Kritik an Ausschreibung für Dresden-Jahreskampagne: „Ist das alles seriös?“

Screenshot von den Ausschreibungen bei Vergabe24.

Screenshot von den Ausschreibungen bei Vergabe24.

Harte Kritik am Ausschreibeverfahren der Dresden Marketing GmbH (DMG): Ulrike Lerchl, Geschäftsführende Gesellschafterin bei Oberüber und Karger, stellt in einem Statement die Seriösität der Ausschreibung für die kommenden Dresden-Jahreskampagne in Frage.

Insbesondere die Kürze der Zeit, um entsprechende Kreativ-Vorschläge zu machen, und die hohen Anforderungen, um überhaupt an der Ausschreibung teilnehmen zu können, wecken Zweifel, so Lerchl, ob die Ausschreibung ernst gemeint sei - oder ob nicht vielmehr "eine Ausschreibung auf die betreuende Agentur angepasst (wurde), damit der bisherige Gang der Dinge bleibt, damit gefällige, uninspirierende Kampagnen weiter langweilen?"

Bisheriger Etathalter ist die Dresdner Agentur Markenteam.

Wörtlich schreibt Lerchl (Auszug, das vollständige Schreiben finden Sie unten):

"Wer verantwortet das, womit sich Dresden in den nächsten Jahren der internationalen Öffentlichkeit präsentiert? Gerne stehen wir für Ideen zur Verfügung, gerne bringen wir uns und unser Netzwerk ein, um Dresden noch attraktiver zu machen. Aber an einer Ausschreibung mit diesen Rahmenbedingungen, liebe Frau Dr. Bunge, werden wir uns unter keinen Umständen beteiligen."

Bei den Kollegen von Sputnika sind die Vorwürfe schon seit heute Vormittag zu lesen – dort sind auch weitere Stimmen (u.a. in den Kommentaren) aus der Agenturszene zu finden, die vor allem die Kurzfristigkeit für die Bewerbungszeit kritisieren.

Inzwischen liegt auch eine schriftliche Reaktion von Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH, zu den Vorwürfen vor (das komplette Statement finden Sie ebenfalls unten).

Darin heißt es:

"Das Dresden Magazin und die touristische Jahreskampagne haben wir über die Auftragsberatungsstelle Sachsen e.V. ausgeschrieben. Damit sind wir an die Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen (VOL/A 1. bzw. 2. Abschnitt) und an das sächsische Vergabegesetz gebunden.

Dadurch wird unter anderem die Ausschreibungsfrist für europaweit ausgeschriebene Projekte von 40 Tagen vorgeben, wie wir es beim Dresden Magazin handhaben (06.05.-16.06.2014). Auch zu dem weiteren Verfahren haben wir uns mit der Auftragsberatungsstelle Sachsen e.V. abgestimmt und uns so bspw. entschieden, in einem ersten Schritt Grobkonzepte bzw. Ideen abzufragen, die nach einem Kriterienkatalog von uns bewertet werden. Daraus werden vier Agenturen ausgewählt, die in einem zweiten Schritt ihre Konzepte persönlich präsentieren."

Hier finden Sie die Berichterstattung bei sputnika vom 26.5.2014 (heute): "Es rumort in der Szene - Zweifel am Auschreibungsverfahren!"

Im folgenden Dokumentieren wir die Kritik von Ulrike Lerchl von Oberüber & Karger, weiter unten folgt die Stellungnahme der DMG:

"Qualität für Dresden | Ausschreibung DMG

Auf »Sputnika« fanden wir die Ausschreibung der DMG.
Drei Kampagnen für die kommenden Jahre. Eine richtig coole Aufgabe für Agenturen, eine geniale Chance für die Stadt, in der wir leben und kreativ sind, Kommunikation national und international zu verantworten.

Dann schauen wir uns die Ausschreibung genauer an. Und je mehr wir uns mit dem Inhalt der Ausschreibung beschäftigen, kommen Zweifel.
Warum ist der Zeitraum für die Entwicklung der Kampagnen, bis zur Abgabe der Entwürfe, so kurz?
Warum dürfen die Agenturen nicht persönlich präsentieren sondern müssen ihre Konzepte schriftlich einreichen?
Warum ist kein Honorar vorgesehen, nicht einmal für die, die später in die engere Auswahl kommen?
Warum muss eine Agentur, die diese Kampagnen entwickelt, mehrere Tourismus-Kampagnen nachweisen?
Jeder Marketing-Verantwortliche dieser Republik weiß, dass man nicht in einer Branche gearbeitet haben muss, um für Kunden Ideen entwickeln und diese professionell umzusetzen zu können.
Warum müssen gar Auszeichnungen in dieser Branche vorliegen?
Wäre es nicht ein Anspruch, für die zu entwickelnden Kampagnen gemeinsam Preise zu gewinnen?

Die Fragen häufen sich: Ist das alles seriös? Ist das tatsächlich im Sinne der Stadt?

Eine Frage reiht sich an die andere und wir ziehen langsam in Zweifel, ob es hier tatsächlich darum geht, kreative Konzepte für Dresden zu entwickeln, damit wir im Wettbewerb der Städte global punkten, unverwechselbar sind, Strahlkraft für Touristen und Fachkräfte haben, Appetit machen auf uns und das, was sich auch an kreativem Potenzial in Dresden entwickelt?
Wollen wir zeigen, dass Gäste hier willkommen sind und wir diese Kultur auch jeden Tag leben?

Oder wurde hier eine Ausschreibung auf die betreuende Agentur angepasst, damit der bisherige Gang der Dinge bleibt, damit gefällige, uninspirierende Kampagnen weiter langweilen?

Wer verantwortet das, womit sich Dresden in den nächsten Jahren der internationalen Öffentlichkeit präsentiert?
Gerne stehen wir für Ideen zur Verfügung, gerne bringen wir uns und unser Netzwerk ein, um Dresden noch attraktiver zu machen.

Aber an einer Ausschreibung mit diesen Rahmenbedingungen, liebe Frau Dr. Bunge, werden wir uns unter keinen Umständen beteiligen.

Schade für Dresden, schade um diese wunderbare Chance für die kommenden Jahre Dresden nach vorn zu bringen, schade für verschenktes Vertrauen, schade um Kompetenz, schade um die Chance für Verantwortung und schade, dass es wieder einmal nicht um Qualität geht.

Ulrike Lerchl
Geschäftsführende Gesellschafterin Oberüber | Karger Kommunikationsagentur"

 

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Hier das Statement Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Dresden Marketing GmbH:

„Zurzeit haben wir drei Projekte in der öffentlichen Ausschreibung, und zwar a) für Gestaltung, Druck und Vertrieb des Dresden Magazins 2015, optional 2016/17 (in einem Los), veröffentlicht auf www.Vergabe24.de sowie www.TED.europa.eu, b) für die touristische Jahreskampagne 2015/16, optional 2017 (Kreativleistung und Umsetzung in zwei Losen) veröffentlicht auf www.Vergabe24.de sowie c) für den Online-Veranstaltungskalender auf www.dresden.de, veröffentlicht ebenfalls unter www.vergabe24.de.

Das Dresden Magazin und die touristische Jahreskampagne haben wir über die Auftragsberatungsstelle Sachsen e.V. ausgeschrieben. Damit sind wir an die Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen (VOL/A 1. bzw. 2. Abschnitt) und an das sächsische Vergabegesetz gebunden.

Dadurch wird unter anderem die Ausschreibungsfrist für europaweit ausgeschriebene Projekte von 40 Tagen vorgeben, wie wir es beim Dresden Magazin handhaben (06.05.-16.06.2014). Auch zu dem weiteren Verfahren haben wir uns mit der Auftragsberatungsstelle Sachsen e.V. abgestimmt und uns so bspw. entschieden, in einem ersten Schritt Grobkonzepte bzw. Ideen abzufragen, die nach einem Kriterienkatalog von uns bewertet werden. Daraus werden vier Agenturen ausgewählt, die in einem zweiten Schritt ihre Konzepte persönlich präsentieren.

Jedes dieser drei Projekte ist für die Vermarktung Dresdens im In- und Ausland von zentraler Bedeutung. Dementsprechend hoch sind die Anforderungen, die wir dabei an die Bewerber stellen. Wir freuen uns über eine rege Beteiligung an den Ausschreibungen und sind gespannt auf die kreativen Vorschläge.“

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