Wissenschaft ist zu einer Glaubensfrage geworden

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Eine Kolumne von Stephan Zwerenz.

Sicher ist im Internet jeder schon einmal auf Sätze gestoßen wie: „Alles Lüge? Sieh dir dieses Video an und urteile selbst!“ oder „So einfach kannst du die wissenschaftliche Lehrmeinung widerlegen.“ Natürlich weiß der aufgeklärte Internetbenutzer, wie er mit den vermeintlich seriösen Quellen „angesehener“ Wissenschaftler umgehen muss.

Doch es scheint, dass sich immer mehr Menschen zu sogenannten Alternativ- oder besser gesagt zu Pseudowissenschaften hingezogen fühlen.

Wissenschaft ist zu einer Glaubensfrage geworden und diese soll nun anscheinend auch politisch beantwortet werden, jedenfalls was den menschengemachten Klimawandel oder den Einsatz homöopathischer Arzneimittel betrifft.

Aber wie ist diese Skepsis zu erklären? Wieso haben die Menschen den Glauben in die Wissenschaft verloren? Und warum glaubt eigentlich jeder, Sachverhalte besser verstehen zu können als Menschen mit einem lebenslangen Expertenwissen?

Leugnung von Fakten zugunsten einer gefühlten Wahrheit

Ähnlich wie bei Anhängern von Verschwörungstheorien ist ein entscheidender Grund dafür die egomanische Selbstüberschätzung. Wenn sich etwa ein Egomane im Besitz einer besonderen Wahrheit glaubt, dann ist er von dieser Überzeugung nur schwer wieder abzubringen. Schließlich hat er sich ja gegen die verblendeten Massen erhoben, die willig an die Gehirnwäsche der machtbesessenen Eliten glauben.

Gereinigt kann der Wissende von nun an dem kapitalorientierten Treiben der Menschen entgegentreten, gestärkt durch ein neues Selbstwertgefühl, mutig und aufrecht, die neue Erkenntnis verbreitend.

Selbstverständlich ist auch das Erleben einer gefühlten Wahrheit viel intensiver als die Auswertung von trockenen Fakten und Statistiken. Es kann schon vorkommen, dass zum Beispiel Gespräche im Vollrausch zu bahnbrechenden wissenschaftlichen Erkenntnissen geführt haben.

Man sollte aber sein Erweckungserlebnis am nächsten Morgen schon noch einmal auf Gültigkeit überprüfen, bevor man die neuen Einblicke ungefiltert ins Netz entlässt. Es könnten weniger reife Geister an die vermeintliche Wahrheit glauben und so die ungewollten Possen auch noch verbreiten.

Klimaleugnung als Wahlprogramm

Als die „Alternative für Deutschland“ im Frühjahr 2016 ihr erstes Grundsatzprogramm beschlossen hatte, war es ein regelrechter Skandal, dass eine Partei, die vermutlich in den Bundestag einziehen werde, wissenschaftliche Erkenntnisse komplett verleugnet. Mittlerweile hat man sich bereits daran gewöhnt, ja vielmehr ist die Leugnung des menschengemachten Klimawandels neben der Flüchtlingspolitik zum wichtigsten Standbein der Partei geworden.

Obwohl sich Studien zufolge zwischen 90 und 97 Prozent der weltweiten Wissenschaftler*innen einig sind, dass der Klimawandel eine Folge des menschlichen Handelns ist, bleibt die AfD eisern und unbelehrbar in ihrer Meinung. Sie wissen es einfach besser und erfinden sich trotzig ihre eigenen Wahrheiten dazu, nur um die eigene Unwissenheit nicht eingestehen zu müssen. Um ihre gefühlsmäßigen Überzeugungen pseudowissenschaftlich zu unterlegen, werden mitunter krude Theorien und Ausreden herangezogen, die teilweise jeglicher Ernsthaftigkeit entbehren.

Wenn Überzeugungen nicht mehr hinterfragt und wissenschaftliche Erkenntnisse konsequent verleugnet werden, bewegen wir uns in der Sphäre des Glaubens. Die sollte in der Politik, in der es um irdische Prozesse und reale Konsequenzen geht, keine Rolle spielen.

Folgerichtig dürften Klimaleugner eigentlich nicht mehr an der Debatte über den Klimawandel beteiligt werden. Denn das wäre in etwa so, als würde man beim Thema Rentenpolitik behaupten, es gäbe keine Überalterung der Gesellschaft. Wohin soll ein solches Gespräch führen? Und welche sinnvollen Lösungen sollen daraus erwachsen?

Geistartige Wesen

Eine ähnliche Glaubensfrage, die bereits in die politische Sphäre Einzug gehalten hat, ist die der Wirksamkeit von homöopathischer Medizin. Nach über 220 Jahren homöopathischer Medizingeschichte wurde kein einziger Beweis gefunden, der darauf schließen lasse, dass Globuli tatsächlich wirken; zumindest nicht über den Placebo-Effekt hinaus.

Auch wenn dieser real ist und durchaus körperliche Reaktionen auslösen kann, ist das letztlich nicht auf das Medikament zurückzuführen, sondern vielmehr auf die Psyche des Patienten.

Schon die Herstellung von Globuli mutet wie Scharlatanerie an. Zuckerkügelchen werden mit einer stark verdünnten Substanz beträufelt. Je stärker die Verdünnung, desto stärker das Medikament. Das Geheimnis bei der Herstellung dieser Arzneimittel stecke allerdings im richtigen Schütteln und Klopfen der Flüssigkeit, so die homöopathische Logik.

Die Verdünnung ist mitunter so stark, dass von einem Wirkstoff auf atomarer Ebene nichts mehr übrigbleibt. Eine sogenannte D20-Potenzierung ist in etwa so, als würde man eine Aspirin-Tablette in den Atlantischen Ozean werfen.

Diese Herangehensweise widerspricht natürlich jeglicher pharmazeutischer und medizinischer Erfahrung. Selbst Homöopathen können sich die Wirkung nicht erklären. Sie verweisen stattdessen auf den Begründer Samuel Hahnemann, der behauptete, dass sich die Materie des Wirkstoffs „gänzlich in ihr individuelles geistartiges Wesen auflöse“.

Dem Wasser wird also eine Art Erinnerung unterstellt. Dieses müsste aber streng genommen jegliche Eigenschaften annehmen, mit denen es jemals in Berührung kam. So würde es konsequenterweise aber zu unvorhergesehenen Wechselwirkungen kommen und die Theorie würde wiederum an Gültigkeit verlieren.

Der Homöopath, der nämlich ein Glas Leitungswasser trinkt, stirbt folglich woran genau? Natürlich an einer Überdosis.

Glaubenskrieg

Homöopathie fällt demzufolge in den Bereich der Mystik und Esoterik, wird aber im Gegensatz zu schamanistischer Geistheilung von der Krankenkasse bezahlt.

Auch bei den Grünen hat die Frage nach homöopathischen Arzneimittel mittlerweile einen regelrechten Glaubenskrieg entfacht. Die Partei will bis Herbst 2020 ein neues Grundsatzprogramm ausarbeiten. Darin solle auch beschrieben werden, wie sich die Partei zum Thema Alternativmedizin positionieren will.

Eine geplante Kommission zu dem Thema wurde jedoch kurzfristig abgesagt, weil eine „vertrauensvolle und erfolgreiche Arbeit dieser Kommission nicht möglich ist.“ Zudem hätten die Debatten einen „aggressiven und teilweise polemischen Ton“ angenommen, wie der Bundesvorstand der taz erklärte.

Es bleibt also weiterhin ungeklärt, wie die Grünen, die sich sonst immer sehr wissenschaftsnah präsentieren, mit dem Thema umgehen wollen.

Die Existenz stellt uns Fragen

Die Frage bleibt, weshalb scheinbar immer mehr Menschen den Glauben in die Wissenschaft verlieren.

Sind die behandelten Themen zu komplex geworden, als dass Otto-Normal-Verbraucher sie durchdringen kann? Oder liegt es gerade daran, dass das Internet quasi jedem Laien Zugang zu Themengebieten eröffnet, die vorher nur Studierenden offenstanden? Beides führt unweigerlich zu einer Vergrößerung des „Schwurbelfaktors“.

Zugegeben: Wissenschaftliche Forschungsergebnisse sollten immer angezweifelt werden, da Ungereimtheiten in der Wissenschaftspraxis zum Alltag gehören. Diese auszumachen ist jedoch Teil der wissenschaftlichen Methode und wird bei jeder Veröffentlichung berücksichtigt. Dazu bedarf es keiner Laien, die den Experten unterstellen, sie würden nichts von ihrer Arbeit verstehen.

Die Entzauberung der Welt stellt uns vor eine große Leere. Das Dasein scheint sinnlos und unnütz zu sein. Viele von uns hoffen daher wieder Zeichen und Wunder zu sehen, neue Hoffnungen und Perspektiven zu entdecken, die uns aus dem Alltagstrott herausreißen.

Andererseits suchen wir gerade nach einem gewissen Maß an Kontinuität in dem unaufhaltsamen Voranschreiten des Weltgeschehens. Es geht über unsere Vorstellungskraft hinaus, dass Ökosysteme fragile Konstrukte sind und dass das menschliche Handeln den gesamten Planeten zerstören könnte.

Zudem werden wir von der Gesellschaft ständig enttäuscht. Dass man den Pharmakonzernen nicht trauen darf, hat man quasi schon in der Schule gelernt, ähnlich sieht es mit Industrien aus, die andere vom Markt verdrängen wollen. Wir sind skeptisch geworden und können letztlich an gar nichts mehr glauben oder eben an alles.

Und aus dieser Mischung von Angst und Hoffnung speist sich unser Aberglauben, der jedoch in der Politik nichts zu suchen hat.

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2 Kommentare
  • Heinz Kulb
    Februar 5, 2020

    Lieber Stephan Zwerenz,
    beim Lesen Deiner Kolumne sind mir einige Dinge aufgefallen, die Journalisten leider immer wieder passieren. Auch ich bin in meinem Schreiberdasein diesen Versuchungen nach Verständnis für alle und der Sucht nach Vereinfachung in journalistischen Texten auf den Leim gegangen. Aber gerade von uns Journalisten darf ein(e) Leser / Leserin erwarten, dass bestimmte Begriffe in ihrer Schreibweise, in ihrer Definition und in ihrem Kontext genau beachtet werden. Es geht nicht um Korinthenkackerei. In komplexen Zusammenhängen schreiben und denken, steigert den Anspruch des Schreibenden und erhöht seine Seriosität und sein Ansehen. Sonst landet man schnell in der Oberflächlichkeit, im Boulevardjournalismus und, politisch gesehen, letztendlich im Populismus.

    Zu Deiner Überschrift: "Wissenschaft ist zu einer Glaubensfrage geworden".
    Auch wenn jetzt einige meinen, dass der Glaube in die Wissenschaft der Theologie gehöre oder in die Kirche, so ist aber der "Glaube" keinesfalls ein Fremdkörper in den Wissenschaften. Er ist sogar ein wichtiger Bestandteil. Der Glaube an sich spielt in der Psychologie eine große Rolle. Jeder Hypothese und sogar auch jeder These wohnt ein mehr oder weniger großer Anteil an Glauben inne, nämlich an Glauben an die Richtigkeit des Gesagten, der Erkenntnis. Er muss im Gegensatz zur Religion nur noch bewiesen werden.

    Ich selbst bin Kulturwissenschaftler, Journalist und Autor. Wir kennen uns übrigens auch flüchtig vom "Dunstkreis" im Januar in der Hole of Fame, wo ich etwas zur Veranstaltung beitragen durfte, falls Du Dich erinnerst.
    Nun aber zu Deinem Text.

    Erstens, schreibst Du immer von "Wissenschaft". Eine Greta kann sich mit ihren 17 Jahren erlauben, so zu fabulieren, dass wir "auf die Wissenschaft" hören sollten. Aber Du weißt sicher auch (und das liest man etwas versteckt im Text), dass es "DIE WISSENSCHAFT" nicht gibt, sondern DIE WISSENSCHAFTEN. Und die beißen sich mitunter sehr häufig in vielen Sachfragen im Kampf um Wahrheiten.

    Zweitens findet sich m. E. auch ein Durcheinander beim Klimateil Deines Textes. Einmal redest Du von "Klimaleugnung" (sogar in einer Zwischenüberschrift). Dabei weißt Du sehr wohl, dass niemand das "Klima" leugnet, auch nicht die Leute von der AfD. Diese Anbiederung an eine "verkürzte Volkssprache" hast Du nicht nötig, die passt auch nicht zu diesem Text. Was von bestimmten politischen Kräften geleugnet wird, sind die von vielen Wissenschaftlern und in vielen Untersuchungen inzwischen als Tatsachen anerkannten die "zum allergrößten Teil von Menschen gemachten Klimaveränderungen" in vielen Teilen dieser Welt. Wie man diesen Veränderungen begegnen kann und soll, darüber streiten sich die Geister und gleiten dabei in verschiedenen ideologischen Lagern leider in kurzsichtigen populistischen Lösungen, Ansichten und Forderungen ab. Für Lösungen brauchen wir aus meiner Sicht ein komplexes Herangehen und die unvoreingenommenen Kooperationen der verschiedensten Wissenschaften, Techniker, gesellschaftlichen Gruppen und die Politiker aller Couleur in allen Ländern. Ja, auch den kleinsten Beitrag eines jeden von uns ist gefragt.
    Deshalb bitte ich Dich als Journalist, genauer mit Begriffen umzugehen.

    Drittens, und jetzt spricht der Kulturwissenschaftler (ich bin aber keine gespaltene Persönlichkeit) zu Deinen Thesen im letzten Teil:
    "Die Entzauberung der Welt stellt uns vor eine große Leere. Das Dasein scheint sinnlos und unnütz zu sein. Viele von uns hoffen daher wieder Zeichen und Wunder zu sehen, neue Hoffnungen und Perspektiven zu entdecken, die uns aus dem Alltagstrott herausreißen."
    Für mich hochinteressant.
    Dass das Ein- und Vordringen der wissenschaftlichen Erkenntnisse (mittels neuer Techniken und Produkte) in unseren Alltag die Welt entzaubert, wie Du so schön schreibst, mag in einem literarischen Text seinen Platz finden. Aber im Alltag sind die Menschen um uns herum so verschieden, weil wir alle Unikate, Individuen sind mit unterschiedlichen Bedürfnissen, Herkünften, Fähigkeiten, Ansichten und kein grauer Brei von dumpfen, einseitigen Massenwesen mit Massenbedürfnissen, die von irgendwelchen Auserwählten gelenkt und ansonsten in Ruhe gelassen werden wollen.
    Hätten wir eine "große Leere", hätten wir keine Fantasien mehr, keine Neugier, keine Literatur, keine Musik und keine Filme, keine Lüste, keine Wissenschaften, keine Reisemöglichkeiten, keinen Handel, keinen Ideenaustausch. Wir blieben in unserem Nest sitzen. Wir verzehrten nur das, was quasi vor der Tür zu haben wäre. Arbeiten? Werte schaffen? Wozu? Dann lebten wir in großer Lethargie und warteten mit Bangen oder besser noch mit Gleichgültigkeit auf das, was da kommen möge. Wir könnten sowieso nichts machen.
    Verantwortlich für dieses Dilemma wären ja immer die anderen, die vorherigen Generationen, die alten weißen Männer, das Finanzkapital usw. Dann suchten wir um Hilfe nach bei Gott oder den Göttern und Engeln, schauten aus nach Außerirdischen, nach Geistwesen in der Neben- oder Unterwelt, nach Schamanen und Esoterikern, die eine Verbindung zu den Ahnen herstellen könnten, nach Heilsbringern (männlichen natürlich) mit gutem jugendlichen Aussehen und großen schauspielerischen Fähigkeiten und Redegewandtheit, denen wir nur zu folgen bräuchten und die angeblich wissen, wie die Menschheitsprobleme zu lösen seien. Sie alle mögen uns erlösen von allen Übeln, wenn sie könnten.
    Deshalb sehe ich keine große Leere, sondern einen brodelnden Kessel voller Ideen, voller Streit um beste Lösungen, voller Zuversicht und auch voller Gefahren. Wenn auch noch Nebel unseren Blick in die Ferne behindert (mit dieser Behinderung musste bisher jede Generation fertig werden und hat ihn letztendlich doch durchdrungen) ist es uns Menschen innewohnend, Wege zu finden, um weiter zu leben. Das ist für mich der Boden der Philosophie, die Grundfrage nach dem Sinn allen Daseins, allen Lebens. Meine Antwort: Leben. Nur deshalb suchen wir seit Anbeginn nach immer besseren Möglichkeiten, effektiv und effizient das Leben zu erhalten, es für uns immer erträglicher und scheinbar einfacher zu machen. Und das ist mit großen Widersprüchen und Holzwegen verbunden. Mit Kampf und Niederlagen, mit Ruhm, Erfolg und Tod.

    Lieber Stephan, nun bin ich doch noch ungewollt philosophisch geworden. Ich kann nicht anders und Hoffe auf Nachsicht.
    Ich hoffe natürlich auch, dass ich Dich mit meinem Geschreibsel nicht gekränkt habe. Das war keinesfalls meine Absicht. Falls Du Dich gekränkt fühlst, bitte ich um Entschuldigung.
    Herzliche Grüße
    Heinz Kulb

  • stz
    Februar 8, 2020

    Lieber Heinz Kulb,

    vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, meinen Text so genau zu analysieren und zu kommentieren. Ich kann dir aber leider nicht in allen Punkten zustimmen. Natürlich bin ich als Journalist auch der Meinung, dass man Worte präzise verwenden sollte. Das Wort "Klimaleugner" ist jedoch bereits zum geflügelten Wort geworden und steht mittlerweile im Lexikon, ansonsten hätte ich es auch nicht verwendet. „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache", wie Wittgenstein schon schrieb. Die Verwendung findest du übrigens nicht nur im Boulevardjournalismus sondern überall (sowohl in seriösen Medien als auch in wissenschaftlichen Aufsätzen oder eben in der Politik). Man will ja schließlich nicht jedes Mal "Leugner der menschengemachten globalen Erwärmung" schreiben oder sagen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Leugnung_der_menschengemachten_globalen_Erw%C3%A4rmung

    Bei dem Teil mit der Wissenschaft stimme ich dir ebenfalls nicht zu, denn "die" Wissenschaft bezeichnet die Gesamtheit "der" Wissenschaften, so ist es mir zumindest aus meinem Philosophiestudium vertraut. Mir ging es aber um die Wissenschaft im Allgemeinen und um die Gesamtheit der wissenschaftlichen Methoden (deren härteste Kritiker auch immer die Wissenschaftler selbst sein werden). Klimawandel und Homöopathie sind letztlich nur zwei Beispiele im zeitgenössischen Diskurs, in denen das von mir beschriebene Problem zutage tritt und deren Auswirkungen mittlerweile in der Politik sichtbar werden.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Wissenschaft

    Ich hatte beim Schreiben aber schon überlegt, ob ich statt "Wissenschaft" lieber "Naturwissenschaften" schreibe. Allerdings hat es mich davon abgehalten, weil ich zum Beispiel die Politikwissenschaften oder die Soziologie, die auch sehr viel mit Zahlen, Statistiken und mitunter eindeutigen Beweisen arbeiten, nicht ausschließen wollte. Der philosophische Beweis hingegen ist meist schwieriger zu fassen und von der Logik abhängig, die mitunter aber auch zu sehr widersprüchlichen Erkenntnissen führen kann (siehe z.B. Paradoxa). Nun ja, bei der Kürze der Texte muss man halt überlegen, welche Erörterungen man nur anschneidet oder sogar außen vorlässt. Letztlich ist der Text schon doppelt so lang geworden, wie er hätte sein sollen. Ich finde, man muss den Lesern auch nicht unbedingt alle Selbstverständlichkeiten erklären. Sie sind ja schließlich selbst denkende Wesen, die Gedanken auch eigenständig vervollständigen können. Daran schließt sich auch das Thema mit dem "Glauben" an.

    Dass der Glaube Teil mancher Wissenschaften (vor allem aber der Geisteswissenschaften ist) mag sein. Und natürlich geht auch der Glaube an eine mögliche Wahrheit oftmals der wissenschaftlichen Arbeit voraus. Das ist aber nicht Thema des Textes.

    Das Thema "Klimawandel" ist komplex - natürlich. In dem Text geht es aber nicht um Lösungen, sondern darum, dass die Menschen überhaupt erstmal die Ursachen anerkennen. Und da nicht jede*r in der Klimatologie oder Meteorologie tätig sein kann, sollte man abwägen, ob es nicht vielleicht sinnvoll sein könnte, sich auf die Erkenntnisse der Experten zu verlassen und daraus seine Handlungsmaximen zu formulieren.

    "Entzauberung der Welt" ist ein Begriff, der auf Max Weber zurückgeht und mit der Entwicklung der wissenschaftlichen Arbeitsmethoden zu tun hat. Er hängt auch eng mit dem sogenannten philosophischen "Tod Gottes" zusammen. Es geht dabei darum, dass die Religion keine wichtige Rolle mehr in unserer Gesellschaft spielt und wir dementsprechend einer großen Leere und einer absurden Sinnlosigkeit der Welt gegenüberstehen, so wie sie u.a. im Existentialismus beschrieben wird. Ich habe diesen Begriff auch deshalb verwendet, um nicht den gesamten Diskurs, der in den letzten 100 Jahren darüber geführt worden ist, nochmal neu aufzurollen. Dass alle Menschen Individuen sind, davon sollte man ausgehen. Jedoch beflügelt die "große Leere" gerade auch die Fantasie, weil eben keine vorgefertigten Glaubensvorstellungen vorgeschrieben werden, sondern alles möglich ist. Alles kann und darf geglaubt werden. Wenn wir aber wissenschaftlich oder politisch arbeiten wollen, dann sollten wir die als gesichert geltenden wissenschaftlichen Erkenntnisse anerkennen. Denn mit denen lässt sich auch in der physisch-ontologischen Wirklichkeit arbeiten.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Entzauberung_der_Welt

    Ich hoffe, du kannst nun die ein oder andere Wortwahl oder Formulierung besser nachvollziehen.

    Liebe Grüße
    Stephan Zwerenz

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