Di, 20. November, 2012

Ohne (viele) Worte: „Augen schließen und genießen“

Werbung und Nachrichten – das ging noch nie richtig gut. Den Screenshot aus einer Bild-Galerie bei SZ-Online hat uns Flurfunk-Dresden-Leser Ray van Zeschau geschickt: Es zeigt den Mini-Van, der beim Zusammenstoß mit einem entgegenkommenden Geisterfahrer völlig zerstört wurde und in dem fünf Personen starben. Die Werbungszeile lautet: „Augen schließen und genießen“. Die Werbung erscheint übrigens nur, wenn man mit der Maus über das Bild fährt.

Sie halten das für eine einmaligen „Unfall“ im automatisierten System? Irrtum. Van Zeschau hat uns eine Auswahl von insgesamt 18 Fotos geschickt, die er über einen längeren Zeitraum gesammelt hat und in denen die Werbung völlig unpassend und pietätlos ist. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, nur eine Auswahl zu zeigen (s. unten). 

Van Zeschau berichtet, er habe einmal per Facebook bei SZ-Online darauf hingewiesen, dass die Werbung unpassend sei. Als Antwort kam zurück, man könne daran nichts ändern – die Werbung werde automatisiert eingeblendet.

Qualitätsjournalismus will eben finanziert werden.

6 Comments
  • der f L y
    November 21, 2012

    autsch . . .
    mit der Redaktion bin ich auch schon bei FB in ein Diskurs geraten. Mich wundert ehrlich gesagt nicht, dass man bei der sz_online solche pietätlose Werbemischungen abtut. Wenn deren Türen geschlossen sind, könnt ich mir folgendes Zitat gut vorstellen: „Die sollen sich mal nicht so haben…“

  • stefanolix
    November 21, 2012

    Ich will außerdem einmal die Programmentwickler in Schutz nehmen, die ja immer gern für derlei Fehler in die Verantwortung genommen werden.

    Wenn man einem Programmentwickler sagt: Bau uns bitte eine Schaltfläche in das Redaktionssystem ein, mit dem wir festlegen können, dass bei bestimmten Meldungen keine Werbung eingeblendet wird, dann macht der das gern. Es ist eigentlich nur eine einfache Verzweigung dafür notwendig.

    Die Behauptung »unser System macht das so« ist einfach schwach. Das System macht es so, weil es so beauftragt wurde.

    Die Behauptung »ein externer Anbieter blendet für uns die Werbung ein« ist genauso schwach: Man kann den Skripten einen Parameter mitgeben, der die Werbung für bestimmte Galerien ausschließt.

    Wer allerdings als Nutzer gar keine Werbung haben will, installiert sich NoScript und einen Werbeblocker im Firefox. Ich sehe jedenfalls momentan keine eingeblendete Werbung in den Fotogalerien.

  • Ray Van Zeschau
    November 21, 2012

    Nur weil man sich NoScript und einen Werbeblocker installiert, ist das prinzipielle Problem ja nicht behoben. Wenn ich keine Zeitung lesen oder einen Fernseher, wenn ich einen hätte, aus dem Fenster werfen würde, wäre auch nicht plötzlich Frieden zwischen Israel und den Palästinensern.

  • stefanolix
    November 21, 2012

    Selbstverständlich nicht. Die Zeitung trägt die Verantwortung für die unpassenden Einblendungen und sie kann das Problem mit vertretbarem Aufwand beheben. Das kam in den vorausgegangenen Absätzen meines Kommentars hoffentlich rüber.

    Trotzdem musste ich den Browser wechseln, um mir das Problem überhaupt anschauen zu können.

    Die meisten Nutzer haben eben im Firefox die notwendigen Plugins. Wenn man eine Seite nicht blocken möchte, kann man den betreffenden Server immer noch der Whitelist hinzufügen. Ich erschrecke immer, wenn ich auswärts in Unternehmen oder in einer Hochschule einen Internet Explorer ohne solche Schutzfunktionen benutzen muss. Damit könnte ich nie dauerhaft arbeiten.

  • Thomas Mrazek
    März 14, 2013

    Der Deutsche Presserat hat sich jetzt zu einem ähnlichen Fall geäußert, siehe Pressemitteilung vom 14.03.2013 (zweite Überschrift „Problematische Kombination von Foto und Werbung“): http://www.presserat.info/inhalt/dokumentation/pressemitteilungen/pm/article/presserat-fordert-staerkung-des-informantenschutzes.html

    „(…) Der Presserat sieht in der Angelegenheit eine Verletzung der Ziffer 1 Pressekodex und hier speziell der Menschenwürde der Unfallopfer und ihrer Hinterbliebenen. Zwar ist die Redaktion nicht für die automatisierte Einblendung von Werbung verantwortlich, weshalb auch auf das Aussprechen einer Maßnahme verzichtet wurde. Das Gremium ist aber der Auffassung, dass – auch im Hinblick auf das Ansehen der Presse – derart unglückliche Kombinationen vermieden werden sollten. Der Presserat empfiehlt den Verlagen daher, Vorkehrungen zu treffen, um solche Veröffentlichungen auszuschließen.“

  • alexander voigt
    März 15, 2013

    Geschmacklos, dass sich auch große Versicherungskonzerne, wie die CosmosDirekt Risikolebensversicherung, auf derartige Bilder für die Bewerbung Ihrer Produkte zurückgreift!

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