Fall Schavan: Rektor der Universität Düsseldorf fordert Entschuldigung von Kurt Biedenkopf

Der Rektor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Prof. Dr. Dr. H. Michael Piper, hat einen öffentlichen Brief an Prof. Dr. Kurt Biedenkopf geschrieben und darin eine Entschuldigung gefordert.

Hintergrund ist ein Text Biedenkopfs in der "Welt" vom 9.2.2013 über das Plagiatsverfahren gegen die ehemalige Bildungsministerin mit Titel: "Der wirkliche Skandal in der Causa Schavan".

Wörtlich schreibt Prof. Piper in seinem Brief an Biedenkopf:

"Sie erwecken erstens den Eindruck, dass Gutachter und Fakultät die ehemalige Studentin in Ihrem Prüfverfahren durchgängig als 'CDU-Politikerin' bezeichnet hätten und diese Charakterisierung ihr Vorgehen geleitet habe. Dies entspricht selbstverständlich nicht der Wahrheit und grenzt an üble Nachrede.

Der zweite Punkt ist noch gravierender: Ihren Artikel durchzieht die Darstellung, dass der Berichterstatter des Promotionsausschusses, Herr Prof. Rohrbacher, von auffälligem 'Eifer' beseelt war, „die ‚CDU-Politikerin‘ und ihr Tun besonders streng zu bewerten'. Und weiter: 'Er lässt sich dazu hinreißen, die Entstehung der Regelverletzungen […].“

Diese Wortwahl und das erfundene Zitat ('CDU-Politikerin') empfinde ich als ehrabschneidend gegenüber dem Professor unserer Universität, der sich bei seiner Arbeit ausschließlich von wissenschaftlichen Prinzipien leiten ließ. Ich erwarte Ihre Entschuldigung."

Der Brief ist auf den Seiten der HHU zu finden. Dort findet sich außerdem ein Brief des HHU-Rektors an Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker - als Reaktion auf einen Artikel in der "Süddeutschen Zeitung" (beides ebenfalls auf der HHU-Seite verlinkt).

Biedenkopf hatte in seinem Text vom 9.2.2013 schwere Vorwürfe gegen die Beteiligten am Prüfverfahren erhoben und den korrekten Verlauf des Verfahrens gegen Schavan in Frage gestellt. Wörtlich schrieb er:

"Genauer betrachtet haben die Professoren die erhoffte Anerkennung ihrer Standfestigkeit und ihren bleibenden Ruhm als Aufrechte vor Königsthronen jedoch mit der Verletzung ihrer wissenschaftlichen Sorgfaltspflicht erkauft. Im Grunde hatten sie Angst vor dem Urteil einer Öffentlichkeit, die sie durch ihre frühzeitigen Äußerungen selbst auf den Plan gerufen hatten."

Der "Welt"-Text von Prof. Kurt Biedenkopf findet sich hier: "Der wirkliche Skandal in der Causa Schavan".

Das Blog Erbloggtes hat zuerst über die Briefe geschrieben: "Düsseldorfer Rektor Piper antwortet Biedenkopf und Winnacker".

Im anonymen Schavanplag findet sich eine "Dokumentation" der mutmaßlichen Plagiate in Schavans Doktor-Arbeit.

3 Kommentare
  • Roswitha Schäfer
    Februar 18, 2013

    Ja. Genau! Die Versuche der Parteien, Einfluß auf Wissenschaft und Forschung zu nehmen - sind ein weiteres Anzeichen dafür, dass sie längst vergessen haben, was das Wort "Demokratie" auch bedeutet. Dieses Land scheint bei einigen das Gefühl hervorgerufen zu haben, es gehört ihnen, weil ein paar Hanseln diese Leute mal gewählt hatten, blind wie sie waren. Gut so, dass die Entschuldigung von Biedenkopf gefordert wird! Mal sehen, wie er sich herausredet.

  • Wer nichts zu verbergen hat
    Februar 19, 2013

    Düsseldorf hat sich mit diesem Verfahren ganz allein lächerlich gemacht, mit seiner Weigerung, Fehler zuzugeben:"An anderen Hochschulen sind auch Indiskretionen passiert.", seiner Weigerung nach Transparenz und jetzt kommt noch dazu diese unerträgliche Arroganz. Ein bundesweites Regelsystem, das Qualitätskontrolle der Gremien möglich macht- auf kenen Fall, das wollense nicht.
    Zu den Vorwürfen des Fakultätsrates, zwei der Studenten haben nach dem Verfahren wie Popstars einer großen Tageszeitung Interviews gegeben. Ahnung von Inhalten habe man natürlich keine gehabt und selbst habe man noch nicht einmal den Bachlor geschrieben. Brauche man aber auch alles nicht. Die Schavan, meinte der eine, mache sich mit ihrem Verhalten lächerlich.
    So gut der Rücktritt dieser "Dame" ist, so logisch folgt auf das Vorgehen dieser Universität die unmissverständliche Kritik. Ein Direktor, der dazu nichts klügeres zu tun hat und wie ein trotziges Verschulkind mit den Backen plustert, der hat seine Verpflichtung eklatant verkannt. Vielleicht sollte ja mal einer die Qualifikation des Herrn Dekan überprüfen.

  • Conny W
    März 26, 2013

    Werte Roswitha, Sie beschreiben mit Ihren Forderungen ganz vortrefflich die Züge einer faschistsichen Ideologie. Ist es das, was man heute an den roten Universitäten lernt? Absolute Obrigkeitshörigkeit und Kadergehorsam? Wissenschaftliche und fachliche Kritik ist bei Ihnen und Ihren Anhängern also mit einer öffentlichen Entschuldigung und öffentlicher Demütigung zu ahnden und wenn das nichts hilft, zerrt man die Leute eben vor das nächstbeste Gericht? Immerhin gibt es ja noch Berufsverbot und Geldbußen.Konsequent wäre es doch, in bereits vorhandene Oasen dieser rot-grünen Oasen auszuwandern, einen Umzug nach Nordkorea wollen die ganzen wackeren Schreiber dann auch wieder nicht.

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