Foto der Drucksache 5/10090 des Sächsischen Landtags, S.2: Die Antwort von Minister Beermann (das Bild ist mit dem PDF verlinkt)

Er landete Ende vergangene Woche einen – wohl so nicht geplanten – Viral-Hit: Dirk Panter, Mitglied des Sächsischen Landtags, Gernalsekretär der SPD Sachsen und Mitglied im MDR-Rundfunkrat hatte in Form einer Kleinen Anfrage von der Staatsregierung wissen wollen: “Was versteht die Staatsregierung unter Onlinejournalismus?”

Johannes Beermann, Chef der Staatskanzlei und zuständiger Medienminister, antwortete mit dem knappen Satz:

“Die Staatsregierung versteht unter Onlinejournalismus Onlinejournalismus.”

Es folgten dutzende Einträge und Kommentare bei Facebook und Twitter, mehrere spötische Blog-Einträge (in beide Richtungen – nachzulesen hier, hier und hier) und die Würdigung Panters auf der “BILD”-Titelseite als “Verlierer des Tages”.

Auch wir von Flurfunk Dresden teilten die Frage und die schnippische Antwort zunächst unkommentiert auf unsere Facebook-Seite – und bekamen prompt die Leser-Frage zurück: “Ist das ein Fake?”

Nein, ist es nicht. Frage und Antwort sind auf den Seiten des Landtags als PDF zu finden (das Bild oben ist mit dem PDF verlinkt). Und doch macht der Vorgang stutzig, ist die Nachfrage berechtigt – Panter ist in der sächsischen SPD der Medienpolitik-Fachmann. Was war das los? Wir haben nachgefragt.

Dirk Panter, MdL

Flurfunk Dresden: Sie haben gerade mit Ihrer Kleinen Anfrage für reichlich Aufmerksamkeit im Netz gesorgt. Finden Sie diese Antwort zufriedenstellend?
Dirk Panter: Mitnichten, dennoch ist sie typisch für einen Staatsminister, der zwar für die Medienpolitik im Freistaat zuständig sein will, aber eine klare Positionierung zum Thema umschifft und dabei hofft, die Debatte versinke im Bermuda-Dreieck.

Flurfunk Dresden: Was war denn der Hintergrund Ihrer Frage – und hätten Sie diese nicht konkreter stellen können?
Panter: Auslöser ist die aktuell geführte Debatte, wer die Hoheit über die Verbreitung von Inhalten im Netz besitzt. Im Streit darüber sind die privaten Verleger auf der einen und die öffentlich-rechtlichen Sender auf der anderen Seite. Die Verleger sehen eine Gefahr für den Absatz ihrer Bezahlangebote und beklagen schon jetzt massive Umsatzeinbußen, wenn die Öffentlich-Rechtlichen, zusätzlich zu den Audio- und Videoaufnahmen, auch Texte samt Hintergrundinformationen im Netz kostenfrei zur Verfügung stellen dürfen.

Mich interessiert an diesem Punkt, welche Position die Staatsregierung einnimmt: Schlägt sie sich auf die Seite der privaten Verleger oder unterstützt sie die Öffentlich-Rechtlichen in ihrem Auftrag umfassende Informationen für alle zugänglich zu machen?

Flurfunk Dresden: Was hat das ganz konkret mit Onlinejournalismus zu tun?
Panter: In meinen Augen ist Onlinejournalismus eine eigene Gattung des Journalismus, die sich in den letzten Jahren mehr und mehr entwickelt hat. Dass diese Gattung auch einen eigenen Markt hat, zeigt die aktuell geführte Debatte. Also ist es nur konsequent, sich über die Gestaltung und die Spielregeln dieser Branche Gedanken zu machen. Genau an diesem Punkt aber stecken Staatsminister Beermann bzw. die Staatsregierung in einem Dilemma: Entweder lehnen sie Onlinejournalismus als eigene Gattung des Journalismus ab – machen sich damit aber in der Fachwelt lächerlich, weil sie die Augen vor der Realität verschließen. Oder aber sie gestehen dem Onlinejournalismus zu, nicht nur Ausweitung des bisherigen Angebotes ins Internet, sondern eine eigene Gattung zu sein – was gleichzeitig die Argumente der privaten Verleger ad absurdum führen würde.

Flurfunk Dresden: Wie sollte die Reaktion der Staatsregierung Ihrer Meinung nach aussehen?
Panter: Ich erwarte eine klare Positionierung. Wie definiert die Staatsregierung Onlinejournalismus? Was zählt aus ihrer Sicht dazu, was nicht und was soll Onlinejournalismus leisten? Wird er als eigene Gattung des Journalismus angesehen oder reduziert die Staatsregierung Onlinejournalisten auf das Hochladen von bereits produzierten Inhalten auf eine Internetseite?

Flurfunk Dresden: Wissen Sie schon, wie die nächste Kleine Anfrage zum Thema lauten wird?
Panter: Der Kern der Anfrage wird bleiben, denn bisher habe ich ja leider keine wirkliche Antwort erhalten. Die Fragen werden aber sicher mundgerechter formuliert sein, damit sich die Staatskanzlei nicht weiter begriffsstutzig geben kann.

Flurfunk Dresden: Vielen Dank für das Interview.

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