Sparprogramm beim MDR: „Tatort“ und „Polizeiruf“ setzen drei Jahre aus

Sparprogramm beim MDR: Der Mitteldeutsche Rundfunk muss sparen und setzt dafür eine ganze Reihe von teils drastischen Maßnahmen um.

Betroffen sind eine ganze Reihe von Sendungsformaten, die seltener kommen werden. Die Social-Media-Aktivitäten sollen um 30 Prozent reduziert werden, Podcasts unter 6.000 Hörern im Monat werden eingestellt.

Das Magazin MDR aktuell um 21:45 Uhr soll enger mit den Landesfunkhäusern verzahnt werden, sprich: mehr auf deren Ressourcen zurückgreifen.

Die Maßnahmen werden heute den Gremien (zur Stunde tagt der Rundfunkrat) und morgen im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung verkündet.

Mittagsmagazin und MDR um 2 betroffen

Bereits am Freitag war bekannt geworden, dass der MDR das Mittagsmagazin nach drei Jahren wieder abgibt (vgl. dwdl.de vom 7.5.2026: "MDR gibt 'Mima'-Produktion nach nur drei Jahren wieder ab"). Übernehmen wird der NDR. Betroffen von der Maßnahme sind rund 200 Leute, heißt es aus Führungskreisen. Hier ist noch unklar, was mit den Stellen passiert.

Es geht aber noch weiter: Auch das Magazin MDR um 2 soll wohl ersetzt werden - durch ein streamingoptimiertes Nachrichtenformat. Hier sind weitere 40 Stellen betroffen.

UKW-Aus für Sputnik zu Ende 2026

Bereits zum Jahresende 2026 wird außerdem die UKW-Verbreitung von MDR-Sputnik eingestellt, die Inhalte sollen künftig konsequent digital ausgespielt werden.

Schließlich setzt der MDR für drei Jahre die Neuproduktion des "Tatort" und "Polizeiruf 110" aus. Am 2028 wird es außerdem keine neuen Folgen von "Raus aufs Land" und "Naturfilm" mehr geben.

Hintergrund der Einsparungen ist vor allem die schwierige Finanzlage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Eigentlich sollte der Rundfunkbeitrag Anfang 2025 von 18,36 Euro auf 18,94 Euro steigen. Dies wurde von den zuständigen Bundesländer aber nicht umgesetzt. ARD und ZDF haben deshalb Klage vor dem Bundesverfassungsgericht erhoben, Karlsruhe hat aber noch nicht entschieden.

Der im Dezember in Kraft getretene Reformstaatsvertrag erhöht den Druck auf ARD, ZDF und Deutschlandradio, Strukturen zu verschlanken und Kosten zu senken. Dazu soll es auch mehr Kooperationen innerhalb der ARD sowie eine stärkere Konzentration auf digitale Angebote geben.

Nachtrag 13:20 Uhr:

Mitteilung des MDR

Jetzt hat der MDR eine Mitteilung zum Sparprogramm veröffentlicht – mit Zitaten von Intendanten Ralf Ludwig und Programmdirektor Boris Lochthofen.

Hier der Wortlaut der Mitteilung:

Der MDR muss auf die nicht erfolgte Anpassung des Rundfunkbeitrags reagieren und fokussiert sein Programm-Portfolio

Die bislang durch die Bundesländer seit 1.1.2025 nicht erfolgte Umsetzung der Erhöhung des Rundfunkbeitrags bedeutet für den MDR eine umfangreiche Budget-Kürzung. Diese Situation zwingt den MDR zu strategischen Entscheidungen, die sich unvermeidbar auch auf den Umfang der MDR-Programmangebote auswirken werden.

Gleichzeitig geht es darum, die Stärken des MDR als regional verankerter und handlungsfähiger Medienanbieter zu bewahren. MDR-Intendant Ralf Ludwig hat heute (11.5.) den MDR-Rundfunkrat über das Maßnahmen-Paket informiert.

MDR-Intendant Ralf Ludwig:

„Wir haben uns die Entscheidungen beileibe nicht leicht gemacht und wir würden uns die Situation gewiss auch anders wünschen. Aber Fakt ist: wäre die aus unserer Sicht rechtmäßige moderate Anhebung des Rundfunkbeitrags seit 1.1.2025 so umgesetzt worden, wie von der KEF empfohlen und wie im Verfahren vorgesehen, müssten wir diesen nun einschneidenden Weg nicht gehen. Doch die Realität lässt uns keine andere Wahl, wir können die seit 1.1.2025 fehlenden Einnahmen als MDR nicht mehr kompensieren. Die ausgebliebene Beitragsanpassung erzeugt für uns eine erhebliche Finanzlücke, auf die wir deshalb ab 2027 mit einer Etatabsenkung verantwortungsvoll reagieren müssen, um den MDR insgesamt wirtschaftlich und publizistisch zukunftssicher aufzustellen.“

MDR-Programmdirektor Boris Lochthofen:

„Der MDR ist angesichts der veränderten Mediennutzung wie alle Medienhäuser in permanenter Transformation. Gleichzeitig haben wir mehrere Phasen intensiver Einsparungen in allen Bereichen des Hauses durchlaufen. Weil wir den MDR nicht insgesamt schwächen und nicht unsere Aufgaben als öffentlich-rechtliches Haus gefährden wollen, haben wir uns entschieden, nicht in der Breite zu kürzen, sondern strategisch Prioritäten zu setzen. Die Entscheidungen schmerzen uns, aber wir gewinnen damit wirtschaftlich und publizistisch Handlungsspielraum, um unsere regionale Stärke und unsere Transformationsfähigkeit zu bewahren.“

Zu den Entscheidungen gehören:

  • „ARD-Mittagsmagazin“: Der MDR befindet sich in Gesprächen innerhalb der ARD, um die Produktion des ARD-Mittagsmagazins im Jahr 2027 abzugeben. Der Norddeutsche Rundfunk hat Bereitschaft signalisiert, das MIMA ggf. zu übernehmen.
  • Pause von MDR „Tatort-“ und „Polizeiruf“-Neuproduktionen für drei Jahre: Der MDR hat bereits fertiggestellte und vertraglich fixierte Produktionen vorrätig, die in den nächsten Jahren zum Einsatz kommen.
    Konsequente Nutzung von digitalen Ausspielwegen für jüngere Zielgruppen: „MDR Sputnik“ wird bereits ab 2027 nicht mehr über UKW ausgestrahlt.
  • „MDR um 2“: wird ab 2027 nicht mehr als lineares TV-Magazin fortgeführt, sondern als Streamingformat für regionale Themen weiterentwickelt.
  • Damit priorisieren wir Regionalität, digitale Nutzung und die Nähe zu den Menschen in Mitteldeutschland.
  • U.a. wird es ab 2027 auch an Feiertagen wieder die drei eigenständigen Landesmagazine um 19 Uhr im MDR-Fernsehen geben.

Die innerhalb des MDR betroffenen Bereiche, Belegschaftsvertretungen sowie Kontaktpunkte innerhalb der ARD und darüber hinaus sind informiert und einbezogen.


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1 Kommentar
  • Holger
    Mai 11, 2026

    Welche Podcasts wird das betreffen?

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