Gastkommentar: „Dresden – eben sächsi!“

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Heute tauchte ein Facebook-Kommentar mit dem Wortlaut auf: "Das Allerletzte!!! Man zähle allein die Fehler!!!" Gemeint ist das  Dresden-Memory auf dresden.de. Wir fragten: Mag das jemand in einem Gastbeitrag auf Flurfunk-Dresden.de kommentieren? Die Antwort kam prompt - hier der Gastkommentar

von Martin Morgenstern

Liebevoller Sächsismus ist in Dresdens Online- und Printmedien ja allgegenwärtig. Ob nun der nackte blaue Cyberbody, der mich eine Zeitlang jeden Tag aus der SZ ansprang oder die goldenen Brüstchen der Małgorzata Chodakowska, die "Dresdens Unternehmer des Jahres" liebkosen dürfen - hierzulande ist man offenbar unbekümmerter als anderswo.

Die Grundhaltung stammt sicher noch aus den tollen DDR-FKK-Zeiten, als wir alle noch usw. usf. Was aber NICHT geht, ist die OB in Strapsen - klar, da müssen die Gerichte bemüht werden. Auf diesen Widerspruch hat bereits Alexander Keuk im Juli hingewiesen, und in seinem damaligen Posting auch auf die neue "Dresden erleben 2011"-Werbung hingewiesen. Inzwischen wissen wir: die drallen Fußballbrüste entstammen einem Studentenwettbewerb der TU Dresden. Der Siegerentwurf sieht zwar so selbstgebastelt aus wie nur irgendwas (meine Lieblingsagentur spricht in diesem Fall davon, dass es aussieht wie "vom Neffen des Chefs"), aber Dresden spart sich die Kosten für professionelle Außendarstellung und setzt weiter tapfer auf die Studenten-Zuarbeit. Nun auch mit einem Memory auf der Homepage.

Das glänzt mit den bekannten Motiven von Zwingerfestspiele (wäre mal ein eigenes Flurfunk-Thema wert) bis Libeskind-Keil, von Hellerauer Festspielhaus bis Radebeuler Traube. Und auch die Fußballbegeisterten kommen nicht zu kurz und dürfen fleißig Bikinis klicken.

Abgesehen davon, dass das Memory bis heute Mittag in einer Version online war, bei der zu Beginn bereits sämtliche Motive aufgedeckt waren (juhu, danke sandstein.de: durfte das der Praktikant programmieren?), fragt man sich, welchen Eindruck es macht, wenn der Verwaltung einer Halbmillionenstadt in puncto Web 2.0 nichts anderes einfällt als - Hustenanfall - EIN MEMORY. Ähnliches durften wir an der "Spezialschule für Mathematik, Naturwissenschaften und Technik" (heute: www.manos-dresden.de) Mitte der Neunziger in Turbo Pascal schon mal erstellen. Mehr als ein freundliches Gähnen hat es den Testspielern quer durch alle Altersklassen schon damals nicht entlockt.

Ich erspare mir weitere Seitenhiebe, etwa auf das Orte-Memory, das der Stadtrat gerade mit der Staatsoperette spielt, und gehe wieder an meine Arbeit. Ach, eins noch, Frau Orosz, wie wäre es, eine Sonderedition "Bürgermeister" herauszugeben? Das hätte wenigstens noch etwas Bildungspotential für wirklich Dresden-Interessierte: wer, bitteschön, ist eigentlich der Mann mit der Fliege, und was hat der noch mal für ein Fachgebiet: Kultur? Zudem bitte alle Ressortchefs nackt und teilvergoldet abbilden. Małgorzata Chodakowska, übernehmen Sie.

Flurfunk Dresden freut sich (fast immer) über Angebote für Gast-Kommentare und -Beiträge. Schreiben Sie uns einfach eine Mail an owy@flurfunk-dresden.de.

5 Kommentare
  • Martin
    Oktober 6, 2010

    Und jetzt, Designer der Landeshauptstadt, geht bitte alle wieder brav in eure dschidscheriengrienen Hornzschen und bäbbelt weiter vor euch hin... Die Studenten machen das schon.

  • Muyserin
    Oktober 6, 2010

    Zing! Herr Morgenstern darf gerne öfter kommentieren, bitte.

  • Muyserin
    Oktober 6, 2010

    PS Das Thema „Sächsiness“ wird auf meinem Blog „Zur Sprache, Schätzchen“ neuerdings in einer eigenen Rubrik gewürdigt. Über Zusendungen würde ich mich freuen …

  • Sebastian
    Oktober 8, 2010

    ..hat seinen Meister gefunden ^

  • mehrlicht
    April 22, 2012

    Allerdings schafft die Staatsoperette auch ganz ohne Stadtrat und dresden.de, "sächsi" zu sein. Ob dieser Entwurf http://www.staatsoperette-dresden.de/uploads/pics/Aktion_Startseite_26.jpg allerdings von den gleichen Studenten stammt, ist mir nicht bekannt...

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