Video zum Wochenende: „P2 – Leben und lieben in der Platte“

Von 6 ,

Mal wieder ein Eintrag in unserer unregelmäßigen Rubrik "Video zum Wochenende": Es gibt so Dinge, da fehlen einem die Worte. Und die Argumente. Was ist eigentlich so abstoßend an diesem "We are Family"-Format?

Der familienfreundliche Fernsehsender ProSieben hat jedenfalls in dieser Woche ein "We are Family"-Spezial aus Dresden gesendet. Genauer: aus dem Dresdner Stadtteil Gorbitz.

Zitat aus einem der einstündigen Beiträge, die von Montag bis Freitag um 16 Uhr zu sehen waren (Teil 5 läuft heute noch):

"Plattenbaugebiet Gorbitz. 25.000 Menschen auf gut zwei Quadratkilometern. Wie stellen sich die Menschen ihren Schicksalen?"

Eine Frage, die Macher und Sender eigentlich gar nicht interessiert. Sie ist nur vorgeschoben, um die skurilen Gestalten aus "Dresden, der vielleicht widersprüchlichsten Stadt Sachsens" (Zitat aus den Sendungen) zu zeigen. Zeigen? "Um sich an deren Elend zu laben", wäre wohl eher die richtige Formulierung.

Aber gut, mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich eh um sogenannte Scripted Reality, also Laienschauspieler, die ihr Gesicht hergegeben haben und "nur" eine Rolle spielen. Denen offenbar egal ist, was man über sie denkt. Und die nicht realisieren, dass ihre Schauspielkünste gar nicht gefragt sind.

Und doch fragt man sich: Dürfen Medien unter dem Deckmäntelchen des Boulevard oder der obskuren Form der DokuSoap eigentlich alles?

Weil die Videos hier nicht einzubinden sind, hier eine kurze Vorstellung einiger der "Hauptdarsteller" - alles Sreenshots stammen aus den Beiträgen der Mediathek bei ProSieben. Aber Achtung, die Beiträge sind nur noch sieben Tage nach Ausstrahlung im Netz!

Die eingeblendeten Kurz-Charakterisierungen der Protagonisten sagen im Grunde genug aus über den Inhalt und die Form der Unterhaltung durch die fünf Folgen von "P2 – Leben und lieben in der Platte" - und die Sicht der Autoren (Journalisten will man da nicht mehr sagen T. Hinz, A. Daub und V. Fröhlich) auf Dresden-Gorbitz.

Alle fünf Teile von "P2 – Leben und lieben in der Platte" finden sich in der Mediathek von Pro7 - und wer sich beeilt: Teil 5 ist heute um 16 Uhr in Ihrem Fernseh-Apperat zu sehen.

6 Kommentare
  • Martin
    September 24, 2010

    Grotesk und abstoßend. Unglaublich, was sich in den vielleicht zehn Jahren getan hat, die ich nun Fernsehen verweigere.

    Werden die Schauspieler für diese Dialoge bezahlt?

    Was für ein Bild, das hier von Dresden vermittelt wird...

  • Muyserin
    September 24, 2010

    Man könnte jetzt polemisch anmerken, dass es natürlich viel bequemer ist, sich mit Sarrazin über „die Aulsänder“ zu echauffieren, als sich der Wahrheit im eigenen Land (dem „eigenen Volk“) zu stellen.

    „We Are Family“ generell unter Scripted-Reality-Verdacht zu stellen, scheint mir angesichts der Grimme-Preis-Nominierungen für unausgewogen. Das Format kann so oder so ausfallen.

    Mir ist die Kritik in Ihrem Beitrag zu diffus. Für mich (die die Folgen nicht gesehen hat) leitet sich allein anhand der Taglines auf den Screenshots noch kein Voyeurismus der Macher ab. Vielleicht wäre es interessant zu wissen, wie diese Menschen sich selbst mit wenigen Stichworten charakterisieren würden. Entscheidend ist letztlich nicht die soziale Stellung der Porträtierten, sondern wie sie sich in ihr behaupten.

  • ina
    September 24, 2010

    Ich habe nur eine Folge gesehen und bin (schon weil ich in Dresden wohne) echt schockiert. Man hat den Eindruck als würde Dresden oder der Osten mal wieder als komplett asozial hingestellt werden. Ist ja auch einfacher als nach interessanten Geschichten zu suchen.
    Traurig, vor allem weil es viele so auch glauben.

  • sWEUz2Jf
    September 24, 2010

    Die Protagonisten wissen wahrscheinlich garnicht, worauf sie sich einlassen - und kommen dann aus dem Knebelvertrag nicht wieder raus.
    siehe http://fernsehkritik.tv/blog/2010/02/schluss-mit-den-grundrechten/

  • Daniel
    September 28, 2010

    Es handelt sich bei der Sendung nicht „wahrscheinlich“, sondern in der tat um Scripted Reality Format, sprich die Inhalte sind frei erfunden. Die Schwester eines mir Bekannten hat dort eine Mutter gespielt, total absurde Texte aufgesagt und dafür paar Euro bekommen. Auch wenn die Personen, die solche Sendungen produzieren und ausstrahlen verachtenswert sind, darf nicht vergessen werden, dass mit dem Anschauen einer Sendung diese Formate unterstützt werden. Solange sogar bei kritischen Beiträgen dazu der Hinweis kommt, wann man sich wo die Sendung anschauen kann, wird sich daran nichts ändern. Ich kann auch nicht sagen die BILD lügt, lest zum Beispiel Seite 9 in der gedruckten Ausgabe von heute. Nein, nur wenn die Inhalte bewusst nicht konsumiert werden, gibt es keinen Anreiz so etwas weiter herzustellen.

  • Muyserin
    September 30, 2010

    Ich habe meine Recherchen in klassischer Hausfrauenmanier aufgenommen und mir neben dem Abarbeiten eines riesigen Berges Bügelwäsche alle fünf Teile 'reingezogen.

    Ich empfand weniger die Darstellung der Porträtierten diffamierend, als die Erzählweise, die sich aus Schnitt und Voice-Overs ergab: bis zur Verblödung wurden die „Fakten“ wiedergekäut, als ob der Zuschauer sich die wirklich simplen Handlunsgsstränge nicht über die Dauer einer Folge merken könnte.

    Ob es sich um Scripted Reality handelt, vermag ich nicht zu beurteilen.

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