Ein besonderes Verhältnis: die „DNN“ und die Zwingerfestspiele

Von 8 , ,

Eene, meene, muh und raus bist du – zumindest dürfte sich "DNN"-Chefredakteur Dirk Birgel heute morgen (23.09.2011) so gefühlt haben, nachdem er die anderen Dresdner Tageszeitungen gesichtet hatte. Überall großes Thema im Lokalteil: Die Rettung und damit verbundene Zukunft der Dresdner Zwingerfestspiele. Nur in der "DNN" keine Neuigkeiten über die Festspiele - dabei war die Zeitung doch sonst immer ganz vorn, wenn es um exklusive Nachrichten zu dem Groß-Event ging?

Haben die "DNN"-Redakteure etwa gepennt?

Gegen Mittag twitterte Birgel dann:

Da stellt sich die Frage: Wollten die Macher (eine Zusammenarbeit der Dresden Tourismus GmbH und des Tourismusverband Dresden e.V.) der Zwingerfestspiele nicht, dass die "DNN" darüber berichtet?

Offenbar. Denn laut FLURFUNK-Informationen wurden gestern die Redaktionen anderer lokaler Tageszeitungen telefonisch über die Neuigkeiten der Zwingerfestspiele informiert. Alle - bis auf die "DNN".

Ausschnitt aus der DNN vom 8.9.2011 - das Bild ist mit dem Original-Beitrag verlinkt.

Über die Hintergründe kann man nur mutmaßen - am Freitag Nachmittag war kein Vertreter der Zwingerfestspiele telefonisch für uns zu erreichen. Fakt ist, dass die "DNN" immer wieder und oft exklusiv und sehr kritisch über Zwingerfestspielen geschrieben hatte (ein Beispiel rechts). Anscheinend wollte man sich auf Veranstalterseite jetzt revanchieren.

Das zeugt von großer Dünnhäutigkeit auf Seiten des Veranstalters - oder, wenn man es anders ausdrücken will: Unprofessionalität. In jedem Falle pflegt man dort ein sehr seltsames Presseverständnis.

Man darf gespannt sein, wie die "DNN" in den nächsten Tagen mit dem Thema umgeht.

8 Kommentare
  • Martin Morgenstern
    September 23, 2011

    Die "Rettung der Zwingerfestspiele" - bei dieser Formulierung wird mir etwas mulmig. Keine der Zeitungen, die ich heute gelesen habe, haben auch nur irgendeinen kleinen investigativen Anteil in ihrer betulichen Berichterstattung über die angebliche "Rettung" der Festspiele. Nein, getreulich "berichtet" man, was Herr Sander huldvoll am Telefon an Information spendet.

    Ich warte noch. Auf den Journalisten, der das Finanzierungsmodell der Festspiele einmal kritisch hinterfragt. Der die Namen der zwölf "Retter" nennt - und erklärt, wer sich hier warum gerade so noch mal aus der juristischen Schlinge gezogen hat, mit der Insolvenzverschleppung §15a InsO und schlimmerem bereits am Horizont.

    Das Problem beobachte ich seit längerem: Schnelligkeit gilt den Redaktionen mehr als Investitionstiefe. Die DNN hat wenigstens schon mal laut die Frage gestellt, wie solide ein Finanzierungsmodell denn sein kann, das mit einer Auslastung von 100 Prozent rechnet - und dann ein Viertel der Karten kostenlos abgibt, damit die Festspiele nicht so leer aussehen.

  • Sue
    September 23, 2011

    Der Autor scheint nicht zu wissen, dass im Bermudadreieck Birgel-Niemeyer-Raeder zuvor so einiges nicht koscher lief. Sorry, kann die Veranstalter verstehen.

  • Kurt Manus
    September 23, 2011

    Der Umgang mit der "kritischen" Presse ist einfach lächerlich. Das spornt doch jeden guten Journalisten an nachzuhaken und bei so vielen "Leichen im Keller" sollte es nicht schwer sein Quellen zu finden. Siehe Bezahlung der Komparsen. Im Magen liegt mir aber der Umgang mit den Spendern. Diese tun nichts Unrechtes, wenn Sie dem Verein Ihr Geld uneigennützig geben. Selbst wenn dieser damit Defizite ausgleicht. Sie müssen deshalb nicht Ihre Identität nennen, denn es ist ihre Privatsache. Allerdings besteht ein Unterschied zwischen den drei Gönnern und den anderen Gebern, die Ihr Geld als Darlehen geben und es sicher verzinst wiedersehen wollen. Da wird von Mäzenatentum nicht viel zu spüren sein und das sollten Journalisten auch wissen, die eine fünfstellige Finanzspritze von Herrn Sander vermelden, als wäre das ein besonderes bürgerschaftliches Engagement. Als Geschäftsführer steht Herr Sander nämlich in Verantwortung und hätte bei einer Insolvenz viel mehr zu verlieren, als ein normaler Angestellter. Völlig überraschend ist für mich allerdings, das die Stadt Dresden nicht Geld nachgeschossen hat. Das ist doch schon geübte Praxis, es sein denn einige der Darlehensgeber waren mal wieder städtische Betriebe. ;)

  • owy
    September 23, 2011

    @Sue Was bedeutet "nicht koscher"? Die "DNN" hat kritisch berichtet und das passte den Veranstaltern nicht?
    So oder so, eine Zeitung von solchen Infos wie heute auszunehmen, ist unprofessionell. Das fällt auf den Veranstalter zurück.

  • Johannes Lohmeyer
    September 24, 2011

    Nun ja, die Grenzen zwischen "kritisch" und "tendenziös einseitig" liegen ja bei jedem wonaders....

  • owy
    September 24, 2011

    @Johannes: Das ändert nichts an der Einschätzung oben: Wer mit der gefühlt tendenziellen Medienberichterstattung nicht arbeiten kann, sollte sich vielleicht einfach nicht an so ein Großevent wagen.

  • randOM
    August 29, 2012

    Gibt es denn schon Informationen zur DTG bzw. was der Grund für die Kündigung der Verträge durch die Stadt ist? Die Zwingerfestspiele haben sicher ihren Anteil dran...
    http://www.dresdner-rand.de/dresden-tourismus-im-umbruch/

  • owy
    August 29, 2012

    Habe mal bei Dir im Blog geantwortet.

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