Arbeitsstelle Vergütung: Ostdeutsche Zeitungen zahlen im Schnitt 30 Cent/Zeile (Update: 23.4.2011)

Die „Arbeitsstelle Vergütung” der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) hat die Vergütung von freien Journalisten in den neuen Ländern erhoben und veröffentlicht. Die Studie stellt fest, dass sich die Honorare für Freie Journalisten in den ostdeutschen Ländern - genau wie die generellen Marktverhältnisse in der Zeitungsbranche - von denen der alten Länder deutlich unterscheiden.

Wörtlich heißt es in der Studie:

"Die Spanne der in den neuen Bundesländern von Zeitungsverlagen im Jahr 2010 tatsächlich an freie, hauptberufliche redaktionelle Mitarbeiter gezahlten Zeilenhonorare ist beträchtlich und bewegt sich zwischen 5 Cent und 85 Cent pro Zeile. Das durchschnittliche Zeilenhonorar – über alle Auflagenzahlen hinweg – beträgt 30 Cent. Die jeweiligen Spitzenwerte werden oftmals nur in Ausnahmefällen gezahlt. Bei den Zeilenhonoraren von 80 Cent und darüber handelt es sich um Einzelwerte."

Die Zeilenhonorare hängen dabei von verschiedenen Faktoren ab wie der Auflage der jeweiligen Zeitung oder dem persönlichen Verhandlungsgeschick. Auch Tagespauschalen werden genannt, Zitat:

"Die in dieser Erhebung ermittelten Tagespauschalen liegen zwischen 75 Euro und 220 Euro. Die Höhe der Monatspauschalen liegt zwischen 255 Euro und 3.900 Euro. Diese ist nicht nur abhängig von der Auflage, sondern auch von der erbrachten Leistung und dem produzierten Text und beruht häufig auf individuellen Vereinbarungen."

Aufgrund der geringen Fallzahl sind diese Tagessätze aber nicht als Durchschnittswerte zu bertrachten, so die Studie.

Der Verband der freien Journalistinnen und Journalisten Freischreiber nennt die Zeilenhonorare "skandalös". Zitat aus der Meldung auf freischreiber.de:

"Will ein durchschnittlich bezahlter freier Mitarbeiter in Ostdeutschland auf 3000 Euro brutto im Monat kommen, muss er in dieser Zeit 10.000 Druckzeilen liefern. Das sind - bei 100 Druckzeilen pro Artikel - etwa fünf Dreispalter je Arbeitstag."

Die Meldung der Freischreiber trägt den Titel: "Skandalöse Zustände: Freie Tageszeitungs-Journalisten in Ostdeutschland erhalten im Schnitt 30 Cent pro Zeile".

Die Pressemitteilung der Europa-Universität Viadrina zur Studie trägt den Titel: "Medienrecht-Arbeitsstelle der Viadrina veröffentlicht erstmals Honorarliste für redaktionelle Texthonorare".

Die vollständige Studie als PDF ist hier zu finden.

Update 23.4.2011: Der Branchendienst "Meedia" hat einige Kritik an der Studie zusammengetragen. Zitat:

"Die Studie (...) eckt nicht nur mit ihrer Interpretation der von Gewerkschaften und BDZV vereinbarten "Gemeinsamen Vergütungsregeln" an. Das Papier weist zudem wissenschaftliche Schwächen auf."

Die "Meedia"-Geschichte trägt den Titel: "Massive Kritik an 'Frankfurter Honorarliste'".

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