Sächsische Unis im Web 2.0: Die Kleinen werden die Ersten sein?

Motiv aus der Kampagne "Neue Pinoniere" (http://www.neuepioniere.de) der Bergakademie Freiberg

Pioniere kommen aus Sachsen. So hätten es zumindest gern die Sächsischen Hochschulen. "Neue Pioniere" ist eine Kampagne der Technischen Universität Bergakademie Freiberg und bedeutet Studienberatung, da wo die potentiellen Pioniere unterwegs sind: in Sozialen Netzwerken. Von SchülerVZ, Facebook, Youtube, Twitter und per Blog sollen sie sicher und direkt nach Freiberg gelotst werden. Betreut wird das Angebot durch die Studienberatung. "Die Kampagne gibt es seit Mai 2010, wobei wir im Web 2.0 seit Herbst 2010 aktiv sind", sagt Sabine Schellbach von der Universität in Freiberg.

Gestartet war die Kampagne mit Citylight-Postern. Ein Workshop der Werbeagentur Scholz & Friends im Rahmen der Kampagne "Studieren in Fernost" gab dann die zündende Idee ins Web 2.0 zu gehen. Über den Erfolg lässt sich momentan noch spekulieren. Die Ergebnisse der Erstsemesterbefragung stehen noch aus.

Studienberatung im Web 2.0 ist für alle sächsischen Hochschulen ein Thema, bislang sind auch alle mehr oder weniger aktiv.

Nicht erst Scholz & Friends, auch die Hochschulrektorenkonferenz verklickerte ihren Mitglieder, dass man Studienbewerber vor allem in Sozialen Netwerken findet, aber auch Web 2.0 für die Lehre einsetzten kann. Eine Empfehlung aber, wie man sich Social Media für den Gesamtauftritt der Uni nutzen kann, gibt es nicht. Dafür heißt es:

„Hochschulleitungen sollten im Gespräch mit beteiligten Akteuren und Experten prüfen, inwieweit einzelne Anwendungen hochschulweit etabliert und in nachhaltige Strukturen überführt werden können.“

Auch der jüngst erschiene Artikel in der "ZEIT" ("Die Unis und das Web 2.0") stellte sich diese Frage nicht.

Sächsische Universitäten bei Facebook? Eher Mangelware

Die Kampagne "Studieren in Fernost" (http://studieren-in-fernost.de) präsentiert ostdeutsche Hochschulen

Beim näheren Betrachten des Engagements, das von den sächsischen Universitäten ausgeht, zeigt sich: Die Fäden des Netzes werden oft getrennt gesponnen. Hier die Studienberatung, da der Careerservice, dort die Alumnis - und dazwischen? Dazwischen, daneben, darüber, darunter: Irgendwo müsste doch etwas sein, was Image der Uni heißt. Wie kann das Image der Uni ins Web 2.0 kommen? Welches Web 2.0?

Na, nehmen wir mal Facebook: Sächsische Universitäten bei Facebook? Eher Mangelware. Stattdessen Wikipedia- Einträge. Eine Nachfrage bei den Pressestellen der großen Unis ergibt: Bald, schon bald werden auch sie bei Facebook sein. Unisono heißt es: Man möchte sich engagieren.

"Wir arbeiten an einem Facebookauftritt, es werden gerade nur noch die rechtlichen Rahmenbedingungen abgeklärt", erklärt Claudia Vojta von der Pressestelle der TU Dresden. Auch sie beteuert, dass man ja bereits die Kanäle für Studienberatung, Careerservice und Alumnis nutzt. Die Pressestelle der Uni Leipzig meint: "Noch nutzt die UL als Gesamtinstitution diese Kanäle nicht aktiv. Allerdings sind bereits Teilbereiche in Sozialen Netzwerken vertreten, beispielsweise unser Projekt Fernost in StudiVZ". Und selbst in Freiberg kennt man das Problem: "Wir haben zwar einen Account, sind mit der Konzeption jedoch noch nicht ganz glücklich. Wir wollen demnächst mit dem Rektor abstimmen, welche Informationen dort verbreitet werden sollen," so Torsten Mayer von der Pressestelle. Auch twittern hält er für sinnvoll.

Zwar nicht bei Facebook, dafür aber bei Twitter findet man die Uni Chemnitz (@_TU_Chemnitz): Sie zwitschert zentrale Pressemitteilungen in die Welt. Die Öffentlichkeitsarbeit ist für den Twitteraccount zuständig. Mario Steinbach von der Pressestelle sagt berechtigt: "Wenn man Web 2.0 machen will, dann richtig und konsequent." Dass es gerade bei dieser Thematik keinen einzig wahren Königsweg gibt, weiß der Landespressesprecher der sächsischen Hochschulpressesprecher genau. Er hat eine Abschlussarbeit angeregt, die Beispiele und Erfahrungen sammeln und untersuchen soll. Seine Hoffnung: Daraus Wirkungsweisen verstehen und dann eine sinnvolle und vor allem auch personell umsetzbare Konzeption auf den Weg bringen.

Die Facebook-Fanpage der Hochschule Zittau/Görlitz

Wie so eine Konzeption aussehen kann, zeigt schon jetzt eine kleine Universität aus Sachsen: Die Hochschule Zittau-Görlitz ist ganz frisch bei Facebook und offeriert nicht nur Studienbewerbern ein Angebot. Auch auf Twitter, Youtube und SchülerVZ ist die mit 3.800 Studierenden relativ kleine Uni unterwegs und in Sachen Gesamtpräsenz den großen voraus. Auch die kleine Palucca-Schule hat das web 2.0 entdeckt und operiert ganz selbstverständlich in diesen Kanälen.

Stellt sich die Frage, in Abwandlung eines bekannten Bibelzitats: Die Kleinen werden die Ersten sein? Der Benchmarkblick auf Gesamtdeutschland zeigt: Nein, nicht nur die kleinen, auch große Unis operieren durchaus schon im Netz, etwa Heidelberg. Und der Blick auf die großen Elite-Unis dieser Welt macht klar: Sächsische Universitäten werden auf diesem Gebiet keine Pioniere, wohl eher Nachzügler sein. Caroline Förster

4 Kommentare
  • Paul
    April 26, 2011

    Vergessen wurde die HTW Dresden, welche ebenfalls bei facebook ist. https://www.facebook.com/HTWDresden

  • owy
    April 26, 2011

    @Paul: Zum Glück gibt es die Kommentarspalte, dass man gleich auf fehlende Projekte hinweisen kann. Vielen Dank für den richtigen Hinweis!

  • jens
    April 26, 2011

    und: http://www.youtube.com/tudresdentv - Since 2008.

  • Caroline
    April 26, 2011

    @jens: die kommentarspalte lohnt sich wirklich :-) schade eigentlich, dass es keine verlinkung mit der tu website gibt, wenn es ein gesamtkanal der tu ist.

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