Fake-News III: Polizei Sachsen korrigiert Maximilian Krah

Von 0 , , , , Permalink

Lesehinweis: Wir kommen ja in diesen Tagen gar nicht hinterher, die Fake-News zu thematisieren, die im Umlauf sind. Im Folgenden dokumentieren wir hier zwei Beispiele.

Die erste Fake-News stammt von Maximilian Krah, AfD-Mitglied und Vorstand aus Dresden und bereits stattbekannt für seine "Aktivitäten" in Social Media (vgl. FLURFUNK vom 23.7.2017: "Nach München-Tweet: Twitter-Shitstorm gegen Maximilian Krah (Update)" und FLURFUNK vom 12.4.2017: "OLG-Urteil: Merkel-Hitler-Vergleich gehört Maximilian Krah").

Krah hat in einem Beitrag für die AfD-nahe Postille Deutschland Kurier über die Zahl der Vergewaltigungen in Chemnitz geschrieben (Screenshot hier). Der Watchblog Volksverpetzer hat die von Krah verbreitete Falsch-Information in einem eigenen Beitrag thematisiert:

"Die AfD denkt, sie könne sich jetzt alles erlauben: Maximilian Krah, Vorstandsvorsitzender der AfD Sachsen behauptet, dass es im laufenden Jahr 2018 nicht nur 60 Vergewaltigungen in Chemnitz gäbe, sondern dass diese auch noch alle ausschließlich von „Migranten“ verübt worden wären."

In der Folge äußerte sich die Polizei Sachsen auf Twitter zu Krahs "Zahlen" (s. Screenshot):

"Diese Zahlen stimmen so nicht! Nach derzeitigen Stand gab es in #Chemnitz im Zeitraum vom 01.01.- 31.07.18 insgesamt 14 Vergewaltigungen, davon wurden 12 Tatverdächtige ermittelt, 3 von ihnen waren nichtdeutscher Herkunft. Die Zahlen von @KrahMax können wir nicht nachvollziehen."

In der Folge reagierte Krah bei Twitter auf die Korrektur seiner "Zahlen":

"Ich nehme zur Kenntnis, dass ich in meinem letzten Kommentar im Deutschland-Kurier eine ungenaue Zahl der Vergewaltigungen in #Chemnitz verwendet habe. Der Debatte um die wahren Zahlen an Sexualdelikten, deren Entwicklung und den Tätern sehe ich sehr gelassen entgegen."

Das ist für jemanden, der Anwalt sein will, ein ziemlich lässiger Umgang mit Fakten...

Der Blog-Beitrag von Volksverpetzer trägt den Titel: "So frech lügt die AfD über Kriminalität in Chemnitz". 

###

Boykott gegen Spiegel-Cover?

Unser zweites Beispiel: Das aktuelle Cover des Spiegel ist - wie gewöhnlich - sehr provozierend - es soll am Kiosk schließlich für einen Kaufanreiz sorgen. Da bedient man also schon mal gern Klischees...

Die Seite MMNews hat dazu am 2.9.2018 eine "Satire" veröffentlicht, die behauptet, die Kiosk-Besitzer in Sachsen würden den Verkauf des Titels boykottieren.

Zitat aus dem Text:

"Der Verband der sächsischen Kioskbetreiber (VSKB) ist mehr als verärgert: 'Viele unserer Mitglieder haben sich an uns gewandt und wollten wissen, ob sie den Verkauf verweigern können', so der Sprecher des VSKB, Stephan Brecher, 'der Verkaufsstopp ist Konsens unter unseren Mitgliedern, unsere Rechtsabteilung prüft weitere Schritte.'"

Mal abgesehen davon, dass es den zitierten Verband nicht gibt, kennt sich der Autor offenkundig nicht mit den Pressevertriebsstrukturen in Deutschland aus. Die Zeitschriften-Vertriebs-Stellen an Bahnhöfen werden nicht Kioske genannt, wie es im Beitrag passiert.

Auch unterliegen die Vertriebsstellen strengen gesetzlichen Auflagen - es ist eben nicht erlaubt, unliebsame Titel einfach mal auszusortieren.

Die Nachricht schaffte es durch seine häufige Verbreitung in die Meedia-#trending-Kolumne vom 3.9.. Dort ist zu lesen:

"Ganz klein in hellgrauer Schrift steht zwischen Teaser und Text – ganz weit rechts – das Wort 'Satire'. So klein und hellgrau, dass die große Mehrheit der Leser – oder derjenigen, die nur die geteilte Headline bei Facebook und Twitter lasen, den Text für voll nahm und ihn massiv weiter verbreiteten (u.a. Erika Steinbach, der bayerische AfD-Chef Peter Bystron und andere AfD-Politiker und Ortsverbände). Zumal Headline und Teaser auf der MMnews-Homepage ohne das Wort 'Satire' auskommen und der Text zwischen echten Nachrichten ins Ressort 'Vermischtes' einsortiert wurde. MMnews hat sich also offenbar auch in die Reihe der Internet-Seiten eingereiht, die mit Pseudo-Satire politische Stimmung machen."

Hier findet sich der Meedia-Beitrag.

Auch der Volksverpetzer thematisierte den vermeintlichen Verkaufsboykott - und geht der Frage nach, ob es sich dabei tatsächlich um Satire handelt.

"AfD-Apologeten könnten jetzt sagen: Doch, alle wussten, dass es 'Satire' war und haben es deshalb geteilt. Das Problem ist aber: Das ist keine Satire. Das ist typische rechte Pseudo-Satire. Rechten ist absolut nicht bewusst, was Satire ist. Satire ist eine gezielte Überspitzung oder Kritik durch Darstellung einer gegenteilig gemeinten Aussage. Was dieser Artikel macht ist was völlig anderes.

Er erfindet eine völlig falsche Meldung, versucht so täuschend echt wie möglich auszusehen und schmückt sich dann mit einem Label 'Satire'. Wo ist darin die Überspitzung? Wo ist darin die Kritik? Das ist lediglich eine Meldung, die sich Rechte wünschen würden, da sie ihre Weltsicht bestätigt. Das ist keine Satire."

Hier findet sich der Blog-Beitrag von Volksverpetzer vom 5.9.: "Unglaublich: AfDler können Realität nicht von Pseudo-'Satire' unterscheiden".

Noch keine Kommentare.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen