Lesehinweis: Kai-Hinrich Renner zur Finanzierung von Journalismus

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Bei Carta ist derzeit ein lesenswerter Text zum Thema Rundfunkgebühren und Finanzierung von Journalismus zu finden. Der Medienjournalist Kai-Hinrich Renner argumentiert darin, dass die deutsche Medienpolitik über eine Neuordnung des ÖR-Gebührenmodells nachdenken solle. Wörtlich heißt es in dem Text:

"Ursprünglich verdankt der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Existenz dem Mangel an Sendefrequenzen. Um zu verhindern, dass dieses rare Gut in falsche Hände kommt, vertraute man das Radio und später auch das Fernsehen Anstalten an, die von gesellschaftlich relevanten Gruppen beaufsichtigt wurden. Als dank der Verkabelung die Zahl der Frequenzen stieg und Privatsender zugelassen wurden, sollten die Öffentlich-Rechtlichen die Grundversorgung der Bevölkerung mit relevanten Inhalten gewährleisten.

Im Internet ist der Begriff der Grundversorgung allerdings denkbar deplatziert. Relevante und irrelevante Inhalte jeglicher Provenienz findet man dort in Hülle und Fülle. Sollte aber nicht irgendwann ein funktionierendes Finanzierungsmodell für rechercheintensiven Journalismus gefunden werden, könnte ausgerechnet er zur Mangelware werden. Dies wäre für unser demokratisches Gemeinwesen fatal."

Das Stück trägt den Titel: "GEZ für alle".

Die Argumentation ist spannend - vor allem verschafft der Text einen guten Einblick über die zukünftigen Finanzierungsprobleme des Journalismus im Zeitalter des Internets.

Allerdings weist Renners Argumentation Schwächen auf: Wie bitte sollte es "politikferne" Gremien geben? Wer setzt die zusammen, mit welcher Motivation? Ich halte es schlicht für naiv zu glauben, dass es im Rundfunk- bzw. Journalismusbereich jemals politikferne Gremien geben wird.

Der andere Punkt, der mich stört, geht aus diesem Zitat hervor: "Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum mit öffentlichen Mitteln nur Informationssendungen öffentlich-rechtlicher Sender unterstützt werden sollten." Ist es das - statt Leistungsschutz für die Verlage dann GEZ für alle, die Journalismus betreiben bzw. so tun? Bekommt dann RTL2 auch Geld, weil es mit seinen Formaten die bildungsferneren Schichten der Bevölkerung erreicht? Ich halte diesen Vorschlag für keine praktikable Lösung.

Obwohl die  grundsätzliche Überlegung von Renner richtig  ist: Die deutsche Medienpolitik sollte dringend darüber nachdenken, vom Modell der öffentlich-rechtlichen BehördenRundfunkanstalten zur Finanzierung von unabhängigem Journalismus zu kommen - völlig losgelöst vom Distributionsweg (also der technischen Verbreitung).

1 Kommentar
  • Karl
    April 16, 2011

    Sie ziehen den richtigen Schluss. Die Mittel, die Technik der Verbreitung sind irrelevant geworden. Die Medien an sich sollten die Konsumenten etwas kosten, wenn diese sie einsehen wollten. Alles andere fällt in die falschen Hände und nützt nicht.

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