Ohne viele Worte: nicht akzeptabel

Dass es in Lokal-Redaktionen ab und an hektisch zugeht, ist hinlänglich bekannt. Was uns aufmerksame Leser jetzt aber zugesandt haben, ist schon ein sehr merkwürdiger Zufall.

Konkret geht es um einen Bericht über ein Gewerbegebiet in Coswig. Am 14.10.2014 war die Geschichte erstmals in den "Dresdner Neueste Nachrichten" ("DNN") auf Seite 15 erschienen - Titel: "Coswig bezieht Prügel vom Rechnungshof" (nur mit Bezahlzugang zu lesen).

Zitat:

"Das hat es so noch nicht gegeben: Der Sächsische Landesrechnungshof (SRH) geht mit Coswig hart ins Gericht. Im gestern vorgestellten Jahresbericht kritisiert der SRH das frisch sanierte Industrie- und Gewerbegebiet in Kötitz, u.a. weil zu Unrecht Fördermittel geflossen seien. Damit steht auch die Landesdirektion Dresden in der Kritik, die diese Fördermittel bewilligt hat."

Am darauffolgenden Tag (15.10.2014) zieht auch der Wettbewerber nach, die "Sächsische Zeitung" (Ausgabe Coswig, Weinböhla, Meissen, S. 15). Titel der Geschichte: "Kritik an Steuermillionen fürs Zellstoffwerk" (ebenfalls nur mit Bezahlzugang zu lesen).

Dort ist dann zu lesen:

"Der Sächsische Rechnungshof (SRH) hat in seinem jüngsten Jahresbericht die Stadt Coswig in den schärfsten Tönen gerügt. In dem Papier kritisiert die Behörde das gerade sanierte Industrie- und Gewerbegebiet in Kötitz. Für die Arbeiten seien zu Unrecht Fördermittel an die Stadt geflossen, sagen die Rechnungsprüfer. Damit steht auch die Landesdirektion Dresden in der Kritik, die diese Fördermittel bewilligt hat."

Gut, sprachlich schon sehr dicht am Bericht vom Wettbewerber vom Vortag – könnte Zufall sein. Kann passieren. Kann passieren?

Dann vergleichen Sie mal die folgenden drei Stellen: Der linke Ausriss stammt immer aus dem "DNN"-Bericht, der rechte aus dem der "Sächsischen Zeitung".

Beispiel 1:

DNN-SZ-Vergleich

Beispiel 2:

DNN-SZ-Vergleich-II

Beispiel 3:

DNN-SZ-Vergleich-III

 

Die drei Stellen sind von uns ausgewählt. Tatsächlich gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Parallelen in den beiden Berichten in Wortwahl, Zitaten, vor allem aber im Aufbau, die den Leser sehr misstrauisch machen sollten. Beide Texte finden Sie unten, viel Spaß beim Vergleichen.

Um eine Stellungnahme zu den Ähnlichkeiten bei den beiden Berichten gebeten, teilt "SZ"-Chefredakteur Uwe Vetterick gegenüber Flurfunk Dresden mit, man habe den Vorgang intern ausgewertet und sich bei den "DNN" entschuldigt. Zwar habe es eine eigene Recherche gegeben, das Ergebnis sei für die "Sächsische Zeitung" aber natürlich nicht akzeptabel.

Hier finden Sie den kompletten Text aus den "Dresdner Neueste Nachrichten" vom 14.10.2014:

DNN-Radebeul

Hier finden Sie den kompletten Text aus der "Sächsischen Zeitung" vom 15.10.2014  (Ausgabe Coswig, Weinböhla, Meissen, S. 15):

SZ-15102014-Coswig

 

4 Kommentare
  • Heiko Frey, StattZeitung Dippoldiswalde
    Oktober 18, 2014

    Zwei Anmerkungen:
    Der SZ-Artikel scheint auf der Homepage von SZ-Online gelöscht worden zu sein. Weder "Zellstoffwerk" noch "Steuermillionen" wurden durch die Suchroutine gefunden.

    Eine andere Meinung habe ich zum Schwärzen des Verfassers hier beim Flurfunk. Ich glaube, dass jeder von uns auch die Verantwortung für sein Handeln übernehmen sollte. Und wenn mal was richtig in die Hose geht, darf man sich nicht hinter den Persönlichkeitsrechten verstecken. Dann sollte man einfach bzw. offensiv damit umgehen und vielleicht auch darüber berichten, warum das Dilemma passierte.

  • owy
    Oktober 19, 2014

    @Heiko Frey: Die Schwärzung ist freiwillig durch uns erfolgt und ohne Rückfrage von irgendjemanden. Die Überlegung war: Was sind die Konsequenzen für den Autoren, wenn der Name hier zu lesen ist? Wir haben uns dann sehr schnell zur Schwärzung entschieden.
    Das hier ist ein Blog, kein Pranger. Der Autor des SZ-Textes ist mit Erscheinen unseres Beitrages genug bestraft. Wir wissen nichts über die Gründe für sein Handeln. Es bringt niemandem etwas, wenn sein Name lebenslang mit dieser Geschichte in Verbindung steht.

  • Heiko Frey, StattZeitung Dippoldiswalde
    Oktober 20, 2014

    @owy: Die Überlegungen sind ehrenhaft und auch gut nachvollziehbar.
    Leider wurde mir persönlich diese Fairness nicht immer durch die lokalen Medien entgegengebracht, so dass hier meine Nachsicht gegenüber einer undifferenzierten Berichterstattung vielleicht etwas geringer ist.

  • stefanolix
    Oktober 20, 2014

    Solange die Beiträge inhaltlich in Ordnung sind, ist es meiner Meinung nach in erster Linie eine Angelegenheit der beiden Zeitungen untereinander. Ich vermute, dass dafür ein Anruf reicht. Die Öffentlichkeit wird ja nicht falsch informiert.

    Man weiß übrigens auch nicht, aus welchen Quellen sich die Journalisten bedient haben. Vielleicht haben beide die selben Aussagen auf einer Pressekonferenz notiert, die selben Pressemitteilungen gelesen etc. Natürlich klingt der zweite Artikel sehr ähnlich, aber der Schaden für uns als Öffentlichkeit scheint sich doch in engen Grenzen zu halten.

    Offen gesagt: Ich mache mir mehr Sorgen, wenn im redaktionellen Teil ganz offen Produkte vorgestellt werden (DNN) oder wenn mit Statistik freihändig-beliebig umgegangen wird (SZ). Es ist z. B. schon abenteuerlich, aus der Glücksumfrage »repräsentativ« auf ganz Sachsen zu schließen .

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