Die „Königsmacher“: die sieben Mitglieder des MDR-Verwaltungsrats

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Der MDR-Verwaltungsrat (v.l.): Prof. Günther Graßau (stellv. Vorsitzender), Christian Schramm, Frank Möhrer, Dr. Jürgen Weißbach, Dr. Gerd Schuchardt (Vorsitzender), Birgit Diezel, Dr. Karl Gerhold; Foto: MDR/Berger

So langsam wird es ernst: Für heute (22.8.2011) 17 Uhr ist laut "Fahrplan" die erste Sitzung des MDR-Verwaltungsrats angesetzt, um über potentielle Nachfolger von Intendant Udo Reiter zu diskutieren.

Der von dem Gremium selbst - noch vor ersten Erkenntnissen zur Foht-Affäre festgelegte - Fahrplan sieht vor, dass in der heutigen ersten Runde nur potentielle Bewerber ermittelt werden - man will auswählen, wen man sich genauer anschaut.

(Lesehinweis am Rande: Die "Thüringer Allgemeine" hat heute die vier Kandidaten genauer vorgestellt, die derzeit in der Branchenpresse gehandelt werden: "Vier Kandidaten für einen Intendanten-Stuhl beim MDR"; mehr dazu auch in unserem Intendanten-Wiki bei den "genannten Kandidaten".)

Die potentiellen Nachfolger können dann in einer weiteren Sitzung des Verwaltungsrats am 5.9.2011 persönlich ihre Konzeptionen für die Zukunft des MDR vorstellen - sofern der Fahrplan nicht aufgrund der Foht-Affäre durcheinander gewirbelt wird. Am 26.9.2011, so die bisherige Planung, könnte dann der MDR-Rundfunkrat mit seinen 43 Mitgliedern über den oder die Kandidatin abstimmen. Der oder die neue Intendantin benötigt in beiden Gremien eine 2/3-Mehrheit. Sollte Vorschlag Nr. 1 im Rundfunkrat nicht gut ankommen, kann der Verwaltungsrat im Monatsrhythmus weitere Kandidaten anbieten.

Aber wer sitzt da eigentlich im Verwaltungsrat und wählt aus, wen der Rundfunkrat zur Abstimmung hingeworfenvorgestellt bekommt? Welche Hintergründe haben die sieben Mitglieder dieses Verwaltungsrats, welche Motivationen - und nach welchen Kriterien wählen sie aus?

Gerade die Frage nach den Kriterien kann wohl nur jedes Mitglied für sich selbst beantworten. Was von außen allerdings geht: Man kann sich die sieben Personen einmal näher anschauen. Das haben wir gemacht (die Namen sind mit den Seiten im Intendanten-Wiki direkt verlinkt, wir bringen hier nur ein Extrakt. Wichtig: Alle Ergebnisse basieren auf einer reinen Internet-Recherche*).

Hier die Übersicht über den Verwaltungsrat des MDR:

  • Vorsitzender ist Dr. Gerd Schuchardt, Jhrg. 1942, ehemals aktiver Landespolitiker in Thüringen. U.a. war er Fraktionsvorsitzender der SPD im Thüringer Landtag und ab 1994 stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur in der Großen Koalition unter Ministerpräsident Bernhard Vogel. Seit 2004 ist er nicht mehr aktiv in der Landespolitik. Die MDR-Pressemitteilung zu seiner Wahl als Vorsitzenden des Gremiums gab seine aktuelle Berufsbezeichnung mit "Universitätsrat der FSU Jena" an (vgl.: "Dr. Gerd Schuchardt Verwaltungsrats-Vorsitzender des MDR").
  • Prof. Günther Graßau, Jhrg. 1958, ist stellvertretender Vorsitzender des Gremiums. Er ist hauptberuflich Professor an der Fachhochschule Mittweida, gehört also wohl im weitesten Sinne zur AMAK-Clique. Er ist die einzige Person im Verwaltungsrat mit direkter Erfahrung in der Medienproduktion. Vor seinem Wechsel nach Mittweida arbeitete er zehn Jahre lang als Leiter des Programmbereichs Fernsehen im MDR Landesfunkhaus Sachsen - davor war er beim NDR tätig.
  • Birgit Diezel (CDU), Jhrg. 1958, amtierende Präsidentin des Thüringer Landtags und wohl eine der mächtigsten Frauen des Freistaats. Vorher war sie unter MP Althaus Finanzministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin Thüringens - sie galt zeitweise als potentielle Nachfolgerin von Althaus. Diezel wurde anstelle von Peter Zimmermann, Staatssekretär für Medien und Regierungssprecher Thüringens, gewählt.
  • Frank Möhrer, Jhrg. 1955. Er wird beim MDR in seiner Funktion als Vorstand des Beirat der Wirtschaft e.V., kurz BdW, geführt - einer Mittelstandsvereinigung, die sich u.a. für Nachhaltigkeit ausspricht. Möhrer war zuvor schon Mitglied im MDR-Rundfunkrat (seit 1999), dort als Vertreter der Arbeitgeber in Sachsen. Bis 1998 war er Regierungssprecher der CDU-Regierung in Mecklenburg-Vorpommern, bevor er nach Sachsen wechselte.
  • Christian Schramm (CDU), Jhrg. 1952, amtierender Oberbürgermeister der Stadt Bautzen, Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebunds wie auch Präsident des Sächsischen Städte- und Gemeindetages. Zur Wende Mitbegründer des Neuen Forums in Bautzen, seit 1990 Mitglied der CDU.
  • Dr. Karl Gerhold (CDU), Jhrg. 1950, ist Gründer und Vorstandssprecher der GETEC AG, einem Energieunternehmen aus Sachsen-Anhalt. Er ist außerdem Schatzmeister des CDU-Landesverbands in Sachsen-Anhalt. Bevor er in die Wirtschaft wechselte, war er bis 1991 Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei des Landes und in dieser Funktion maßgeblich am Aufbau des MDR und der Abwicklung des DDR-Rundfunks beteiligt. Er ist Träger des Bundesverdienstkreuzes. Außerdem sitzt er im Aufsichtsrat der Bavaria Film in München, an der der MDR eine Beteiligung hält.
  • Dr. Jürgen Weißbach, Jhrg. 1938, war Chef des DGB in Sachsen-Anhalt, bis er 2003 in den Ruhestand ging. Er ist promovierter evangelischer Theologe. Von 1986 bis 1998 war er "Mitglied der Landesmedienanstalten Niedersachsen und Sachsen-Anhalt" (keine näheren Angaben, was "Mitglied" in diesem Kontext heißt - bezieht sich vermutlich auf Gremientätigkeit).

Halten wir fest: Der Großteil der Gremiumsmitglieder stammt aus der Politik - wobei schon sehr begrüßenswert ist, dass Wirtschaftsvertreter mit dabei sind.

Konkret entscheiden über den Intendanten-Kandidaten:
- zwei ehemalige stellvertretende Ministerpräsidenten (1xSPD, 1xCDU),
- ein ehemaliger Leiter einer Staatskanzlei (CDU),
- ein ehemaliger Regierungssprecher (CDU),
- ein amtierender Bürgermeister (CDU)
sowie
- ein Medien-Professor (der selbst im MDR tätig war) und
- ein Ex-DGB-Chef.

Unterstellt man Graßau eine gewisse CDU-Nähe (was man aufgrund seiner vorherigen Tätigkeit wohl tun könnte), sollte der oder die künftige MDR-Intendantin, ähm, wie sagen wir es... naja, das denke sich jeder selbst.

Konkret richtig "Medien gemacht" und also den Betrieb von Innen kennengelernt, hat nur Graßau. Aber muss man das Wissen in so einem Gremium überhaupt haben, um den künftigen Intendanten auszuwählen? Was genau für ein "Typ" Führungsperson wird denn gesucht? Welche Qualitäten sollte er oder sie mitbringen (lesen Sie dazu auch im Flurfunk-Wiki die Seite "Herausforderungen")?

Man wäre gern dabei, wenn die Runde heute tagt, und würde sich das Schauspiel gern näher anschauen. Wie bekommt man seinen Favoriten durch? Sind die in der Presse vorgestellten Kandidaten auch wirklich die, über die diskutiert wird? Gibt es überhaupt eine Diskussion - und spielen Kompetenzen dabei eine Rolle? Wie will man die bewerten?

Glaubt man der Presseberichterstattung, haben nahezu alle Mitglieder der Runde einen Auftrag im Gepäck - es dürfte dabei keineswegs Einigkeit herrschen. Zu berücksichtigen ist auch, dass die finale Entscheidung beim Rundfunkrat liegt - und auch wenn es der eine oder andere als "peinlich" bezeichnen würde, erscheint durchaus möglich, dass der oder die erste Kandidatin abgelehnt wird. Es bleibt spannend.

Lesen Sie außerdem im Flurfunk-Intendanten-Wiki:

*Sollten Fakten in unseren Ergebnissen nicht stimmen, korrigieren wir uns gern. Wir bitten bei der Bewertung der Ergebnisse zu berücksichtigen, dass es sich um eine reine Internetrecherche handelt - die Einordung mithilfe von Branchenkennern usw. ist nur rudimentär erfolgt. Gern korrigieren wir uns - wir bitten um Hinweise!

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