„Zeit für Sachsen“: Auflagenplus durch Regionalseiten

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Die "ZEIT" verkauft seit Einführung der Regionalseiten vor etwas mehr als einem Jahr 2.000 Exemplare mehr in Sachsen. Einzelne Ausgaben lägen sogar "4.000 Exemplare über der Auflage vor Einführung der Regionalseiten", sagt "ZEIT"-Geschäftsführer Rainer Esser auf Nachfrage von Flurfunk Dresden. Insgesamt liegt die Auflage der "ZEIT für Sachsen" bei 10 bis 12.000 Exemplaren, je nach Ausgabe.

Der Verlag wertet die Entwicklung als Erfolg. Geschäftsführer Esser:

"Die Einführung von Regionalseiten war eine richtige Entscheidung. Die verkaufte Auflage hat sich seitdem sehr positiv entwickelt. Wichtig ist uns, dass wir die Auflage wenn auch langsam, aber stetig steigern."

Die "ZEIT" hat im Herbst 2010 2009 ein Korrespondentenbüro in Dresden eröffnet und bringt seitdem wöchentlich zwei Seiten Berichterstattung aus und für Sachsen - die Regionalausgabe erscheint allerdings nur im Freistaat. Gleichzeitig soll das Korrespondentenbüro dafür sorgen, dass mehr sächsische Themen in die überregionale Ausgabe kommen. Hintergrund ist, dass überregionale Zeitungen und Zeitschriften im Osten nach wie vor im Schnitt deutlich weniger Exemplare verkaufen als im Westen.

Um die Auflage weiter auszubauen, hat der ZEIT-Verlag auch für 2011 einiges geplant. Geschäftsführer Esser:

"In diesem Jahr wird es mehr eigene Titel der Sachsen-ZEIT geben, außerdem bauen wir unsere Veranstaltungen und Kooperationen in Sachsen, insbesondere in Dresden und Leipzig aus."

Die erste Veranstaltung ist für den 9. Februar 2011 geplant. Beim ZEIT Forum Politik im Staatsschauspiel Dresden geht es um die Frage: ""Widerstand gegen Neonazis - Was ist legitim?" Als Gäste haben bereits Gerhart Baum, ehemaliger Bundesinnenminister, Christian Demuth vom Bürger.Courage e. V. sowie der Schriftsteller Ingo Schulze zugesagt.

12 Kommentare
  • randOM
    Januar 17, 2011

    Sind schon OK, die Seiten. Ist ganz gut, wenn es zur Hofberichterstattung auch noch ein paar Alternativen gibt und wenn's bloß zwei seiten die Woche sind.

  • Muyserin
    Januar 20, 2011

    Hat sich die ZEIT eigentlich irgendwann einmal geäußert, warum es nur Seiten aus Sachsen sind und nicht auch aus den anderen neuen Bundesländern? Mir erschient das immer etwas willkürlich.

  • owy
    Januar 20, 2011

    Eine offizielle Äußerung dazu gibt es nicht - die Entscheidung ist in meinen Augen aber nachvollziehbar:

    Sachsen ist mit Abstand das stärkste der fünf östlichen Bundesländer, sowohl von der Bevölkerungszahl (wenn ich mich nicht täusche) als auch der Wirtschaftskraft her. Auch bspw. für die SUPERillu ist Sachsen das wichtigste Bundesland, wenn ich es richtig weiß. Das zielt also sowohl auf die Käufer als auch die Anzeigenkunden ab.

    Oder anders gesagt: Hier ist einfach am meisten los ;-)

  • Muyserin
    Januar 20, 2011

    Hm. Ich weiß nicht, ob eine überregionale Tageszeitung immer nur zur Hofberichterstattung aus Boomtown ansetzen sollte. Interessante Stories gibt es auch da, wo sich nicht schon alle anderen tummeln. Oder sehe ich das falsch?

  • Muyserin
    Januar 20, 2011

    Damit wollte ich sagen: es kommt mir ein bißchen "kulturimperialistisch" vor, wenn von hier nach dem Motto: "Sachsen hat bewiesen, dass es in puncto Wirtschaftskraft in der westdeutschen Bundesländer mitspielen kann" berichtet wird. Nach dieser Argumentation dürfte man ja aus Berlin oder dem Ruhrgebiet nicht mehr berichten! ;)

  • owy
    Januar 20, 2011

    @Muyserin: Häh? Die Inhalte der Berichterstattung und die strategische Entscheidung des Verlages für den Standort Sachsen haben doch nichts miteinander zu tun!

    Der Verlag sucht neue Leser und neue Abonnenten und schaut sich um, in welcher Region er damit zuerst Erfolg haben kann - da geht es schlicht auch darum, dass so eine Investiton wie die in ein Korrespondentenbüro sich rechnen muss. Da sucht man also nach dem relevantesten Absatzmarkt - das ist in Ostdeutschland nun mal Sachsen und da die Landeshauptstadt (obwohl die Region Leipzig/Halle sicherlich auch interessant gewesen wäre).

    Im übrigen ist es ja immer so, dass ein Korrespondentenbüro immer in einer großen Stadt ist und deswegen auch aus den ländlichen Regionen berichten soll.

    Von "Hofberichterstattung" und "Kulturimperialismus" zu sprechen, scheint mir da ein sehr seltsames Medienbild zu sein...

  • Muyserin
    Januar 20, 2011

    Schade, dass Sie es gleich „sehr seltsam“ finden, nur weil ich eine von der Ihren abweichenden Meinung vertrete. Immerhin habe ich einen der beiden Begriffe, an denen Sie sich stoßen, in Anführungszeichen gesetzt, womit ich andeuten wollte, dass das Wort durchaus ironisch konnotiert ist.

    Im übrigen finde ich Ihre Argumentation nicht in allen Punkten nachvollziehbar. Um flächendeckend aus den neuen Ländern zu berichten, braucht es doch nicht überall Korrespondentenbüros: das ließe sich vielleicht doch auch über freie Mitarbeiter bewerkstelligen? In diesen Dingen bin ich allerdings keine Expertin.

    Ich argumentiere aus Sicht einer Leserin, die es seltsam findet, dass eine Zeitung 20 Jahre nach der Wiedervereinigung dafür gelobt wird, dass sie eines von fünf neuen Ländern in ihre regelmäßige Berichterstattung aufnimmt. Vielleicht aber sagt das weniger über die ZEIT aus als über unsere Gesellschaft.

    Ich bin übrigens beileibe nicht die Einzige in meinem Bekanntenkreis, die zunächst die Einführung der Sachsenseiten emphatisch begrüßte und nach einiger Zeit Zweifel an der Gewichtung bekam. Ich kenne sogar Leute, die die ZEIT genau wegen dieser Politik abbestellt haben.

  • owy
    Januar 20, 2011

    @Muyserin: Ich glaube, wir reden aneinander vorbei. Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Ich glaube, bei der Entscheidung für den Osten bzw. für Sachsen waren primär wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend - also nach dem Motto: "Wo können wir unsere Auflage noch steigern zu welchem Preis und Aufwand?"

    Moralische oder ethische Fragen, dass es bspw. im Grunde ein Armutszeugnis ist, was in den letzten 20 Jahren passiert ist, spielen bei solchen Entscheidungen heutzutage keine Rolle mehr.

    Man hat sich also nicht entschlossen, die Berichterstattung aus dem Osten endlich gleichwertig zur westdeutschen zu gestalten und bei den Sachsen anzufangen, sondern man sich dazu entschlossen, endlich zu versuchen, die Auflage im Osten hoch zu bekommen.

    Wie gesagt: den Verlagsstrategen sind die Inhalte da eher egal bzw. die sind nachrangig (und folglich handelt es sich nicht um Kulturimperialismus oder ähnliches).

  • Muyserin
    Januar 27, 2011

    @owy: Ein Nachtrag mit ein paar Tagen Abstand. Das Thema war inzwischen auch Gegenstand einer geselligen Runde der schreibenden Zunft.

    Ich muss gestehen, dass auf meiner Seite ein Denkfehler vorlag, weil ich von einer falschen Prämisse ausging. Nachdem ich den Sachverhalt nun verstanden habe, kann ich auch Ihren Standpunkt besser nachvollziehen.

    Das wollte ich nicht ungesagt lassen. – Besten Dank fürs Diskutieren.

  • owy
    Januar 27, 2011

    @Muyserin Diskussion: immer gerne! Danke für den Kommentar ;-)

  • jens
    Mai 26, 2011

    schon etwas älter, aber trotzdem einen Kommentar zur Zeit für Sachsen.

    So wird in der aktuellen Ausgabe auf 3 Seiten vom gottlosen Heidenland Sachsen berichtet ... jo, welche Überraschung für die Sachsen selbst! Das hatten wir ja gar nicht vermutet. Wem die da genannten Fakten nicht bekannt sind, der ist wohl neu zugezogen ;-)

    In einer anderen Ausgabe werden die Schönheiten von Sachsen gepriesen, das man glatt dahin verreisen möchte ... aber man ist ja schon dort.

    So geht es weiter wenn man sich die Themen dieser Seiten der vergangenen Ausgaben ansieht.

    Was macht es für Sinn in Sachsen über Dinge zu berichten die jedem Sachsen so weit bekannt sind? Oder auch noch wenig fundiert oder aus nicht zutreffender 'Außensicht' geschrieben sind (wie z.b. mal der Artikel über das neue Bürgertum in Dresden).

    Eine ordentliche tageszeitung für die Region ersetzen die Seiten auch nicht. Also wozu?

    ich frage mich nun jede Woche was ich aus der 'normalen' Ausgabe verpasst habe und wenn ich nicht einen Weg finde hier in Dresden die normale Ausgabe zu bekommen, dann wird der wirtschaftliche Erfolg der Zeit um ein Stück geschmälert werden.

    Um es nicht falsch zu verstehen: eine lokale Redaktion in Sachsen ist gut, aber dann gehören die Artikel einfach in die reguläre Ausgabe.

    vg jens

  • rombocombo
    Mai 31, 2011

    Wer will schon Heimatkunde-Texte lesen, die in der Regel langweilig sind bzw. in der Summe einen aufgesetzten Positiv-Charme aufscheinen lassen? Abgesehen davon, dass die Reihe der vorstellbaren (Ex-)CDU-Politiker auch in diesem Freistaat endlich ist. Ich kann auf die Sachsen-ZEIT gut verzichten, obwohl ich die ZEIT ansonsten, vor allem den Wirtschaftsteil, für recht gut halte. Und bei allem Verständnis für sächsischen Patriotismus, wie ihn owy hier an den Tag legt: Sachsen ist nicht wesentlich wirtschaftsstärker als die anderen Ostländer. Man vergleiche einfach mal alle Bundesländer. Dann sieht man, dass die Ostländer (und einige westdeutsche Kleinstaaten) in ihrer strukturellen Schwäche nah beieinander sind - und die anderen relativ weit drüber.

    Natürlich ist es marketingtechnisch nicht doof, auf Städte wie Dresden und Leipzig zu setzen. Aber eine Auflagensteigerung von 2000 Exemplaren ist nun wirklich nichts, was man bejubeln sollte. Ich will jedenfalls nicht gestreichelt, sondern normal behandelt werden. Zeitungen sind nicht zum Liebkosen da, zumal man es ihnen eh nicht glauben kann.

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