Public science: Schadet Medienpräsenz der Karriere als Wissenschaftler?

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Journalisten schmücken ihre Berichte gern mit Studien oder wissenschaftlichen Thesen. Doch Wissenschaft ist sperrig, und ihre Sprache selten kompatibel mit den Massenmedien. Komplizierte Sachverhalte müssen einfach beschrieben werden.

In den USA ist diese Art public science längst üblich, hierzulande scheuen Wissenschaftler die Rede zu Laien oft. Der Medientheorethiker Norbert Bolz warnte sogar ausdrücklich vor Medienpräsenz und Laiensprache, weil dies die Karriere bremsen könne. "Er rät insbesondere jungen Forschern, nur wenige Interviews zu geben und nicht allzu populär zu schreiben", zitierte ihn Deutschlandradio Wissen. In Sachsen teilt man diese Haltung nicht grundsätzlich und plädiert für durchlässigere Elfenbeintürme.

"Wissenschaftskommunikation ist eine große Herausforderung, geht es doch darum, komplexe und schwierige Zusammenhänge für Laien verständlich und spannend zu erklären. Als Wissenschaftler ist man auch durchaus der Öffentlichkeit verpflichtet. Schließlich kommt ein nicht unerheblicher Teil der Gelder von der öffentlichen Hand, dem Steuerzahler – dem interessierten Bürger. Es ist wichtig, wissenschaftliche Erkenntnisse auch auf eine möglichst breite gesellschaftliche Basis zu stellen. Wir sollten uns nicht um das Bild eines Wissenschaftlers im vielzitierten Elfenbeinturm bemühen, sondern eine interessierte und informierte Öffentlichkeit als Chance für die Wissenschaft selbst begreifen", sagt dazu Annett Hofmann, die Sprecherin des Sächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.

Der Auftritt in den Medien bleibt eine Frage des Fingerspitzengefühls
„Ob es der Karriere schadet, hängt davon ab, wie man es macht", erläutert Medienwissenschaftler Prof. Wolfgang Donsbach von der TU Dresden. In gewisser Weise sei es die „verdammte Pflicht" von Wissenschaftlern, Ergebnisse öffentlich zu machen. Das Problem liege darin, dass Diejenigen, die es tun, von den Anderen mitunter schräg angesehen werden. „Da ist Neid dabei, aber auch unterschiedliche Persönlichkeitstypen." Einer liebt die Auftritte in Vorlesungen, andere scheuen sie.

Es gibt Wissenschaftler, die sieht man nur noch in den Medien, und andere forschen überwiegend im Elfenbeinturm. Die Schwierigkeit liegt bei der Suche nach der Goldenen Mitte: „Das Reduzieren auf Populismus schadet der Wissenschaft. Den Prozess des Übersetzens kann man Wissenschaftlern aber schon zumuten. Den Transfer in die Gesellschaft lässt sich nur über die Medien leisten. Es geht darum, wissenschaftliche Ergebnisse nicht zu verbiegen oder zu verballhornen, sondern verständlich rüberzubringen." Katlen Trautmann

1 Kommentar
  • RalfLippold
    März 21, 2011

    Danke Peter für das Aufbringen des Themas bei Flurfunk!

    .... dass Wissenschaftler neuen Medien gegenüber offen sind zeigte die gute Zusammenarbeit mit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) und ihrem Pressesprecher Marcus Neitzert.

    Ich war vergangene Woche offiziell als Wissenschaftsblogger auf der 75. Frühjahrstagung der DFG an der TU Dresden akkreditiert und schrieb unter http://twitter.com/LippoldLive und unter http://leanthinkers.blogspot.com/search/label/%23DPG11 (#DPG11).

    ... es ist ein langsamer Beginn. Forscher nutzen noch weniger die Möglichkeiten des Social Web, da sie ja am Forschen sind (das, was sie sehr gut können - und davon konnte ich mich an den fünf Tagen eingehend überzeugen!)

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