„Der Neue“ am IfK – Interview mit Prof. Dr. Sven Engesser

Prof. Dr. Sven Engesser ist, wie er selbst sagt, noch für einen Monat "der Neue" am Institut für Kommunikationswissenschaft (IfK) der TU Dresden. Höchste Zeit also, ihn und seine Arbeit im FLURFUNK-Interview vorzustellen.

FLURFUNK: Sie arbeiten ja nun schon einige Zeit am IfK. Sind Sie noch "der Neue"?

Sven Engesser: Am 1.10.2017 war mein Dienstantritt. Ich glaube das erste Jahr eines Professors ist wie die ersten 100 Tage einer neuen Regierung. Also ja, wahrscheinlich bin ich noch neu. Wenn das Jahr dann rum ist, fällt mein Welpenschutz dann endgültig weg, falls es den je gab.

FLURFUNK: Was hat Sie nach Dresden verschlagen?

Sven Engesser: Die TU Dresden nehme ich als aufstrebende Uni mit vielen Möglichkeiten wahr. Besonders die technische Perspektive finde ich spannend, weil beispielsweise eine gute Kooperation mit den MINT-Bereichen möglich ist. Darüberhinaus wird das IfK im deutschsprachigen Raum als kleines aber feines Institut wahrgenommen. Das hat mich gereizt.

FLURFUNK: Was sind denn Ihre Forschungsschwerpunkte?

Sven Engesser: Momentan habe ich zwei Schwerpunkte. Einerseits das Internet der Dinge. Wir erleben eine Ausweitung des Internets auf alle Bereiche des Lebens. Ob das nun Saugroboter sind oder Sprachassistenten. Mich interessiert vor allem die Frage, ob all diese Gadgets uns das Leben wirklich leichter machen oder ob wir diese neuen Möglichkeiten nicht eher als Einschränkung oder Stress wahrnehmen.
Mein zweiter Schwerpunkt ist die Populismusforschung mit Schwerpunkt auf Online-Populismus. Ich forsche, wie sich Populisten im Netz ausdrücken – und welche Auswirkungen das hat. Werden Menschen ausgegrenzt oder führt es gar zu einer Mobilisierung? Auch spannend ist die Frage, welche Erzählmuster Populisten verwenden, um ihre Ziele zu erreichen.

FLURFUNK: Das Sind ja schon sehr unterschiedliche Schwerpunkte...

Sven Engesser: Stimmt! In meiner Postdoc-Phase habe ich beide Dinge verfolgt, die Technik- und die Politische Kommunikation. Das sind Interessen von mir und ich bin mir sicher, dass beide Themen von großem Interesse für die Gesellschaft sind.

FLURFUNK: Planen Sie, sich in näherer Zukunft auf einen der beiden Punkte zu fokussieren?

Sven Engesser: Nein, das soll beides weiterhin parallel laufen. Ich habe für die nächsten Jahre schon verschiedene Projekte geplant. Vor allem sind beides Themen, bei denen kein Ende in Sicht ist. Man wird nicht in ein paar Jahren feststellen, dass nun plötzlich alles zu dem Thema erforscht ist. Im Gegenteil: Die Themen sind gerade erst im Kommen.

FLURFUNK: Und in der Lehre vermitteln Sie die gleichen Schwerpunkte?

Sven Engesser: Ja. Im vergangenen Jahr habe ich bereits ein Internet der Dinge-Labor eingerichtet. Dort hat unser Masterstudiengang dann Experimente mit Saugrobotern, Sprachassistenten oder smarten Trinkgefäßen durchgeführt. Das hat so gut funktioniert, dass das nun fester Bestandteil des Masterstudiengangs wird. Ebenfalls im Master biete ich ein Populismus-Seminar an.
Ich orientiere mich da an der Maxime Humboldts: Lehre und Forschung müssen Hand in Hand gehen. Durch die Lehre behalte ich als Professor die Bodenhaftung, die ich für die Forschung brauche. Und die Studierenden bekommen natürlich die neusten Forschungsergebnisse vermittelt.

FLURFUNK: Was für Experimente macht man denn in einem Internet der Dinge-Labor?

Sven Engesser: Ein kleines Beispiel zur Forschung rund um Sprachassistenten: Wir hatten eine Versuchs- und eine Kontrollgruppe. Beide sollten Kopfrechenaufgaben lösen. Bei der Versuchsgruppe stand eine Alexa mit im Raum, bei der Kontrollgruppe nicht. Bei der Versuchsgruppe haben technikaffine Menschen im Schnitt weniger Aufgaben gelöst. Die bloße Anwesenheit eines Sprachassistenten hat also schon Auswirkungen auf die kognitiven Fähigkeiten eines Menschen. Das waren spannende Erkenntnisse.

FLURFUNK: Sie haben schon mehrere Projekte geplant. Auf welches in nächster Zeit freuen Sie sich am meisten?

Sven Engesser: Wir haben das große Glück, als IfK teil eines EU-Projektes zum Thema Populismus zu sein. Insgesamt 9 Partnerinstitutionen aus ganz Europa sind involviert. Das sind alles Experten in ihrem Bereich und ich bin eben auch dabei. Da freue ich mich schon wahnsinnig auf den Austausch. Los geht’s im Februar.

FLURFUNK: Vielen Dank für das Interview!

Interview: Ben Kutz
Foto: Frank Brüderli

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