Sächsische Kultusministerin erklärt Rücktritt über eigenes Blog

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Das dürfte nach unserem Kenntnisstand ein Novum in der Politik sein: Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth hat heute ihren Rücktritt verkündet – über das Blog des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus.

In einem Interview im Blog erklärt Ministerin Kurth ihre Beweggründe - und greift so den klassischen Medien vor, die sonst wohlmöglich über ihre Motive spekuliert hätten.

Wörtlich ist da zu lesen:

Frau Kurth, mit dem heutigen Tag scheiden Sie aus dem Amt als Kultusministerin aus. Das kommt überraschend, noch dazu in einer schwierigen Zeit. Werfen Sie hin?

Brunhild Kurth: Nein, wer mich kennt, weiß, dass ich so nicht bin. Ich werfe nicht hin und gehe auch nicht im Groll, falls Sie das meinen. Ich stelle mich meinen Aufgaben und wenn die Zeiten schwierig sind, dann stürze ich mich umso mehr in meine Arbeit. Aber jetzt ist es für mich Zeit zu gehen. Es sind allein persönliche Gründe, die mich zu diesem Schritt bewegen.

Das müssen Sie erklären.

Brunhild Kurth: Wenn Sie so wollen, folge ich einer persönlichen Lebensplanung. Als mich Ministerpräsident Stanislaw Tillich im November 2014 fragte, ob ich auch dem neuen Kabinett als Kultusministerin zur Verfügung stehen würde, sagte ich ihm gern zu. Allerdings erklärte ich ihm schon damals, dass ich nicht vorhätte, bis zum Ende der Legislaturperiode zu bleiben. Nach der Hälfte müsse für mich Schluss sein."

Autor des Blogbeitrags und folglich also Fragesteller ist Dirk Reelfs, Pressesprecher des SMK. Der Blogbeitrag ist jetzt schon bei SZ-Online verlinkt (vgl. SZ-Online vom 29.9.2017: "Sachsens Kultusministerin tritt zurück).

Der Titel des Blogbeitrags lautet „Meine Zeit soll jetzt der Familie gehören“.

[Disclaimer: Der Autor dieses Beitrags war an Konzept und Entwicklung des Blogs der Sächsischen Staatsministeriums für Kultus beteiligt. ]

2 Kommentare
  • Marieluise
    September 30, 2017

    Sehr geehrte Frau Kurth, seit 40 Jahren bin ich Grundschullehrerin in Sachsen. Sie waren meine "Dienstherrin". Ihr Rücktrit macht mich wütend. Sie haben ja so recht, dass man sich fragen sollte, wie man seinen Lebensabend verbringt. Jedoch so einfach zurücktreten können wir Lehrerinnen und Lehrer nicht.Da fehlt und das finanzielle Polster. (Das ist ja nicht Ihr erster Rücktritt aus persönlichen Gründen(siehe mai 2011)Wenn ich 63 Jahre bin, gehe ich mit Abschlägen in Rente oder ich nehme die von Ihnen auf den Weg gebrachte "Prämie" und arbeite länger. In diesem Schuljahrwar ich das erste Mal in 40 Jahren länger krank. Ich kann Ihnen sagen, dass ich wenig Ruhe hatte, um gesund zu werden, denn täglich dachte ich an meine kleinen Schüler, die eine feste Bezugasperson zum erfolgreichen Lernen brauchen. Meine Kolleginnen und die Schulleiterin gaben alles, um den Unterricht wenigstens in den Kernfächern abzusichern (mit schlecht bezahlten Überstunden). In vielen Schulen gibt es solche Situationen. Und die Lehrer und Schüler hätten ein Vorbild verdient, dass mit ihnen durch das berühmte "Tal der Tränen" geht. Eigentlich gehört es sich, dass man nun am Ende dieser Zeilen gute Wünsche mit auf Ihren Weg gibt. Dazu bin ich leider nicht in der Lage.

  • Norbert Weise
    September 30, 2017

    Auch mich schockiert die Leichtigkeit, mit welcher diese Frau Kurth meint, mit 63 nicht mehr arbeiten zu müssen.
    Es ist ein Schlag ins Gesicht all der Menschen, die sich mit 63 das einfach nicht leisten können.

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