergang, ohne Kommunikation mit den Abonnenten), zeigt die Ignoranz der Abteilung Vertrieb (wie wäre es z.B. mit ner App für IPad und Android? - schaffen ja sogar die kleine DNN.)"

Die IVW-Meldung von sz-digital: Die Sonstigen Verkäufe sind Print-Abonnenten, die für 2,50 Euro auch das Online-PDF abonniert haben.

Er sei auch, trotz des hohen Preises, Abonnent des ePapers der "DNN" (das wohlgemerkt ebenfalls 17 Euro kostet) - diesen hohen Preis hält er aber für beide Blätter nicht gerechtfertigt. So merkt er an, dass bspw. die "Süddeutsche Zeitung" es schaffe, ihre ePaper-Ausgabe bereits am frühen Abend online zu stellen; während dies bei den Dresdner Zeitungen immer erst weit nach Mitternacht passiere. Und:

"Die 17 Euro für DNN und SZ EPaper sind mE auch nicht angemessen, weil sie für den Vertrieb im Vergleich zum Print-Ausgabe eine hohe Ersparnis bringen, die aber an den Abonnenten nicht weiter gegeben wird."

Die Protestnoten dürften Schultz-Homberg kaum jucken - von der Maßnahme sind am Ende genau 907 Abonnenten (Stand: IV. Quartal 2011) betroffen, wie die "SZ"-ePaper-Meldung bei der IVW verrät (s. Tabelle). Wer sich das teure Abo nicht leisten mag, kann außerdem auf "sz-exklusiv" umsteigen, dass nur 5 Euro im Monat kostet (auch wenn man sich da beizeiten als Leser zweite Wahl fühlt). Dann hat man zwar keine PDF-Ausgabe mehr, aber Zugriff auf die Online aufbereiteten Artikel hinter der Bezahlschranke.

Strategisch ist die Entscheidung der Online-Verantwortlichen bei der DD+V, den Preis zu erhöhen, vermutlich nur eine folgerichtige Maßnahme - man passt den Preis eben dem lokalen Markt an. Die Zeitung kann es sich ja auch erlauben - es gibt in Dresden und der Region im Grunde nur sehr begrenzte Informationsalternativen, so dass der Leser nur die "Friss oder stirb"-Option hat.

Und doch: Aus reiner Online-Lesersicht ist das Festhalten an dem geschlossenen Format der Zeitung für die Nachrichtenvermittlung nicht nachvollziehbar. Man hält an dem bisherigen Format fest, auch wenn das enge Grenzen setzt bei der journalistischen Aufbereitung von Themen. Innovativ ist das nicht.

Nachtrag 20.3.2012: Ein wichtiger Hinweis aus den Kommentaren, der die Motivation für die Anpassung des Preises erklärt und hier im Beitrag fehlt: Ab 1.4.2012 zählen ePaper-Abos unter bestimmten Bedingungen zur normalen IVW-Auflage und werden nicht mehr gesondert ausgewiesen. Mehr dazu ist bei dwdl.de zu lesen: "IVW: E-Paper zählen künftig zur Gesamt-Auflage" (mit Dank an den Hinweisgeber!).

17 Kommentare
  • Martin
    März 19, 2012

    Ein Rat an die "wütende Leserin": Internet scheint sie ja zu haben. Schon mal Google News probiert? Klug personalisiert, fischt es genau die Infos und Nachrichten aus dem Netz, die man haben will: Polizeiberichte aus Striesen, das Philharmonieprogramm oder die neueste Hiobsbotschaft aus dem Stadtrat.

    Aber ich muss schon sagen, der erhöhte Preis ist absolut gerechtfertigt. Links sind jetzt auch verlinkt - wo gibt es das sonst schon?? Und als Redakteur freue ich mich auch auf die vielen, neuen Rückmeldungen, die den Redaktionsalltag noch viel bunter gestalten werden.

  • Sylvio
    März 20, 2012

    die Sächsische Zeitung soll nur weiter so machen........
    Ich habe heute meine Künigung hingeschickt.
    Auch hier mergt man wieder das man Kunden so lange wie möglich halten will. Man findet im Internet einfach keine Anschrift oder Faxnummer, wo man diese hinschicken kann. Nur eine schöne Abo Telefonnummer.... Prima....Da sag ich nur: So gern hat diese Zeitung ihre Bestandskunden....

  • peter
    März 20, 2012

    Ein bisschen mehr Recherche hätte man von einem Medienblog schon erwarten können - Stichwort IVW ab 1. April. Trotzdem: Saftige Erhöhung, nicht schön.

  • owy
    März 20, 2012

    @peter Wofür recherchieren, wenn man eine Kommentarspalte hat? ;-)) Im Ernst: Ich verstehe den Hinweis an dieser Stelle nicht. Zum 1.4. ist Quartalswechsel, ja, okay, und? Wo ist jetzt der Mangel an Recherche in meinem Text? Ich bitte um Erläuterung, stehe gerade auf dem Schlauch. Danke!

  • Peter
    März 20, 2012

    Ab 1. April zählen E-Paper-Ausgaben zur Gesamtauflage - warum das wichtig ist, muss ich jetzt aber nicht erklären, oder? Für diesen Schritt gibt es seitens der IVW aber Vorschriften. Genaueres steht zum Beispiel hier: http://www.dwdl.de/nachrichten/34629/ivw_epaper_zhlen_knftig_zur_gesamtauflage/

  • owy
    März 20, 2012

    @Peter Asche auf mein Haupt - das ist mir durchgegangen. Danke für den Hinweis, ich habe gerade noch einen Nachtrag eingefügt.

  • Peter
    März 20, 2012

    Gern geschehen. Übrigens: Die Sz oder besser sz-online macht derzeit bei Facebook Layoutentwürfe öffentlich. Ist doch vielleicht auch ein Thema.

  • Sibylle
    März 20, 2012

    127%, das darf doch nicht nicht wahr sein. Die sz-card galt auch bisher schon für sz-digital-Leser.

  • stefanolix
    März 21, 2012

    Ich darf auf diesen Heise-Artikel hinweisen, in dem über eine Umfrage zur realen Zahlungsbereitschaft der Leser berichtet wird: bis zu 9,60 Euro pro Monat. 17 Euro sind für Privatpersonen wohl ein utopischer Preis, das zahlen vermutlich nur eingeschworene Tablet-PC-Fans oder Leser, die das Abo beruflich benötigen …

  • Phoenixx
    März 22, 2012

    Sehr unschöne Sache. Ich bin quasi ein "Sachse im Ausland", der das Angebot der Online-Ausgabe intensiv genutzt hat. Zu einem Preis von 7,50 eine faire Sache. Überlegt man sich, dass der Verlag hier deutliche Einsparungen im Druck (bzw. Nicht-Druck) verzeichnet, ist die neue Differenz von 17 zu 23 Euro gegenüber der Print-Ausgabe absolut nicht zu verstehen. Damit hat dann die SZ nun in mir noch einen Online-SZ-Leser weniger. Die Zeitungsbranche jammert über sinkende Auflagen, das Medium verliert mehr und mehr an Akzeptanz - aber durch solche Aktionen schießen sie sich für die Zukunft auch noch selbst ins Abseits. So sieht wirklich eine gelungene Orientierung an die neue digitale Informationsgesellschaft aus. ^^Achtung: Ironie^^ Ich wäre mal sehr neugierig, wie die Abo-Zahlen nach dem 1.4. bzw. dann im Mai aussehen werden. Hoffe, Ihr berichtet??

  • stefanolix
    März 22, 2012

    Zum Nachtrag: Offensichtlich zählen e-Paper-Abos erst ab einem bestimmten Preis zu der Gesamtauflage eines Printmediums.

    Das kann ich mir so erklären: Das Abo ist dem Leser etwas wert, also wird die »Sächsische Zeitung« z.B. höherwertiger eingestuft als der »Sächsische Bote« und eine kostenpflichtige App höherwertiger als eine kostenlose. Ist das richtig?

    Aber ich will auf etwas anderes hinaus: Die Anzahl der e-Paper-Abos ist doch bei der Sächsischen Zeitung heute schon so gering, dass sie gegenüber der Anzahl der Print-Abos grundsätzlich vernachlässigt werden kann. Warum bindet man sich denn dann dieses Problem ans Bein?

    Der Nachteil durch den Unmut im Netz und durch die Kündigungen ist doch viel größer als der winzige Vorteil bei der Erhöhung der Gesamtauflage.

  • stefanolix
    März 22, 2012

    PS: Die »Sächsische Zeitung« hat in 4/2011 immerhin noch 240.000 Print-Abos verkauft. Dazu kommen ca. 900 e-Paper-Abos. Letztere hatten an allen Abos also einen Anteil von 0.3736% — bringt es die »Sächsische Zeitung« wirklich voran, wenn sie danach strebt, diese paar Abos in die Gesamtauflage aufzunehmen?

  • Peter
    März 24, 2012

    @Stefanolix: Vermutlich ist es aber einfacher, 900 Lesern jetzt einen höheren Preis aufzudrücken als in einigen Jahren tausenden, die das Blatt dann auf den bis dahin sicher weit verbreiteten Tablets lesen.

  • seefahrer
    März 29, 2012

    Wer beim Aboservice anruft, hat eine Chance, eine Gutschrift von 20 € zu bekommen.
    Nachdem ich mich per Email breschwert hatte, findet sich nun in meinem Kunden-Konto ein Hinweis, dass ich gekündigt hätte und mein Vertrag nunmehr Ende März ausläuft.. Doch gekündigt hatte ich gar nicht.... Doch ich habe nach diesem Umgang auch nicht protestiert. Tschüs SZ.

  • A.W.Ritter
    Januar 25, 2013

    Hallo, ich habe den Artikel erst heute gefunden, zufällig und er ist Aktuell. Wenn ich heute so die Regional Ausgabe der Stadt Zittau lese, wird mir schlecht. Viele Informationen bekomme ich im Internet kostenlos. Die Artikel werden immer dürftiger...vegetiert die Stadt vor sich hin ? Scheint so. Dieses leidige Thema Einkaufcenter in der Innenstadt...gibt es nicht genug kaputte Gebäude und Geschäfte ?
    Warum wird die Markthalle in der Inneren Weber Strasse nicht wieder belebt ? Zittau hat so viel Tradition und Geschichte!!
    Es ist eine Schande diesen Center zu bauen und den Einzelhandel zu vernichten !! Es kommen nicht mehr Polen und Tschechen einkaufen!!
    Alle Modemarken gibt es dort auch!! Die EU hat eins geschafft, es gibt keine Auslese mehr, nicht das Besondere, überall den gleichen Mist. Schuhe, Textilien etc.. Egal ob später in Zittau und heute in Berlin, Brüssel, Warschau, Moskau, Sofia, Bukarest...Nein Danke, bekämpft den Center auf breiter Linie, im Interesse der Einzelhändler und für die Auswahl von guten Produkten!!
    Gruß aus Brünn/ Brno

  • Ingrid Sedláček
    Februar 26, 2013

    Als ehemalige Dresdnerin und jetzt im Ausland lebend, habe öfters den Kontakt mit Dresden über die Sächsische Zeitung gepflegt. Ab vergangem Jahr konnte man die Nachrichten nur noch nach einer gewissen Anmeldung und Bezahlung voll öffnen. Ich dachte das Internet verbindet Völker, aber die Dresdner Zeitung sieht es wohl anders, schade.

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