Zwickau: „Westsächsische Zeitung“ führt RT Deutsch hinters Licht

Oder verbreitet RT Deutsch absichtlich Falschnachrichten?

Die Internet-Seite "Westsächsische Zeitung" (WSZ) hat es geschafft, mit einer Falschmeldung über das Zwickauer Krematorium überregionale Aufmerksamkeit zu erhalten.

Nur: Es handelt sich bei der WSZ nicht um eine "Lokalzeitung", wie RT Deutsch behauptet, und also um keine seriöse Quelle. Darauf weißt der Zwickauer Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wetzel in einem langen Facebook-Posting zum Vorgang hin.

Fake-News über das Zwickauer Krematorium

Der Reihe nach: Das russische Staatsmedium RT-DE (RT Deutsch) greift am 11.1.2021 einen Bericht der angeblichen "Lokalzeitung" WSZ auf.

Provokant fragt RT Deutsch in der Überschrift: "Angebliche Überbelastung des Bestattungs- und Friedhofswesens in Zwickau – Alles Fake News?" (11.1.2021)

Der RT-Bericht hat dazu aber keine eigenen Informationen - er gibt nur wieder, was die WSZ vorher behauptet hat. Und zitiert dann den Stadtsprecher Zwickaus, der dann die Falsch-Nachricht der WSZ widerlegen darf.

Wörtlich heißt es bei RT-Deutsch:

"Der Leiter des Presse- und Oberbürgermeisterbüros Mathias Merz widersprach gegenüber RT DE der Darstellung der Zeitung. Demnach sei (Anmerk.: seitens der WSZ) weder mit Vertretern des Garten- und Friedhofsamtes gesprochen noch seien Zahlen und Fakten recherchiert worden."

Sprich: Nein, es sind nicht Fake-News, dass das Krematorium in Zwickau überlastet sei - das ist es wirklich. Fake-News ist die Behauptung der WSZ – von RT Deutsch in einer Frage weiter kolportiert – bei den Informationen der Stadtverwaltung handele es sich um Fake-News.

"Zwickauer Meinungsmedium des extremrechten Milieus"

Der Zwickauer Bundestagsabgeordnete Wolfgang Wetzel hat den Vorgang in einem Facebook-Posting thematisiert - nachdem er von vielen Bürgern darauf angesprochen worden sei.

Wörtlich schreibt Wetzel:

"Die 'Westsächsische Zeitung' ist ein Zwickauer Meinungsmedium des extremrechten Milieus und der Autor des Textes ist Torsten Graslaub, ein in Zwickau und darüber hinaus bekannter Neonazi. Recherchiert nach journalistischen Kriterien hat er für seinen Text überhaupt gar nichts, er traf ja nicht einmal auf auskunftsfähige Ansprechpartner*innen. Also hat er einfach Außenaufnahmen vom Zwickauer Krematorium gemacht und sich dazu einen Phantasietext ausgedacht, der seiner politisch extremistischen Meinung entspricht. Die 'Westsächsische Zeitung' verkaufte das ihrer Leser*innenschaft dann als Meldung."

Über RT Deutsch und die Entwicklung, wie dort die erfundene Meldung weiterverwertet wird, schreibt er:

"Sie stellen deren Behauptungen dann so hin, als ob es tatsächlich einen auf Fakten und Recherchen beruhenden Meinungsstreit zwischen Zwickauer Stadtverwaltung und 'Westsächsischer Zeitung' gäbe, den es in Wirklichkeit aber ja gar nicht gibt. Sie bezeichnen das Zwickauer Meinungsmedium des extremrechten Randes fälschlicherweise als 'Lokalzeitung' und erwecken damit bei naiven Leser*innen den Eindruck, es handle sich um ein Nachrichtenmedium. Sie vermarkten Gerüchte. Ich stelle hiermit klar: Alles Lüge."

Hier geht es zu dem sehr lesenswerten Facebook-Posting von Wolfgang Wetzel.

Ziel: Verwirrung und Verunsicherung der Bevölkerung

Warum schreibt die WSZ so einen Bericht? Warum greift RT Deutsch das auf? Warum widerspricht niemand? Auch auf diese Fragen geht Wetzel in seinem lesenswerten Posting ein.

Fakt ist: Solche bewusst gestreuten Falschnachrichten verfolgen oft das Ziel, für Verwirrung und Verunsicherung in der Bevölkerung zu sorgen und die klassischen Medien unglaubwürdig zu machen.

Ein Problem mit Fake-News ist, dass die Widerlegung (etwa durch andere Medien) immer auch bei einem Teil der Leserschaft nicht greift - sondern nur die ursprüngliche Nachricht verstärkt. Deswegen hat sich etabliert, nicht auf alle Fake-News einzugehen.

Nur: Manchmal schlagen die Geschichten solche Kapriolen, dass es eben nicht anders geht, als sie zu thematisieren. Wie hiermit geschehen.

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