Lesehinweis: Wie Medien ein „Pegida reloaded“ vermeiden könnten

Lesehinweis: Simone Rafael, Chefredakteurin von Belltower News (einem Nachrichten-Angebot der Amadeu-Antonio-Stiftung), hat einen spannenden Kommentar über die Berichterstattung über "Hygiene"-Demos von "Corona-Rebellen" bis zum "Widerstand 2020" verfasst.

Zitat:

"Wenn wir kein 'Pegida reloaded'-Erlebnis wollen, sollten die Medien aufhören, Kameras und Mikros in die wütende Menge zu halten, und anfangen mit Analyse, Erklärungen und Lösungssuche."

In ihrem Kommentar geht sie darauf ein, warum es aus ihrer Sicht problematisch ist, wenn Medien die Proteste einfach nur abbilden – und nicht einordnen. Das führe nur zur Reproduktion der Botschaften der Demonstrierenden.

Ihre Empfehlungen und Wünsche an die Berichterstattung: Bei Unsicherheiten zu Zugehörigkeit der Demo-Teilnehmenden die Kriterien der Einordnung beschreiben und etwa die eigene Sprache prüfen. So enthält der Begriff "Verschwörungstheorien" das Wort "Theorien" - treffender wäre aber wohl "Verschwörungsmythen" oder "-erzählungen" zu verwenden.

Sie rät Medien auch dazu, sich nicht durch provokative Pressefeindlichkeit triggern zu lassen.

Zitat:

"Und dann gibt es noch die Momente, in denen die Demonstrationen und die Berichterstattung dazu an 'Pegida' erinnern: Also den Moment Ende 2014, Anfang 2015, als Flüchtlingsfeinde in Dresden so laut 'Lügenpresse' schrien, bis sie alle mediale Aufmerksamkeit erhielten, nicht zuletzt von Medien, die – schlimmstenfalls durch unkritische Berichterstattung – belegen wollten, dass sie gar keine 'Lügenpresse' sind. Bei den 'Anti-Coronavirus-Maßnahmen-Demonstrationen' geht die Eskalation schneller: Hier wurden schon bei ersten Treffen Pressevertreter*innen angegriffen, was absurderweise zu mehr Presse führt, zu mehr Sendezeit, zu mehr Berichterstattung, und damit in den Augen der Verursachenden mutmaßlich zu mehr Erfolg."

Rafael diskutiert in ihrem Kommentar auch die Frage, ob der Verzicht auf Berichterstattung besser wäre - was sie aber ablehnt.

"Weil Verschwörungserzählungen sehr hartnäckig sind und aktuell in sehr viele Freundes- und Bekanntenkreise gespült werden, ist die Bestärkung aller Demokrat*innen nötig, um sachlich widersprechen zu können: Wie lassen sich Quellen einordnen? Welche Bedürfnisse erfüllen die geteilten Verschwörungserzählungen – und wie können die befriedigt werden, ohne in antidemokratische Agitation zu verfallen? Diese Ansätze können Journalist*innen verfolgen, um über Proteste zu berichten, ohne nur deren Erzählungen und Provokationen zu vervielfältigen. Das ist bisweilen anstrengend. Aber es ist sehr notwendig."

Hier geht es zu ihrem Kommentar vom 11.5.2020: "Wie berichten über Verschwörungsdemonstrationen?"

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