Fakten gepanscht? Bildblog zum Wein-Pansch-Skandal von „Bild Dresden“ (Update, 17.35 Uhr)

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Das ist uns mal eine A-Information wert: Der von "Bild Dresden" aufgedeckte Pansch-Skandal ist gar keiner. Also zumindest hört er nach der Überschrift direkt wieder auf, wenn man die korrekte Definition von "Panschen" als Grundlage nimmt.

Bildblog schreibt über einen "Bild Dresden"-Bericht von Dienstag:

"Doch die Reinheit des Sächsischen Weins ist nicht in Gefahr, der Skandal, den "Bild" daraus zu konstruieren versucht, ist keiner: Die Winzergenossenschaft Meißen nennt den 'Ost-West-Mischmasch' auf ihren Etiketten nicht etwa 'Sächsischen Wein', sondern bezeichnet ihn als 'Deutschen Wein'."

Hier geht es zum Bildblog-Beitrag mit dem Titel: "Wenigstens im Wein liegt Wahrheit". Hier finden Sie den "Bild"-Beitrag: "Beim teuren Sachsen-Wein wird gepanscht".

Die Internetseite "Yoopress" hat ebenfalls über den Vorgang berichtet und u.a. eine Stellungnahme des der Panscherei "beschuldigten" Weingut Matyas eingesammelt. In dem Bericht heißt es:

"Man kann dazu sagen: typisch BILD. Mit Panscherei hat das alles nichts zu tun."

Titel der "Yoopress"-Geschichte: "Verniedlichte Panscherei - Ein Skandal, der keiner ist!"

Spannend ist in dem Zusammenhang die Definition von Wikipedia für das Wort "Panschen":

"Im Weinbau bezeichnet man die verbotene Zufuhr von unerlaubten Zugaben wie Zucker, Wasser (verwässern) oder anderen Stoffen, die die Menge vergrößern, eine höhere Qualität vortäuschen sollen oder gesundheitsschädlich sind, als panschen. Entgegen dem Volksmund bedeutet Panschen aber nicht schon das bloße Vermischen von Weinen unterschiedlicher Herkunft oder Jahrgänge, was in der Fachsprache 'verschneiden' (Verschnitt) genannt wird."

Auch der Deutsche Raiffeisenverband hat sich genötigt gesehen, zu der "Bild"-Geschichte von Dienstag Stellung zu nehmen. Weiter unten die ganze Pressemitteilung des DRV (s.u.).

Nun kann man darüber diskutieren, ob das "schamhafte Verstecken der Herkunft auf der Rückseite" ("Bild", sinngemäß) schon taugt, um vom volkstümlichen Panschen zu sprechen. Aber schaut man sich die zwei von "Bild" als Beweisfoto gelieferten Ettiketten des Weinguts Matyas an, muss man sagen: Da steht doch eindeutig vorne drauf, dass der Wein der Marke "Eichberg" aus der "Pfalz" ist?

Unser Fazit lautet also auch: ganz schön zusammengepanschte Geschichte.

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Hier die Pressemitteilung des Deutscher Raiffeisenverband e.V. (DRV):

Gegendarstellung zu Berichten der Bild: Winzergenossenschaft Meißen verhält sich rechtskonform

(Verbandspresse, 22.09.2010 11:55)

(Berlin) - Zum Bericht "Beim teuren Sachsen-Wein wird gepanscht" vom 20. September 2010 und zur Rubrik "Verlierer" vom 21. September 2010 nimmt der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) wie folgt Stellung:

Bei dem von der Winzergenossenschaft Meißen angebotenen Wein handelt es sich nicht, wie Bild vermuten lässt, um sächsischen Wein, sondern um einen "deutschen Wein". Dies wird auf dem Etikett deutlich, wie vom deutschen Weinrecht gefordert, kommuniziert.

"Deutsche Weine" dürfen als Cuvée verschiedener deutscher Anbaugebiete angeboten werden. Sie sind als Basisweine anzusehen, die aus Trauben der deutschen Weinbauflächen stammen - wie der Name schon verrät. Ebenso verfahren die übrigen EU-Mitgliedstaaten; ein "französischer Wein" besagt lediglich, dass der Wein aus Trauben gewonnen wurde, die aus Frankreich stammen.

Anders als beim "deutschen Wein" verhält es sich bei Qualitätsweinen. Ein Qualitätswein aus Sachsen beinhaltet zu 100 Prozent Trauben aus dem geografisch streng abgegrenzten Gebiet Sachsen. Der Konsument kann sich also weiterhin darauf verlassen, dass dort, wo Sachsen als Anbaugebiet angegeben ist, ausschließlich Trauben aus dem Anbaugebiet enthalten sind.

Das Herz des sächsischen Weinbaus sind und bleiben die Qualitäts- und Prädikatsweine mit der Angabe "Sachsen". Sie haben der Region in den vergangenen Jahren zu ihrem guten Ruf verholfen!

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Update (17.35 Uhr): Es gibt eine weitere Stellungnahme per PM, dieses Mal auch aus Sachsen. Ralf Walter, Besitzer der „Sächsische Vinothek“ an der Frauenkirche, dem „Wettiner Weinlädchen“ an der Brühlschen Terrasse sowie „vom Rebstock“ im Elbepark hat heute eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der er dem "selbsternannten Weinexperten" Hausverbot für seine Geschäfte ausspricht.

Hier die Mitteilung in voller Länge:

Ab sofort: „Hausverbot für selbsternannten Weinexperten!“
Vinothek-Besitzer lockt mit frischem Federweißen und kritisiert Winzer-Debatte um Sachsenwein

Trotz geringer Erntemengen bietet Ralf Walter jetzt Federweißen aus garantiert „reinen sächsischen“ Trauben an: Der Geschäftsführer der Sächsischen Vinothek mit den drei Weinfachgeschäften „Sächsische Vinothek“ an der Frauenkirche, dem „Wettiner Weinlädchen“ an der Brühlschen Terrasse sowie „vom Rebstock“ im Elbepark hat aus sächsischen Müller-Thurgau-Trauben frischen Federweißen gekeltert. Die ersten neuen Tröpfchen des Jahres 2010 bietet Walter ab morgen in den drei Geschäften zur Verkostung und zum Verkauf an. Gleichzeitig übt der Winzer und renommierte Weinhändler heftige Kritik an der aktuellen Debatte um die sächsischen Weine.

„Trotz der bekanntermaßen geringen Erntemenge in diesem Jahr habe ich wieder einen Federweißer aus Müller-Thurgau im Angebot. Umso mehr ärgert mich, wie ein selbsternannter Weinexperte, der zudem unter uns Winzern seit langem nicht das beste Ansehen hat, den Ruf nicht nur eines kompletten Berufsstandes, sondern des gesamten sächsischen Weines so derartig in den Schmutz ziehen kann. Erschreckend ist aber auch, dass sich dann auch noch eine große deutsche Boulevardzeitung diesen Blödsinn zu eigen macht, anstatt auf die im Pressekodex geforderte Objektivität im Journalismus zu setzen“, so Ralf Walter empört. Die Rede ist von dem hinlänglich bekannten sächsischen Hobby-Winzer, der kürzlich in der Zeitung behauptete, sächsische Weine seien „gepanscht“. „Bei dem von ihm kritisierten Wein geht es eindeutig um ein Produkt, das überdeutlich nicht als sächsischer, sondern als deutscher Wein sowohl vorne, als auch hinten auf dem Etikett deklariert ist. Wer lesen kann, ist eigentlich immer im Vorteil! Ich stehe voll und ganz hinter der für diesen Wein angeprangerten Sächsischen Winzergenossenschaft Meißen. Von Täuschung der Kunden kann hier keine Rede sein“, erläutert Walter und verweist auf eine ganze Reihe renommierter sächsischer Weingüter, die ebenfalls Weine aus dem gesamten Bundesgebiet in ihrem Sortiment führen, ohne dass jetzt auf einmal ein „Hexentanz“ beginnt.

Gegenüber dem Winzer, der wider besseres Wissen das eigene Haus, also die eigenen sächsischen Weine beschmutzt und damit nicht nur dem Ruf des angeprangerten Betriebes, sondern dem Ruf des gesamten sächsischen Weinbaus schadet, zieht Ralf Walter nun klare Konsequenzen: „Dieser Winzer hat ab sofort Hausverbot in allen meinen drei Geschäften, meiner Straußwirtschaft sowie auf meinem Weinberg in Radebeul!“

Weitere Informationen unter: www.saechsische-vinothek.de

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